Ist nach wie vor eine schwierige Sache.
Richtig ist wahrscheinlich, dass eine Verbesserung mehr Bereitschaft von allen Akteuren (Aufnahmegesellschaft (also wir
), Migranten und Institutionen (Ämter, Lokalpolitiker, etc.)) erfordert. An diesem Punkt kann man sich jetzt zurücklehnen und darauf warten, dass irgendeiner anfängt, was nicht geschehen wird...
Zur Diskussion zwischen Mika und Evo eine Anmerkung:
Beachtet bitte verschiedenartige Milieus (Schichten, Blasen, was auch immer).
Bsp. zu Frankfurt: Ausländer an der Goethe-Uni werden in der Regel besser integriert sein, als Schichtarbeiter in den Höchster Farbwerken.
Das Thema ist aufgrund der vieldeutigen Begrifflichkeit "Migrant" sehr schwer fassbar.
2+x Millionen Türken in Deutschland bedeuten 2+x Millionen individuelle Situationen, die man nicht einfach pauschal bewerten und verbessern kann.
@ Mika
Du sprichst eine sehr wichtige Sache in der modernen Migrationsforschung an.
Das, was du meinst, hat den wissenschaftlichen Namen "Transnationalismus", oder "Transnationalisierung".
Diese Sache ist für sich genommen neutral. Also weder gut, noch schlecht. Es gibt allerdings Nachteile - durch dieses Leben in mehreren Kulturkreisen (Beispiel: Deutschland und Türkei) wird die Dringlichkeit der Anpassung reduziert. Das heißt, man kann in Deutschland arbeiten und wohnen, liest aber türkische Zeitungen, sieht türkisches Fernsehen und kommuniziert mit Türken in Deutschland oder in der Türkei.
Es gibt natürlich Türken, die das gut finden und nicht anders wollen. Genauso gibt es aber solche, die erst versucht haben, sich in der "deutschen Gesellschaft" (die allerdings auch nicht definierbar ist) zurecht zu finden und sich nach Rückschlägen (Ablehnung, Missverständnisse...) in die "heimische" Identität zurückziehen.
Die positiven Aspekte des Transnationalismus lasse ich außen vor, weil es zu weit führen würde. Aber es gibt sie!
Und natürlich gibt es auch die Türken, die es schaffen in Deutschland. Die sagen dann "Wer es wirklich möchte, der schafft es auch."
Allerdings ist dann die Frage, warum es einige wollen und nicht schaffen und erst recht, warum es einige nicht wollen.
Lösungsvorschläge habe ich natürlich keine konkreten. Allerdings hängt vieles an der Kommunikation. Hier sollte zusammen mit den türkischen (und natürlich allen anderen) Verbänden/Gemeinden daran gearbeitet werden, dass 1.) den in Deutschland lebenden Menschen dezidiert klar gemacht werden muss (d.h. es muss ihnen so dargelegt werden, dass sie es verstehen), dass ohne die deutsche Sprache eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in Deutschland unmöglich ist.
2.) Es müssen von deutschen Institutionen die Möglichkeiten geschaffen werden, dass jeder Mensch in Deutschland Basiswissen der deutschen Sprache erlernen kann. Das heißt, es muss breit gestreute Sprachkurse geben, die den einzelnen Sprachschülern keine Nachteile (Kosten, weite Anreise, etc.) bescheren und die die Grundkenntnisse vermitteln. Kinder von Migranten müssen schon vor der Einschulung sehr gut deutsch können, da die sonst am Anfang aufgebauten Rückstände das ganze Schulleben lang mitgeschleppt werden.
3.) Es gibt nach wie vor auch große Defizite bei der deutschen Aufnahmegesellschaft. Das Boot ist nicht voll! Die Ausländer kosten den Deutschen keine Arbeitsplätze! Es gibt nicht zu viele Ausländer in Deutschland! Deutschland ist ein Einwanderungsland und wirtschaftlich in Zukunft in erhöhtem Maße von Einwanderung abhängig!
Also, es gibt in allen Bereichen Verbesserungsbedarf, jeder (Deutscher, Türke, Politiker...
) ist gefordert, etwas verbessern zu wollen.
Die Frage ist, wer den ersten Schritt macht, sonst passiert nichts. Prädestiniert ist dafür natürlich die Bundesregierung, aber da sehe ich momentan weder bei der SPD und erst recht nicht bei der Union irgendwelche Anzeichen.
Interessante Lektüre zum Thema Transnationalismus:
Ludger Pries, Die Transnationalisierung der sozialen Welt. Sozialräume jenseits von Nationalgesellschaften,Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008