Ist zwar lang,aber wen es interessiert:
Von einem sehr sehr intelligenten Menschen aus der unten in meiner Sig angeführten Internetseite!
Die hier genannten "Ewiggestrigen" innerhalb der SPD will ich jedenfalls trotzdem mal herausgreifen. Denn umgekehrt wird ein Schuh daraus: die Ewiggestrigen findet man in der Neoliberalen Einheitspartei Deutschlands, der SPDGRÜNENFDPCDU, die das absurde Ziel verfolgt, Deutschland mit neuen Abstufungen der gleichen inzwischen bereits über zweihundert Jahre alten wirtschaftspolitischen Idee zu sanieren, die das Land überhaupt erst in die Sackgasse geführt hat. Die Probleme des seit zwei Jahrzehnten von genannten Parteien und von der Wirtschaft immer weiter zurück in den Mittelpunkt gerückten klassischen Volkswirtschaftsmodells sind schon seit Urzeiten bekannt. Die "vernünftigen" SPDler und ihre inhaltlichen Genossen von CDU, Grünen und FDP sind so vernünftig, dass sie ein im Schlamm steckengebliebenes Auto zu befreien versuchen würden, indem sie ein paar Eimer Matsch mehr draufpacken. Ein Land kann nicht vorankommen, wenn alle bedeutungsvollen Parteien 1:1 das gleiche Modell mit geringfügigen Nuancen verfolgen und bei all ihrem vorhandenen politischen Konsens über Nichtigkeiten wie die wirtschaftspolitischen Folgen von Windrädern, Eigenheimzulagen und Dosenpfand streiten und diese bis ins Gehtnichtmehr hochspielen, als ob die Ganzheit der Schwierigkeiten der Lage des Landes von solch Marginalitäten spürbar beeinflusst werden würde.
Das hier soll aber keine subjektive Parteischelte werden, denn die von SPD, CDU, Grünen und FDP betriebene Politik kann ein ganz hervorragendes Mittel zur Krisenbewältigung sein: nämlich dann, wenn ein grobes strukturelles Problem die einzige Ursache der vorhandenen Probleme ist. Zwei elementare Schwerpunkte können Krisensituationen als Grundproblematik haben:
(1) Strukturelle Ursachen: genau dann braucht der Staat dringend die neoliberale Politik, die augenblicklich betrieben wird.
(2) Psychologische Ursachen: Grobe Unterausnutzung der vorhandenen Kaufkraft, der mit massiver Sozialgesetzgebung begegnet werden kann, um Sicherheitsgefühle zu erzeugen und den Konsum anzuregen.
Problematisch wird es dann, wenn beide Ursachen gleichsam vorhanden sind: die Behebung der einen Ursache verschlimmert die andere Ursache. Somit muss man abwägen und entscheiden, welche Ursache im jeweiligen Moment schwerer wiegt, zunächst diese Ursache durch eine entsprechende Politik schrumpfen und somit den Fall herstellen, in dem das akkumulatierte Ausmaß beider Ursachen möglichst gering ist. Entscheidet man sich für die falsche Ursache, dann fährt man den staatlichen Karren ganz automatisch offensiv an die Wand, auch wenn man dem Staat damit nur Gutes tun wollte.
SPD, CDU, Grüne und FDP haben sich gemeinschaftlich dafür entschieden, dass die psychologischen Ursachen derzeit unser geringstes Problem zu sein scheinen und die Angebotsseite soweit wie möglich gefördert werden muss. Das Problem der gesamten durch sie verfolgten klassischen Theorie nebst Says Theorem, Angebot würde automatisch Nachfrage schaffen, ist jedoch: sie funktioniert nur unter Vollbeschäftigung aller Produktionsfaktoren. Ein kleiner Blick in die Gazetten der vergangenen Jahre dürfte selbst Hans Wurst aus Hintertupfing offenbart haben, dass Vollbeschäftigung nicht unbedingt gegeben ist. Die Folge daraus: man kann die Angebotsseite stärken wie man will - man bläst damit nur Produktivkraft in den Wind, denn wo keine Nachfrage vorhanden ist, nutzen auch die kerngesundgefördertsten Großunternehmen nichts. Ohne angemessenen Konsum kann eine Wirtschaft nicht anspringen. Wie elementar dieses Problem in Deutschland ist, kann jeder Dödel bei einem forschen Blick auf die kontinuierlich steigende Sparquote des Landes erkennen.
