Kaiserslauterns Trainer gibt in Marburg sein Debüt
Henke: "Eine wichtige Partie"
01.07.2005
Von Rainer Maaß
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Er ist der erfolgreichste Co-Trainer der deutschen Fußballgeschichte. Mit Borussia Dortmund und dem FC Bayern München holte er in 16 Spielzeiten an der Seite seines Chefs Ottmar Hitzfeld sage und schreibe 19 (!) Titel. Nach der langen Zeit unter seinem Freund ist es für Michael Henke soweit: Beim 1. FC Kaiserslautern steht der Westfale erstmals als Cheftrainer eines Bundesligisten in der Verantwortung. Seine erste Partie mit den "roten Teufeln" absolviert der 48-Jährige am Sonntag (16 Uhr) im Testspiel beim VfB Marburg. Dieser Zeitung stellte sich Michael Henke im Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern zum Interview.
Warum haben Sie sich für den 1. FC Kaiserslautern entschieden?
Michael Henke: Ich bin unheimlich heiß auf das Traineramt und Ottmar Hitzfeld wollte noch etwas Pause machen. Einige Anfragen als Cheftrainer aus dem In- und Ausland lagen mir vor und doch war es immer mein Wunsch, dass ich bei einem echten Traditionsklub arbeiten wollte. Das Angebot aus Kaiserslautern war äußerst reizvoll. Die große Historie des Vereins, die begeisterungsfähigen Fans und eine Mannschaft, die mehr Potenzial besitzt als es die letzte Saison vermuten ließ. Es passt alles und so sagte ich dem FCK zu.
Wie verbringt ein Trainer ohne feste Anstellung die Saison?
Henke: Stillstand ist Rückschritt. Ich war deshalb viel unterwegs. Spiele in diversen deutschen Ligen, vor allem aber im Ausland, habe ich mir vor Ort reichlich angesehen. Ob Real Madrid, Juventus Turin oder Manchester United. Das hat mich interessiert. Ich habe zudem viele Gespräche geführt und Trainingsmethoden studiert. Hospitiert habe ich unter anderem bei Arsenal London unter Arséne Wenger und bei beiden Klubs in Glasgow. Auch in Sachen Jugendarbeit der Topvereine wollte ich auf dem Laufenden sein.
Vom Weltverein FC Bayern München, der für sein perfektes Umfeld gerühmt wird, nach Kaiserslautern. Waren die ersten Tage am Betzenberg für Sie ein Kulturschock?
Henke: Überhaupt nicht! Sie glauben nicht, welche Annehmlichkeiten der 1. FC Kaiserslautern über die letzten Jahre für Trainer, Spieler und Fans geschaffen hat. Das tolle Stadion, die Trainingsbedingungen und die medizinische Versorgung: Alles absolut erstklassig. Dazu mit René C. Jäggi ein Vorstandschef, der eine klare Linie verfolgt und mit seinen Mitarbeitern im Klub alles absolut professionell anpackt. Ich bin sehr zufrieden und fühle mich wohl.
Sportlich und finanziell ist der FCK nicht auf Rosen gebettet. Sie haben insbesondere im Defensivbereich durch einige Abgänge an Qualität verloren. Gerade drei bundesligaerprobte Stürmer stehen im Kader und als erfahrener Zugang kann ihr Verein momentan nur den früheren Bielefelder Ervin Skela vorweisen. Wird die kommende Saison noch härter als die zurückliegende Spielzeit?
Henke: Das glaube ich nicht. Wir haben noch immer gestandene Innenverteidiger im Team und werden schnell die wichtige körperliche Fitness erlangen. Was den Angriff angeht, haben Sie Recht. Da darf nach momentanem Personalstand nichts Unvorhergesehenes passieren. Unnötig aufblähen möchte ich den Kader jedoch nicht. 27 oder 28 Spieler, wie in der Vergangenheit zuweilen vorhanden, brauchen wir kaum. Für eine endgültige Zielsetzung ist es allerdings noch zu früh.
Sie haben unter Trainergrößen wie Nevio Scala und Ottmar Hitzfeld gearbeitet. Was hat Sie an Ihren früheren Chefs beeindruckt?
Henke: Grundsätzlich möchte ich meinen eigenen Stil entwickeln. Mit Trainern dieses Kalibers zu arbeiten, hat mich durchaus geprägt. Nevio Scala beispielsweise führte ein Konditionstraining nach italienischem Stil durch, das sich von unseren Methoden erheblich unterschied. Bei Ottmar hat mich seine unglaubliche Akribie in Sachen Spielvorbereitung beeindruckt. Sein Engagement hat trotz der großen Erfolge niemals nachgelassen.
Die Euphorie um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist im Vorfeld der WM im eigenen Land groß. Wo steht Jürgen Klinsmanns Team derzeit im internationalen Vergleich?
Henke: Unter den besten vier Teams der Welt sind wir im Moment noch nicht. Dazu fehlen uns die Alternativen in Mittelfeld und Angriff. Einen absoluten Topspieler, wie etwa Michael Ballack, könnten wir derzeit im Vergleich zur Personalsituation bei den führenden Nationen nicht gleichwertig ersetzen. Klinsmann kann eben nicht zaubern. In einem Jahr aber, wenn eine positive Entwicklung, die Euphorie und der Heimvorteil zusammen kommen, können wir für eine Überraschung sorgen.
Fitnesstrainer aus den USA, ein erweiterter Betreuerstab, ein eigener Manager der Nationalelf und Kommunikation zwischen Trainern und Spielern via e-mail. Jürgen Klinsmann wählt neue Wege. Liegt er damit richtig?
Henke: So neu ist das alles doch gar nicht. Auch beim FC Bayern haben wir viele dieser Wege beschritten, was auch ganz normal ist, denn der Fußball verändert sich. Dass ein Trainer heute in einem Team arbeitet ist selbstverständlich, wenn man die Individualisierung, die im Trainingsgeschäft Einzug hält, berücksichtigt. Auch beim 1. FC Kaiserslautern gehen wir neue Wege. Das ist gerade deshalb besonders wichtig, weil bei einem Verein mit kleinerem Budget alles passen muss. Ein Reha-Trainer, wie bei uns vorhanden, ist deshalb ein Schritt in die richtige Richtung.
Am Sonntag gastiert der 1. FC Kaiserslautern in Marburg. Eine bloße Pflichtaufgabe oder eine erste Standortbestimmung für Sie und Ihr Team?
Henke: Auf jeden Fall eine wichtige Partie. Ich erwarte, dass mir meine Spieler gleich zeigen, was sie sich vorgenommen haben. Außerdem muss man sehen, dass wir durch die ersten Trainingseinheiten durchaus etwas müde sein könnten. Für die Marburger ist es das Spiel des Jahres und sie werden hochmotiviert sein. Ich rechne deshalb mit einem interessanten Spiel für alle Anhänger, auf das wir uns sehr freuen.
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