Bis 2010 soll die Region zurück an die nationale Spitze
FUSSBALL: Die MVV legt offen, warum und wie sie den SV W*****f mit Energie und Millionen-Hilfe bis in die Bundesliga bringen will
Von unserem Redaktionsmitglied Gert Goebel
Die MVV Energie AG will, wenn alle Voraussetzungen stimmen, als Sponsor künftig jährlich einen sechsstelligen Euro-Betrag aufbringen, um im Verbund mit anderen Unternehmen der Region den SV W*****f in die Fußball-Bundesliga zu pushen. Ein Konzept, vor gut zwei Monaten vage angedeutet, nimmt mittlerweile konkrete Formen an. Sollte es greifen, dann kann die Metropolregion Rhein-Neckar nach 2010 wieder Profi-Fußball erleben.
Doch bei dem Versorgungsunternehmen sieht man noch zahlreiche Hürden auf dem Weg dahin. "Wichtigste Grundbedingung ist, dass sich die Region einig ist," sagt Konzernsprecher Roland Kress, der gemeinsam mit Patrick Müller bei MVV das Projekt Profi-Fußball leitet. Die Befürchtung besteht, dass in den nächsten Monaten alles zerredet wird, lokale Eifersüchteleien und Gegensätze unter den Vereinen der Region die MVV-Pläne platzen lassen. Diese lassen sich ohnehin nur verwirklichen, wenn andere Unternehmen als Sponsoren mit ins Boot gehen. "Allein können wir das nicht stemmen", heißt es beim Energie-Versorger. "Wir haben weder vor noch könnten wir dies rechtfertigen, Millionenbeträge in dieses Projekt fließen zu lassen", betont Kress.
Das Unternehmen, das im laufenden Jahr dem SV W*****f einen fünfstelligen Betrag zur Verfügung stellt, umschreibt so die finanziellen Rahmenbedingungen der einzelnen Spielklassen: In der viertklassigen Oberliga, in der W*****f derzeit spielt, braucht ein Verein einen Jahresetat von 1 bis 1,5 Millionen Euro. In der Regionalliga sind es bereits jährlich 3 bis 3,5 Mio., die durch Ticketverkauf, Werbeeinnahmen und Sponsorengelder in die Kasse fließen müssen. Wer in der 2. Fußball-Bundesliga spielt, muss 7 bis 8 Millionen aufbringen, die Bundesliga fängt kaum unter 25 Mio. Euro an. Müller: "Finanziell die schwierigste Strecke auf dem Weg nach oben ist die Regionalliga. Ab der 2. Fußball-Bundesliga könnte es leichter werden, dann kommen schon in nennenswertem Maße Fernsehgelder herein." Die MVV betont, die finanziellen Dimensionen machten deutlich, dass unbedingt auch andere Firmen der Region als Sponsoren mitmachen müssen. Unternehmenschef Dr. Rudolf Schulten will in den nächsten Wochen entsprechende Gespräche führen.
Dem Konzept liegt die Erkenntnis zu Grunde, "dass die Metropolregion wieder eine Profi-Fußball-Mannschaft braucht". Fußball sei der emotionsgeladenste Sport in Deutschland, er schaffe Identität mit der Region und stelle einen nennenswerten Wirtschaftsfaktor dar. Rhein-Neckar ist die einzige Metropolregion in Deutschland ohne Bundesliga-Fußball, sie kann sich nicht einmal zweitklassig nennen. Die TSG Hoffenheim, von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp finanziell getragen und von der MVV als Trikotsponsor mit Logo auf der Brust unterstützt, spielt in der Regionalliga Süd, somit in der "dritten Klasse". Der Verein strebt zwar einen Aufstieg in die 2. Bundesliga an, hat aber in seiner ländlichen Umgebung am südlichen Rand der Metropolregion keine "regionalen Ambitionen".