Eine zu hohe Sparquote kann zwei elementare Ursachen haben:
(1) Die psychologische Seite: Verunsicherung führt zu erhöhter Vorsicht und zu Konsumzurückhaltung.
(2) Die Sparquote hoher Besitzeinkommen ist generell höher als die Sparquote kleiner Lohneinkommen. Unter anderem deshalb, weil der lebensnotwendige Konsumbetrag bei letzteren logischerweise zwangsläufig einen höheren Anteil am gesamten Einkommen einnimmt. Geht die Schere zwischen dem, was man parolenhaft gerne als "Arm und Reich" bezeichnet, weiter auseinander, verlagert sich die vorhandene finanzielle Masse also stärker zu den Besitzeinkommen, dann wird die Sparquote unweigerlich steigen, obwohl der verwunderte Otto Normaldeutsche gar nicht mehr spart als früher und wohlmöglich sogar weniger zum Sparen hat als vorher.
Logische Lösung von Ursache (1): Stärkung der sozialen Sicherungssysteme. Sicherer Kündigungsschutz, ausreichende Dauer und Summe von Arbeitslosenförderungszahlungen, Bildungsförderung und viel mehr geben ein Gefühl von Absicherung und lösen psychologische Konsumhemmnisse. Somit das, was die "neue Linke" propagiert und gegenüber dem sich die anderen "großen Parteien" verschließen.
Logische Lösung von Ursache (2): Eine Umverteilung von oben nach unten, niedrige Einstiegssteuersätze, wirkungsvolle Vermögenssteuern, kurzum die Förderung eines sanfteren Verlaufes der Lorenzkurve. Somit erneut das, was die "neue Linke" propagiert und gegenüber dem sich die anderen "großen Parteien" verschließen.
Hält man die mangelnde Beachtung der Nachfrageseite und die die künstliche Hochhaltung der Sparquote für unser elementares Problem, dann ist genau jetzt der logische Zeitpunkt erreicht, um eine "linke" Partei zu wählen, die Sozialförderung oberhalb von Wirtschaftsförderung ansetzt. Man gibt sich damit nicht illusorischen Vorstellungen hin, man unterhält keine abstruse Rückwärtsorientierung, sondern man folgt schlicht und ergreifend der genannten wirtschaftspolitischen Logik. Und gleichzeitig wäre es dann genau jetzt ein absolut widersinniger Zeitpunkt, um sich bei einer Wahl für eine Partei aus dem Einheitsbrei von SPD, CDU, Grünen und FDP zu entscheiden.
Dem gegenüber steht die Finanzierungsseite, die sich als schwierig darstellen wird. Aber einerseits ist weder das vorhandene System, das wir haben, finanzierbar, noch sind Alternativvorschläge der neoliberalen Einheitszunft finanzierbar (man denke nur an die ungeklärte tieflöchrige Finanzierungsseite des Steuermodells von Friedrich Merz, der bizarrerweise immer noch "Finanzexperte" genannt wird, obwohl er mit den Finanzen offensichtlich genausogroße Probleme hat wie Ede Stoiber mit dem Artikulieren). Andererseits nützt auch das beste Finanzierungsmodell nichts, wenn ein Land damit totgewirtschaftet wird. Zunächst müssen erstmal die Voraussetzungen geschaffen werden, damit sich das Land überhaupt wieder Gedanken darüber machen kann, wie die Finanzierung geregelt werden kann. Finanziert werden kann erst dann, wenn der Motor wieder angeworfen wurde, der die Finanzen ausspuckt.
