23.09.2005
"Es wird ein enges Spiel werden"
Timo, wie geht's denn so? Freust Du Dich schon auf das Spiel am Sonntag im Gottlieb-Daimler-Stadion?
Timo Wenzel: "Mittlerweile geht es mir wieder ganz gut und deshalb ist auch eine gewisse Vorfreude auf das Spiel vorhanden. Es ist immer schön, in die alte Heimat zurück zu kommen."
Was heißt mittlerweile? Ging es Dir zuletzt nicht gut?
Timo Wenzel: "Ich hatte ein paar schwere Tage. Anfang August bin ich Vater geworden und leider musste unsere Tochter nach der Geburt am Herzen operiert werden. Das waren schwere Stunden, in denen der Fußball nebensächlich war. Seit drei Wochen ist Lelia Noe nun aber wieder zu Hause und zum Glück mittlerweile wohl auf."
Das heißt, nun spielt auch wieder der Fußball eine Hauptrolle. Was war zuletzt beim 0:2 gegen Mainz los?
Timo Wenzel: "Das war eine ganz bittere Niederlage. Vor allem für unsere Fans. Ein Derby zu verlieren ist immer bitter. Durch diese Niederlage haben wir eine ganze Region enttäuscht. Das erste Gegentor resultierte aus einem bitteren Abwehrfehler. Normal müssen wir mit einem 0:0 in die Pause gehen. Dann kriegen wir das dumme Tor und danach noch eine rote Karte. Trotzdem haben wir nach der Pause mit zehn Mann Druck gemacht und waren besser. Aber es hat halt nicht mehr gereicht, am Ende haben wir sogar noch das 0:2 bekommen. Das Spiel müssen wir jetzt einfach abhaken. Am Sonntag haben wir eine neue Chance."
Seit Beginn der Saison ist Michael Henke Cheftrainer in Kaiserslautern. Wie sind Deine Eindrücke vom neuen FCK-Coach und wie siehst Du Deine Chancen unter ihm?
Timo Wenzel: "Michael Henke ist ein Mann mit einer klaren Linie und festen Prinzipien. Wir arbeiten sehr viel im taktischen Bereich, was ich sehr gut finde. Die Vorgabe ist es, sicher zu stehen und aus dieser kompakten Defensive nach vorne zu spielen. Das wird von Außenstehenden dann nicht immer begriffen, weil jeder Offensivfußball sehen und ein Spektakel erleben will. Aber es ist absolut notwendig, um erfolgreich zu sein. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Natürlich musste er sich in den ersten Wochen erst einmal ein Bild von der Mannschaft machen und sich einleben. Er hat sich dann für Marcelo Pletsch und Lucien Mettomo entschieden, weshalb ich zunächst nur auf der Bank saß. Dann kam die Geschichte mit meiner Tochter, weshalb ich erst jetzt wieder zurück ins Team gefunden habe."
Du hast zuletzt wieder linker Verteidiger wie in Deinen Anfangszeiten beim VfB gespielt. Deine Lieblingsposition ist aber die Innenverteidigung. Wie siehst Du Deine neue, alte Rolle?
Timo Wenzel: "Ich fühle mich ganz gut auf der Position links draußen. Ich denke, dass ich ganz ordentlich gespielt habe, was mir auch bestätigt wurde. Ich hatte ein paar gute Aktionen nach vorne und auch selbst Tormöglichkeiten. Aber wenn man längere Zeit nicht auf einer bestimmten Position gespielt hat, dann dauert es einfach, bis man die notwendige Sicherheit wieder findet. Gerade in den offensiven Eins-gegen-eins-Situationen habe ich das zuletzt gemerkt. Aber ich fühle mich fit und gut und denke, dass ich deshalb von Spiel zu Spiel zulegen kann."
Wie ist denn derzeit die Stimmung beim FCK? Ianni Amanatidis hat sich nach seinem Wechsel in Richtung Frankfurt negativ über den Zusammenhalt und das Innenleben der Mannschaft geäußert.
Timo Wenzel: "Ich kenne Ianni ja schon seit vielen Jahren und ehrlich gesagt konnte ich seine Reaktion nach dem Weggang nicht nachvollziehen. Als er damals nach Kaiserslautern gekommen ist, habe ich zwar schon gemerkt, dass er sich etwas verändert hatte, aber das habe ich nicht von ihm erwartet. Ich finde es schade, dass er diesen Weg über die Medien gewählt hat, zuvor aber nicht offen im Team darüber gesprochen hat, was ihn stört. Ich kann nur sagen, dass die Stimmung bei uns in der Mannschaft sehr gut ist und dass ich das, was Ianni erzählt hat, nicht bestätigen kann."
Themawechsel. Der VfB ist nicht allzu gut in die neue Saison gestartet. Wie beurteilst Du als Außenstehender die Leistungen der Mannschaft und was traust Du dem Team von Giovanni Trapattoni zu?
Timo Wenzel: "Es ist immer schwer, von außen etwas zu sagen. Ich habe den Eindruck, dass sich die Mannschaft noch nicht gefunden hat. Vielleicht erschwert die Rotation diesen Prozess zusätzlich. Auf der anderen Seite kann man Giovanni Trapattoni durchaus auch verstehen. Wenn er sagt, dass er auf mehreren Positionen gleichwertige Spieler hat, dann spricht das nur für die Qualität des Kaders. Insgesamt denke ich, dass es ein schweres Jahr für den VfB werden wird, auch weil die Erwartungen vom Umfeld vielleicht etwas hoch sind. Ich wünsche dem VfB auf jeden Fall, dass er sich nach dem Spiel gegen uns fängt und dann durchstartet."
Du hast mit Philipp Lahm, Alexander Hleb und Kevin Kuranyi noch zusammen gespielt. Wie bewertest Du den Abgang des Trios und was sagst Du zu den Neuzugängen des VfB?
Timo Wenzel: "Es steht außer Frage, dass alle drei für die VfB-Mannschaft wichtige Spieler waren. Aber man muss auch den Verein verstehen, wenn er sich entscheidet diesen Weg zu gehen. Schließlich kam durch die Transfers auch viel Geld in die Kasse. Zudem macht es auch keinen Sinn, jemanden halten zu wollen, der den Verein verlassen will. Ich denke, dass sich der VfB nach den Abgängen von Philipp, Alex und Kevin gut verstärkt hat. Über Tomasson und Grønkjær brauchen wir nicht zu reden, das sind Spieler von internationaler Klasse. Aber auch die anderen wie Magnin oder Hitzlsperger haben viel Qualität."
Wer steht am Sonntag mehr unter Druck, der VfB oder der FCK?
Timo Wenzel: "Schwer zu sagen. Ich weiß nur, dass wir etwas gutzumachen haben. Vielleicht ist der Druck für den VfB ein paar Prozentpunkte größer, weil es ein Heimspiel ist. Wenn es lange 0:0 steht, könnte das Publikum unruhig werden. Wir werden sehen, wie es kommt. Beide Mannschaften müssen auf jeden Fall nach den jüngsten Niederlagen etwas tun, das kann eigentlich nur gut fürs Spiel sein."
Und wie geht es dann aus?
Timo Wenzel: "Es wird auf jeden Fall ein enges Spiel werden."
dürfte im Stadionheft von Stuttgart drin sein. Hab das Interview von der Stuttgarter Homepage