Bei der Suche nach einem förderungswürdigen Verein mit den besten Startvoraussetzungen hat sich die MVV schließlich in der vierten Klasse, der Oberliga, umgesehen. Dort spielen der SV W*****f, VfR Mannheim, TSV Oggersheim, Wormatia Worms, SV Sandhausen und die TSG Hoffenheim II. Bevor eine Entscheidung fiel, machte sich die MVV selbst einige grundsätzliche Vorgaben: "Es muss eine Großstadt-Mannschaft sein. Der Verein muss traditionsreich und emotional bindungsfähig sein, es müssen ein geeignetes Stadion und ein begeisterungsfähiges Fan-Potenzial vorhanden sein." Kress: "Uns war schnell klar, dass es nur der W*****f packen kann, nach oben zu kommen".
Doch der Sponsor aus der Versorgungsbranche mahnt bei dem Verein an, selbst weitere Schritte zu unternehmen, um die Förderungswürdigkeit unter Beweis zu stellen. Der SV W*****f müsse sich weiter konsolidieren, was die wichtigste Aufgabe in diesem Jahr sei. Ein Aufstieg in die Regionalliga sei in der laufenden Spielsaison kaum zu erwarten. Gemeinsam müssten W*****f und MVV ein sportliches und finanzielles Konzept erarbeiten und davon die Region überzeugen. Dringend erforderlich sei auch, in Kooperation mit Partnervereinen umfassend Jugendarbeit zu leisten. Die künftigen Fußballer müssten in der Region herangezogen und nicht fertig irgendwo am Markt zusammen gekauft werden, so das Credo der MVV. Unverzichtbar sind für das Unternehmen auch langfristig angelegte und überzeugende Fan-Projekte, die das Umfeld des Vereins wesentlich prägen und das Image verbessern sollen. Es bleibt also spannend, ob Rhein-Neckar auch fußballerisch eine Metropolregion wird.
Für das große Ziel will Schulten Klinken putzen
INTERVIEW: Partner müssen zur MVV ins Boot, um Bundesliga-Flair zurückzubringen
Von unserem Redaktionsmitglied Gert Goebel
Dr. Rudolf Schulten, Chef der Mannheimer MVV Energie AG, will alles daran setzen, dass der SV W*****f spätestens in den Jahren 2010 bis 2012 in der ersten oder zweiten Fußball-Bundesliga spielt. So wie vor Jahren Hertha BSC in Berlin soll jetzt der Mannheimer Traditionsverein mit einem konsequenten Konzept systematisch "nach oben" gebracht werden. Schulten will in den kommenden Wochen Gespräche mit anderen Unternehmen in der Region führen und diese bewegen, sich finanziell an dem Vorhaben zu beteiligen.
Herr Dr. Schulten, haben Sie in Ihrem Leben schon mal richtig Fußball gespielt?
DR. RUDOLF SCHULTEN: Natürlich! Wie jeder Junge war ich ein begeisterter Fußballer, habe sogar in meiner Jugend auf halblinks in einem Stadtteilverein in Aachen gespielt. Meine besondere Stärke war, dass ich mit beiden Füßen schießen kann, so dass ich universell einsetzbar war.
Sie haben jetzt mit der MVV ein Fußball- Sportkonzept entwickelt und sich dabei zum Ziel gesetzt, dass in der Metropole Rhein-Neckar-Dreieck ein Verein in die Bundesliga kommen soll. Ausersehen haben Sie den SV W*****f. Warum machen Sie das alles?
SCHULTEN: Fußball ist nicht nur ein höchst emotionsgeladener Imagefaktor, sondern wie viele andere Metropolregionen beweisen, ein wichtiger Wirtschafts- und Standortfaktor. Ich habe vor über zehn Jahren in Berlin erlebt, wie man systematisch einen Verein aufbauen kann. Ich meine Hertha BSC. Ein Verein, der eine hohe Identifikation mit der Stadt und mit der Region mit sich bringt. Ich halte es für sehr bedauerlich, dass uns in der Metropolregion Rhein-Neckar gerade im Bereich Fußball etwas Vergleichbares fehlt.
Der SV W*****f soll in die erste oder zweite Bundesliga. Und Sie glauben wirklich, dass dieses Ziel erreicht werden kann?
SCHULTEN: Im heutigen Profisport braucht man ein klares Konzept und die Entschlossenheit, es umzusetzen. Wenn wir diese Voraussetzungen schaffen, dann können wir dieses Ziel auch tatsächlich erreichen.
