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Von Mike Glindmeier
Viele Fans sind nach der Vergabe der Bundesliga-Übertragungsrechte verwirrt: Benötige ich einen neuen Decoder, muss ich mehr zahlen, kann ich bei Premiere aussteigen? SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen und zeigt den TV-Spielplan ab der Saison 2006/2007.
Die Nachricht schlug ein: Als die DFL gestern verkündete, ab sofort die TV-Rechte weg von dem bisherigen Pay-TV-Partner Premiere an ein Betreiberkonsortium namens Arena zu vergeben, brach nicht nur die Aktie des Münchner Abo-Senders ein. Auch bei den Fußball-Anhängern in Deutschland herrschte Verunsicherung. SPIEGEL ONLINE gibt Antworten auf die Fragen der Fans.
Wer überträgt wann welche Spiele?
Die DFL hat sich für das Verwertungsszenario C entschieden. Das bedeutet für den Fußball-Fan in Sachen Bundesliga-Übertragung einige Änderungen. Die wesentlichste Neuerung ist das wieder eingeführte Spiel am Freitagabend. Der Samstag bleibt Hauptspieltag, lediglich der Beginn der ARD-"Sportschau" wurde geringfügig nach hinten verlegt.
Länger als bisher gewohnt müssen die Fans am Sonntag auf Fußball im Free-TV warten. Diese Saison überträgt das DSF noch ab 19 Uhr die beiden Sonntagsspiele, ab der Spielzeit 2006/2007 dann erst ab 22 Uhr. "Sicher ist der Zeitpunkt nicht mehr so optimal wie früher, aber wir sind froh, dass wir den Zuschlag überhaupt erhalten haben", sagte eine DSF-Sprecherin SPIEGEL ONLINE.
Änderungen auch eine Klasse höher: Ab der Saison 2006/2007 überträgt nicht mehr der Pay-TV-Anbieter Premiere die Bundesliga, sondern ein Konsortium namens Arena. Die Übertragungsrechte für alle Begegnungen der Fußball-WM 2006 in Deutschland liegen allerdings weiter bei Premiere. Bis 2009 hat sich der Abo-Sender zudem exklusiv die alleinigen Ausstrahlungsrechte für die Champions League gesichert.
Das Topspiel der Woche in der Champions League, das bis Ende dieser Spielzeit noch von Sat.1 übertragen wird, entfällt dann. Gleichzeitig hat sich Premiere verpflichtet, den Fans 13 Spiele pro Saison frei verfügbar zu machen - entweder über einen eigenen unverschlüsselten Kanal oder durch Weiterverkauf der Rechte an einen Free-TV-Anbieter.
TV-Spielplan ab der Saison 2006/2007
Tag Uhrzeit Wettbewerb Sender free/pay
Montag 20.15 1 Zweitligaspiel DSF free
Dienstag 20.45 Champions League Premiere pay
Mittwoch 20.45 Champions League Premiere pay
Donnerstag ab 15 Uefa-Cup DSF free
Freitag 18 3 Zweitligaspiele Arena pay
Freitag 20.30 1 Erstligaspiel Arena pay
Freitag 22 Zusammenfassung DSF free
Samstag 15.30 6 Erstligaspiele Arena pay
Samstag 18.30 Zusammenfassung ARD free
Samstag ab 20.15 Zusammenfassung ZDF free
Sonntag 14 5 Zweitligaspiele Arena pay
Sonntag 17 2 Erstligaspiele Arena pay
Sonntag ab 21 Zusammenfassung DSF free
Welche Technik benötige ich?
Bisherige Kunden von Premiere müssen sich keinen zweiten Decoder anschaffen, verspricht zumindest der neue Rechteinhaber Arena. "Der Empfang ist denkbar einfach", so ein Unternehmenssprecher. "Wer bereits einen geeigneten Digital Receiver hat, wird sich problemlos eine vorhandene oder gegebenenfalls eine neue SmartCard freischalten lassen können. Dafür genügt ein Anruf. Alle Neueinsteiger bekommen Digital Receiver und SmartCard zum günstigen Paketpreis."
Interessenten können sich laut Arena schon jetzt im Internet unter
www.arena-sportrechte.tv
registrieren. Die DFL hat es dem Unternehmen zur Auflage gemacht, dass die Spiele sowohl über Kabel als auch per Satellit empfangbar sein müssen.
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Kann ich mein Premiere-Sport-Abo kündigen?
Diese Frage beantwortet Stiftung Warentest mit "ja" und begründet die Antwort so: "Ausdrücklich vorgesehen ist das Recht zur Kündigung für den Fall, dass Premiere sein Programmangebot ändert oder umstrukturiert. Eine Presseerklärung von Premiere zum Ende der Bundesliga-Berichterstattung klingt so, als wolle der Sender so verfahren", heißt es auf der Webseite der Stiftung.
Selbst wenn Premiere nach diesen beiden Klauseln kein Kündigungsrecht einräumen wolle, bleibt laut Stiftung Warentest "die Chance zur außerordentlichen Kündigung aus wichtigem Grund. Sie ist bei langfristigen Verträgen unabhängig von den Geschäftsbedingungen immer möglich. Klauseln, die das Recht zur Kündigung weiter einschränken, sind unwirksam." In jedem Falle müsse die Kündigung schriftlich und fristgerecht erfolgen, rät das Verbrauchermagazin.
Bei Premiere sieht man das Thema außerordentliche Kündigungen derzeit anders. "Bis zum August kommenden Jahres wird es kein Sonderkündigungsrecht geben", sagte eine Sprecherin gegenüber SPIEGEL ONLINE. Nähere Informationen für den Zeitraum nach August wolle das Unternehmen in den nächsten Tagen bekannt geben.
Muss ich künftig mehr bezahlen?
Die Preise für Fußball live im TV sollen dem Unternehmen zufolge sogar sinken. "Das Bundesliga-Angebot mit den Live-Spielen der Ersten und Zweiten Bundesliga wird es künftig zu einem deutlich günstigeren Preis im TV geben", kündigte Arena in einer Pressemitteilung an. Nach Angaben des Vorsitzenden der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga, Christian Seifert, will Arena ein Pay-TV-Angebot von maximal 20 Euro pro Monat auf den Markt bringen.
Zum Vergleich: Die Pakete bei Premiere, die derzeit die Fußball-Liveübertragungen umfassen, sind ab 19,90 Euro zu haben. Es ist aber zu erwarten, dass die Gebühren durch den Wegfall der Bundesliga-Übertragungen ab der kommenden Saison sinken werden.
Wer ist eigentlich diese® Arena?
100-prozentiger Eigner an Arena ist Unity Media. Das Unternehmen Unity Media ist eine Kabelnetzbetreibergesellschaft, deren größte Anteilseigner Apollo, Golden Tree, Finakabel und Holding Ltd. sind. Das in Köln ansässige deutsche Unternehmen mit insgesamt 1200 Mitarbeitern hat in diesem Jahr einen Umsatz in Höhe von 427,2 Millionen Euro erwirtschaftet.
Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bisher 5,2 Millionen Kunden im analogen TV, beim digitalen Fernsehen sind es 101.100. Die Firma bietet derzeit die drei Marken "ish" (etwa vier Millionen angeschlossene Haushalte in Nordrhein-Westfalen), "iesy" (1,2 Millionen angeschlossene Haushalte in Hessen) und "Tele Columbus" an. "Wir wollen in den breiten Massenmarkt einsteigen und das Produkt Bundesliga nicht so klein und exklusiv halten wie Premiere", sagte Eva Krüger, Pressesprecherin von Unity Media.
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,391811,00.html