Hier müssen keine Horrorvisionen von irgendwelchen "kommunistischen" oder "linksradikalen" Regimen gemalt werden. Hier geht es schließlich um eine gemeinsame Liste, die am Ende vielleicht acht, neun Prozent der Wählerstimmen erhalten wird. Die Älteren unter uns werden sich vielleicht daran erinnern, dass man damit noch keine absolute Regierungsmehrheit hat und das System kippen kann. Vielmehr geht es hier darum, dass wirtschaftspolitischem Denken auch eine Alternative gegeben wird. Es ist vollkommen einerlei, wie man insgesamt zu "linker" Politik steht: elementar wichtig ist es, dass es eine Plattform gibt, die nicht die gleichen Einheitsparolen herunterbetet, die von allen aktuellen Bundestagsfraktionen stur vertreten werden. Alternative Ideen müssen nicht umgesetzt werden, es ist trotzdem bedeutsam, dass sie existieren.
Die Politik, die WASG bzw. PDS verfolgen, ist per se genausowenig richtig wie die Politik der restlichen vier großen Parteien. Nichtsdestotrotz sollte es wohl jedem klar sein, dass Meinungsvielfalt ein Grundpfeiler eines demokratischen Staates sein muss, und nicht infinitesimal abgestufte Einheitspolitik. Jeder, der sich mit Wirtschaftstheorie auseinandergesetzt hat, wird wissen, dass es kein volkswirtschaftliches Gesamtmodell gibt, das frei von Kritik ist, das ohne Prämissen auskommt und dessen Störungen sich nach Schema F beseitigen lassen. Sozialismus ist es nicht, eine soziale Marktwirtschaft ist es nicht, und Neoliberalismus ist es schon gar nicht, das erfährt man ja seit Jahren am eigenen Leib. Wenn kein System vorbehaltlos sensationell funktioniert, und wenn kein System für alle möglichen Probleme die richtige Lösung darstellen kann, wieso sollte man also einem einzelnen blindlings folgen und nichts daneben tolerieren?
Man muss das Linksbündnis nicht wählen, selbstverständlich muss man das nicht - aber man sollte für alle Elemente dankbar sein, die das vorhandene politische einheitliche Meinungsspektrum ergänzen, solange es sich auf Basis menschenwürdiger Werte abspielt. Insbesondere dann, wenn sie das Spektrum um Punkte ergänzen, die auf Basis der empirischen wirtschaftlichen Daten eine vollkommen logische Konsequenz sind. Wenn man wirtschaftspolitisch nicht gerade 1776 bei Adam Smith oder vielmehr 1803 bei Jean Baptiste Say steckengeblieben ist (und deshalb passt der Begriff der "Ewiggestrigen" wie die Faust aufs Auge auf weite Teile der aktiv umgesetzten Politik der letzten Jahre), musste man sich bei Wahlen zuletzt immer am subjektiv geringsten Übel orientieren, wenn man seine Stimme keiner vollkommen chancenlosen Partei geben wollte. Nun aber hat man die Möglichkeit, eine wirtschaftspolitische Alternative zu wählen, von der nicht von vorneherein klar ist, dass sie eh nicht über die Fünf-Prozent-Hürde klettert.
Die Diskussionen über einzelne Personen finde ich nebenbei absurd: wäre Gregor Gysi damals nicht zurückgetreten, würden diejenigen, die ihn jetzt als Drückeberger beschimpfen, darauf herumreiten, dass er damals charakterlos seinen Fehler ausgesessen hätte. Nicht anders ist es mit Lafontaine - niemand hier wird ernsthaft von sich behaupten können, zu wissen, was damals wirklich intern alles vorgefallen ist und inwieweit Absprachen eingehalten wurden oder nicht. Aber wenn einem die politische Ausrichtung einer Einzelperson nicht passt, zieht man sich halt gerne alles heran, was irgendwie wohlwollend als Argument fehlinterpretiert werden könnte. Wenn man den beiden etwas vorwerfen kann (und das kann man ganz zweifellos), dann ist es der enorme Hang zur Polemik. Letztlich wird man in der inhaltsleeren Politikwelt jedoch gar nicht mehr anders wahrgenommen. Es darf nur nicht dabei bleiben - und dass es das nicht wird, das können die Herrschaften ja in den kommenden Jahren durch ihre anstehende Oppositionsarbeit beweisen.