Sie haben ein Konzept. Es müssen aber auch andere mitziehen. Wer ist denn da gefordert?
SCHULTEN: Wir werden eng mit dem Sportverantwortlichen der Metropolregion, dem Mannheimer Bürgermeister Dr. Kurz, zusammenarbeiten. Und dann wollen wir Klinken putzen gehen und dabei versuchen, so viele wie möglich für die Idee zu begeistern.
Der MVV-Chef als Klinkenputzer. Das klingt interessant. Bei wem wollen Sie denn an klopfen?
SCHULTEN: Ich werde das natürlich nicht alleine machen. Aber ich werde schon meine Kontakte zu den anderen großen Unternehmen hier in Mannheim und in der Region einsetzen. Ich glaube, dass ich einige andere finden werde, die genauso denken wie ich.
Sie sind ein Finanzfachmann, denken vorrangig in Geldgrößen. Was müssen Sie denn in den nächsten Jahren an Geld auf bringen, um Ihr Ziel erreichen zu können?
SCHULTEN: Das hängt ganz von der jeweiligen Spielklasse ab. Genaue Zahlen kann man deshalb zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nennen.
Aber Sie haben doch sicherlich eine Vorstellung. Eine Million, zehn Millionen Euro?
SCHULTEN: Im ersten Schritt geht es eher um eine Million. Aber das ist schon eine Größenordnung, die notwendig ist.
Eine Million, die allein die MVV aufbringen wird?
SCHULTEN: Nein. Es geht darum, möglichst viele Sponsoren mit ins Boot zu holen.
Und die MVV allein wird wie viel Geld bereit stellen?
SCHULTEN: Das müssen und werden wir zu gegebener Zeit entscheiden, wenn alle Voraussetzungen geschaffen sind. Aber natürlich müssen wir, wenn wir eine solche Initiative ergreifen, auch ernsthaft mitmachen.
Und Sie glauben wirklich, dass andere Unternehmen in der Region bereit sind, sich finanziell beim SV W*****f zu engagieren?
SCHULTEN: Ja, ich habe schon einige Gespräche geführt. Aber dabei höre ich immer wieder das Gleiche: Man will erst ein überzeugendes Konzept sehen, bevor man sich entscheidet. Und genau daran arbeiten wir derzeit gemeinsam mit dem W*****f.
Glauben Sie denn, dass sich vor dem Hintergrund lokaler und regionaler Sport-Eifersüchteleien der SV W*****f so ohne weiteres als "der Verein der Region" auf den Schild heben lässt?
SCHULTEN: Da unterscheidet sich Mannheim überhaupt nicht von anderen Städten. Ich habe es in Berlin erlebt, ich habe es in Köln erlebt, dass es konkurrierende Vereine und auch rivalisierende Fan-Gruppen gibt. Ein solcher sportlicher Wettbewerb ist letztlich kein Nachteil, sondern kann sogar ergänzend wirken, wenn Vereine verschiedener Ligen miteinander kooperieren.
Sie glauben ernsthaft, dass sich die beiden Rivalen SV W*****f und VfR Mannheim einmal sinnvoll ergänzen werden?
SCHULTEN: Diese Frage stellt sich heute nicht. Unsere Entscheidung für W*****f ist ja gar keine Entscheidung gegen den VfR Mannheim. Wir sehen einfach die größere Bundesliga-Tradition und das größere Potenzial beim W*****f. Von den "W*****f-Buben" spricht heute noch die ganze Bundesliga. Und genau daran wollen wir wieder anknüpfen. Wir sind aber auch durchaus beim VfR Mannheim, wie bei anderen Vereinen in der Region ebenfalls, engagiert, wo wir insbesondere in der Jugendarbeit mithelfen.
Und Sie sind optimistisch, dass der SV W*****f irgendwann zwischen 2010 und 2012 in der zweiten oder gar ersten Bundesliga spielt?
SCHULTEN: Sehr optimistisch! Sonst würden wir uns ja schließlich nicht in dieser Form engagieren.
