Beckenbauer beschimpft Stiftung Warentest
Beckenbauer: "Mir reicht s jetzt mit diesem Heer der Besserwisser"
Frankfurt - Die Stiftung Warentest steht wegen ihrer angekündigten Studie zum Thema Sicherheit in den WM-Stadien am Pranger.
Das deutsche Organisationskomitee erneuerte am Montag seine harsche Kritik, und die Stadionbetreiber äußerten Skepsis an den Untersuchungsmethoden.
Dass die in Berlin ansässige Stiftung auf öffentlichen Druck hin die Vorstellung der Ergebnisse um neun Tage auf Dienstag vorverlegte, konnte die Wogen nicht mehr glätten.
Franz Beckenbauer platzte der Kragen. "Mir reicht s jetzt mit diesem Heer der Besserwisser und Wichtigtuer, die sich über die WM profilieren wollen. Die Stiftung Warentest kennt sich vielleicht mit Gesichtscreme, Olivenöl und Staubsaugern aus. Dabei sollten sie bleiben", sagte der Präsident des WM-Organisationskomitees in einem Interview der "Bild"-Zeitung.
Vorwürfe "ohne Fakten"
Beckenbauer möchte von angeblichen Mängeln in den Stadien für die WM (9. Juni bis 9. Juli) nichts wissen.
"Hier wird groß angekündigt, dass in unseren Stadien Panik ausbrechen könne mit verheerenden Folgen, ohne konkrete Fakten zu nennen. Dabei laufen die Baumaßnahmen - ich weiß es aus München - mit strengsten Kontrollen der Behörden ab. Solche Einrichtungen wie die Stiftung Warentest wollen doch nur Werbung für sich machen und zeigen: Schaut her, wir sind wichtig. Sind sie aber nicht!", so Beckenbauer.
Der "Kaiser" glaubt an einen Imageschaden: "Dieses Gerede entspricht dem Zustand unseres Landes. Wenn wir bei der Bewerbung vor sechs Jahren gewusst hätten, was da jetzt hochkommt, dann hätten wir die Probleme heute nicht - weil wir mit solchen Nörgeleien nie die WM bekommen hätten. Manchmal fragt man sich: Wozu machen wir das eigentlich? Aber die WM wird trotzdem ein Riesenfest werden."
"Wir können uns nur wundern"
"Wir können uns nur wundern, dass aus einer reißerisch formulierten Einladung zu einer Pressekonferenz der Stiftung Warentest der Eindruck entstanden ist, unsere WM-Stadien seien nicht sicher. Wir kennen kein einziges Untersuchungsergebnis und sind auch vom Gegenteil überzeugt, weil alle Bauten strengsten behördlichen Genehmigungsprozessen unterliegen", sagte WM-OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach.
"Wenn also in der Einladung zur Pressekonferwenz von - so wörtlich - verheerenden Folgen im Falle einer Panik gesprochen wird, dann wäre hier ja wohl der Gesetzgeber gefragt. Aber dann gewiss nicht nur im Hinblick auf die WM-Stadien, sondern zumindest für alle Stadien der ersten und zweiten Bundesliga, wo ja Woche für Woche gespielt wird. Und zwar seit vielen Jahren ohne schlimme Unfälle", so Niersbach weiter.
Die Stiftung Warentest, die am vergangenen Freitag die Vorstellung ihrer Studie für den 19. Januar angekündigt hatte, präsentiert nun schon am Dienstag die angekündigten "teilweise beträchtlichen Mängel".
Das gewaltige Interesse unterschätzt
"Wir haben das gewaltige Interesse unterschätzt. Eigentlich laden wir immer zwei Wochen vorher zu einer Pressekonferenz ein. Das funktioniert bei Olivenöl wunderbar, beim Thema WM-Sicherheit offensichtlich nicht", erklärte Pressesprecherin Heike van Laak.
Nun stellt die Stiftung ihre Studie bereits vor dem Druck des Heftes vor und riskiert im Falle einer einstweiligen Verfügung sogar ein Vertriebsverbot.
Trotz der Vorverlegung der Präsentation kommt immer mehr Kritik an den Untersuchungsmethoden der Stiftung auf. Beklagt wurden vor allem die kurzen Kontrollgänge.
Zu kurze Kontrollgänge
"Die haben sich angemeldet, waren dann einen Nachmittag hier und haben sich gewisse neuraligische Stellen angeschaut. Es ist aber sehr schwierig, sich an einem Nachmittag ein genaues Bild zu machen und Einblick in die Unterlagen zu nehmen. Das geht normalerweise nicht in ein paar Stunden. Ich bin deshalb wie alle meine Kollegen der anderen Stadien äußerst skeptisch, was diese Geschichte angeht", äußerte Jürgen Muth, Betriebsleiter der Münchner WM-Arena.
Geschäftsführer Patrik Meyer vom Stadion Frankfurt Management (SFM) berichtete, dass bei der Stadionbegehung mit der Stiftung im Oktober ein Panikforscher beteiligt gewesen wäre.
"Dem haben wir gesagt, dass das Stadion nach den Bauschriften gebaut wurde. Er meinte aber, dass ihn die Bauvorschriften nicht interessierten", sagte Meyer.
"Dubiose" Methoden der Stadion-Tester
Winfried Lonzen, Geschäftsführer der Zentralstadion Leipzig Betreibergesellschaft mbH, zeigte sich ebenfalls "überrascht" von der Vorgehensweise der Tester.
Hubert Röser von der Kölner Sportstätten GmbH bezeichnete die etwa dreistündige Untersuchung im RheinEnergie-Stadion und den nachfolgenden spärlichen Informationsfluss mit der Stiftung als "dubios".
Fifa-Tests waren positiv
Die Betreiber vertrauen auf die behördlichen Sicherheitsabnahmen und die Kontrollen des Weltverbandes FIFA, die allesamt grundsätzlich positiv verlaufen seien.
Beim OK ist nun die Verwunderung groß, dass ausgerechnet nach den viele Millionen Euro teuren Baumaßnahmen jetzt Probleme auftreten sollen.
In Dortmund hatten nach den jüngsten Ausbauarbeiten allein drei Gremien ihr Okay gegeben: Die zuständige Bau-Behörde, ein Prüfgutachter und ein unabhängiger Sachverständiger.
Äußerst sensibel reagiert
Das WM-OK reagiert nach den jüngsten Pannen in den Stadien auf das Thema Sicherheit äußerst sensibel.
Anfang Dezember war in Kaiserslautern das Bundesliga-Spiel gegen Eintracht Frankfurt wegen Rissen im Beton abgesagt worden.
Zuvor hatten bereits zweimal die defekte Dachkonstruktion in der WM-Arena in Frankfurt sowie die Statikprobleme des Frankenstadions in Nürnberg für Negativschlagzeilen gesorgt.
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da geb ich dem Franz recht, ich glaub, die versuchen sich wirklich zu profilieren, da sie ja jetzt mal die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich haben....