© Mannheimer Morgen - 12.10.2005
FUSSBALL: Die MVV legt offen, warum und wie sie den SV W*****f mit Energie und Millionen-Hilfe bis in die Bundesliga bringen will
Von unserem Redaktionsmitglied Gert Goebel
Die MVV Energie AG will, wenn alle Voraussetzungen stimmen, als Sponsor künftig jährlich einen sechsstelligen Euro-Betrag aufbringen, um im Verbund mit anderen Unternehmen der Region den SV W*****f in die Fußball-Bundesliga zu pushen. Ein Konzept, vor gut zwei Monaten vage angedeutet, nimmt mittlerweile konkrete Formen an. Sollte es greifen, dann kann die Metropolregion Rhein-Neckar nach 2010 wieder Profi-Fußball erleben.
Doch bei dem Versorgungsunternehmen sieht man noch zahlreiche Hürden auf dem Weg dahin. "Wichtigste Grundbedingung ist, dass sich die Region einig ist," sagt Konzernsprecher Roland Kress, der gemeinsam mit Patrick Müller bei MVV das Projekt Profi-Fußball leitet. Die Befürchtung besteht, dass in den nächsten Monaten alles zerredet wird, lokale Eifersüchteleien und Gegensätze unter den Vereinen der Region die MVV-Pläne platzen lassen. Diese lassen sich ohnehin nur verwirklichen, wenn andere Unternehmen als Sponsoren mit ins Boot gehen. "Allein können wir das nicht stemmen", heißt es beim Energie-Versorger. "Wir haben weder vor noch könnten wir dies rechtfertigen, Millionenbeträge in dieses Projekt fließen zu lassen", betont Kress.
Das Unternehmen, das im laufenden Jahr dem SV W*****f einen fünfstelligen Betrag zur Verfügung stellt, umschreibt so die finanziellen Rahmenbedingungen der einzelnen Spielklassen: In der viertklassigen Oberliga, in der W*****f derzeit spielt, braucht ein Verein einen Jahresetat von 1 bis 1,5 Millionen Euro. In der Regionalliga sind es bereits jährlich 3 bis 3,5 Mio., die durch Ticketverkauf, Werbeeinnahmen und Sponsorengelder in die Kasse fließen müssen. Wer in der 2. Fußball-Bundesliga spielt, muss 7 bis 8 Millionen aufbringen, die Bundesliga fängt kaum unter 25 Mio. Euro an. Müller: "Finanziell die schwierigste Strecke auf dem Weg nach oben ist die Regionalliga. Ab der 2. Fußball-Bundesliga könnte es leichter werden, dann kommen schon in nennenswertem Maße Fernsehgelder herein." Die MVV betont, die finanziellen Dimensionen machten deutlich, dass unbedingt auch andere Firmen der Region als Sponsoren mitmachen müssen. Unternehmenschef Dr. Rudolf Schulten will in den nächsten Wochen entsprechende Gespräche führen.
Dem Konzept liegt die Erkenntnis zu Grunde, "dass die Metropolregion wieder eine Profi-Fußball-Mannschaft braucht". Fußball sei der emotionsgeladenste Sport in Deutschland, er schaffe Identität mit der Region und stelle einen nennenswerten Wirtschaftsfaktor dar. Rhein-Neckar ist die einzige Metropolregion in Deutschland ohne Bundesliga-Fußball, sie kann sich nicht einmal zweitklassig nennen. Die TSG Hoffenheim, von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp finanziell getragen und von der MVV als Trikotsponsor mit Logo auf der Brust unterstützt, spielt in der Regionalliga Süd, somit in der "dritten Klasse". Der Verein strebt zwar einen Aufstieg in die 2. Bundesliga an, hat aber in seiner ländlichen Umgebung am südlichen Rand der Metropolregion keine "regionalen Ambitionen".
Bei der Suche nach einem förderungswürdigen Verein mit den besten Startvoraussetzungen hat sich die MVV schließlich in der vierten Klasse, der Oberliga, umgesehen. Dort spielen der SV W*****f, VfR Mannheim, TSV Oggersheim, Wormatia Worms, SV Sandhausen und die TSG Hoffenheim II. Bevor eine Entscheidung fiel, machte sich die MVV selbst einige grundsätzliche Vorgaben: "Es muss eine Großstadt-Mannschaft sein. Der Verein muss traditionsreich und emotional bindungsfähig sein, es müssen ein geeignetes Stadion und ein begeisterungsfähiges Fan-Potenzial vorhanden sein." Kress: "Uns war schnell klar, dass es nur der W*****f packen kann, nach oben zu kommen".
Doch der Sponsor aus der Versorgungsbranche mahnt bei dem Verein an, selbst weitere Schritte zu unternehmen, um die Förderungswürdigkeit unter Beweis zu stellen. Der SV W*****f müsse sich weiter konsolidieren, was die wichtigste Aufgabe in diesem Jahr sei. Ein Aufstieg in die Regionalliga sei in der laufenden Spielsaison kaum zu erwarten. Gemeinsam müssten W*****f und MVV ein sportliches und finanzielles Konzept erarbeiten und davon die Region überzeugen. Dringend erforderlich sei auch, in Kooperation mit Partnervereinen umfassend Jugendarbeit zu leisten. Die künftigen Fußballer müssten in der Region herangezogen und nicht fertig irgendwo am Markt zusammen gekauft werden, so das Credo der MVV. Unverzichtbar sind für das Unternehmen auch langfristig angelegte und überzeugende Fan-Projekte, die das Umfeld des Vereins wesentlich prägen und das Image verbessern sollen. Es bleibt also spannend, ob Rhein-Neckar auch fußballerisch eine Metropolregion wird.
Für das große Ziel will Schulten Klinken putzen
INTERVIEW: Partner müssen zur MVV ins Boot, um Bundesliga-Flair zurückzubringen
Von unserem Redaktionsmitglied Gert Goebel
Dr. Rudolf Schulten, Chef der Mannheimer MVV Energie AG, will alles daran setzen, dass der SV W*****f spätestens in den Jahren 2010 bis 2012 in der ersten oder zweiten Fußball-Bundesliga spielt. So wie vor Jahren Hertha BSC in Berlin soll jetzt der Mannheimer Traditionsverein mit einem konsequenten Konzept systematisch "nach oben" gebracht werden. Schulten will in den kommenden Wochen Gespräche mit anderen Unternehmen in der Region führen und diese bewegen, sich finanziell an dem Vorhaben zu beteiligen.
Herr Dr. Schulten, haben Sie in Ihrem Leben schon mal richtig Fußball gespielt?
DR. RUDOLF SCHULTEN: Natürlich! Wie jeder Junge war ich ein begeisterter Fußballer, habe sogar in meiner Jugend auf halblinks in einem Stadtteilverein in Aachen gespielt. Meine besondere Stärke war, dass ich mit beiden Füßen schießen kann, so dass ich universell einsetzbar war.
Sie haben jetzt mit der MVV ein Fußball- Sportkonzept entwickelt und sich dabei zum Ziel gesetzt, dass in der Metropole Rhein-Neckar-Dreieck ein Verein in die Bundesliga kommen soll. Ausersehen haben Sie den SV W*****f. Warum machen Sie das alles?
SCHULTEN: Fußball ist nicht nur ein höchst emotionsgeladener Imagefaktor, sondern wie viele andere Metropolregionen beweisen, ein wichtiger Wirtschafts- und Standortfaktor. Ich habe vor über zehn Jahren in Berlin erlebt, wie man systematisch einen Verein aufbauen kann. Ich meine Hertha BSC. Ein Verein, der eine hohe Identifikation mit der Stadt und mit der Region mit sich bringt. Ich halte es für sehr bedauerlich, dass uns in der Metropolregion Rhein-Neckar gerade im Bereich Fußball etwas Vergleichbares fehlt.
Der SV W*****f soll in die erste oder zweite Bundesliga. Und Sie glauben wirklich, dass dieses Ziel erreicht werden kann?
SCHULTEN: Im heutigen Profisport braucht man ein klares Konzept und die Entschlossenheit, es umzusetzen. Wenn wir diese Voraussetzungen schaffen, dann können wir dieses Ziel auch tatsächlich erreichen.
Sie haben ein Konzept. Es müssen aber auch andere mitziehen. Wer ist denn da gefordert?
SCHULTEN: Wir werden eng mit dem Sportverantwortlichen der Metropolregion, dem Mannheimer Bürgermeister Dr. Kurz, zusammenarbeiten. Und dann wollen wir Klinken putzen gehen und dabei versuchen, so viele wie möglich für die Idee zu begeistern.
Der MVV-Chef als Klinkenputzer. Das klingt interessant. Bei wem wollen Sie denn an klopfen?
SCHULTEN: Ich werde das natürlich nicht alleine machen. Aber ich werde schon meine Kontakte zu den anderen großen Unternehmen hier in Mannheim und in der Region einsetzen. Ich glaube, dass ich einige andere finden werde, die genauso denken wie ich.
Sie sind ein Finanzfachmann, denken vorrangig in Geldgrößen. Was müssen Sie denn in den nächsten Jahren an Geld auf bringen, um Ihr Ziel erreichen zu können?
SCHULTEN: Das hängt ganz von der jeweiligen Spielklasse ab. Genaue Zahlen kann man deshalb zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nennen.
Aber Sie haben doch sicherlich eine Vorstellung. Eine Million, zehn Millionen Euro?
SCHULTEN: Im ersten Schritt geht es eher um eine Million. Aber das ist schon eine Größenordnung, die notwendig ist.
Eine Million, die allein die MVV aufbringen wird?
SCHULTEN: Nein. Es geht darum, möglichst viele Sponsoren mit ins Boot zu holen.
Und die MVV allein wird wie viel Geld bereit stellen?
SCHULTEN: Das müssen und werden wir zu gegebener Zeit entscheiden, wenn alle Voraussetzungen geschaffen sind. Aber natürlich müssen wir, wenn wir eine solche Initiative ergreifen, auch ernsthaft mitmachen.
Und Sie glauben wirklich, dass andere Unternehmen in der Region bereit sind, sich finanziell beim SV W*****f zu engagieren?
SCHULTEN: Ja, ich habe schon einige Gespräche geführt. Aber dabei höre ich immer wieder das Gleiche: Man will erst ein überzeugendes Konzept sehen, bevor man sich entscheidet. Und genau daran arbeiten wir derzeit gemeinsam mit dem W*****f.
Glauben Sie denn, dass sich vor dem Hintergrund lokaler und regionaler Sport-Eifersüchteleien der SV W*****f so ohne weiteres als "der Verein der Region" auf den Schild heben lässt?
SCHULTEN: Da unterscheidet sich Mannheim überhaupt nicht von anderen Städten. Ich habe es in Berlin erlebt, ich habe es in Köln erlebt, dass es konkurrierende Vereine und auch rivalisierende Fan-Gruppen gibt. Ein solcher sportlicher Wettbewerb ist letztlich kein Nachteil, sondern kann sogar ergänzend wirken, wenn Vereine verschiedener Ligen miteinander kooperieren.
Sie glauben ernsthaft, dass sich die beiden Rivalen SV W*****f und VfR Mannheim einmal sinnvoll ergänzen werden?
SCHULTEN: Diese Frage stellt sich heute nicht. Unsere Entscheidung für W*****f ist ja gar keine Entscheidung gegen den VfR Mannheim. Wir sehen einfach die größere Bundesliga-Tradition und das größere Potenzial beim W*****f. Von den "W*****f-Buben" spricht heute noch die ganze Bundesliga. Und genau daran wollen wir wieder anknüpfen. Wir sind aber auch durchaus beim VfR Mannheim, wie bei anderen Vereinen in der Region ebenfalls, engagiert, wo wir insbesondere in der Jugendarbeit mithelfen.
Und Sie sind optimistisch, dass der SV W*****f irgendwann zwischen 2010 und 2012 in der zweiten oder gar ersten Bundesliga spielt?
SCHULTEN: Sehr optimistisch! Sonst würden wir uns ja schließlich nicht in dieser Form engagieren.
© Mannheimer Morgen - 12.10.2005