VON RALPH DURRY UND RAINER KALB, 22.03.07, 20:19h
KÖLN. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 schossen die TV-Quoten in ungeahnte Höhen. Doch für die Europameisterschaft im kommenden Jahr gibt es noch immer keinen Fernsehsender, der die Rechte erworben hat. Obwohl die Vorbereitungen für die Live-Übertragungen der 31 EM-Spiele in Österreich und der Schweiz dringend anlaufen müssten, zeichnet sich noch keine Lösung ab. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) und die mit den Verhandlungen beauftragte Agentur Sportfive scheinen sich verkalkuliert zu haben.
In einem Markt mit seit Jahren kräftig wachsenden Einnahmen ist der Bogen offensichtlich überspannt. Angeblich sollten die kompletten Rechte rund 150 Millionen Euro allein für den deutschen Markt erbringen. Doch Fristen verstrichen, mehrere Verhandlungsrunden verliefen erfolglos, Kandidaten sprangen ab. Einer der Hauptgründe ist, dass sich ein Turnier wie die EM wegen mangelnder Exklusivrechte für einen Pay-TV- Sender kaum lohnt und die Gesamtsumme für frei empfangbare Sender zu hoch ist.
„Wir sind bereits an unsere Grenzen gegangen. ARD und ZDF verhandeln gemeinsam, sind aber finanziell an Grenzen gebunden“, sagte die künftige Intendantin des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Monika Piel, im „NRZ“-Interview.
Für 48 Spiele bei der WM 2006 in Deutschland überwiesen die durch Gebühren finanzierten Sender geschätzte 180 Millionen Euro, pro Spiel waren demnach 3,75 Millionen Euro fällig. Zum Vergleich: Theoretisch würde eines der 31 EM-Spiele bei einem Gesamtpreis von rund 150 Millionen Euro etwa 4,8 Millionen Euro kosten. „Das heiß, dass wir für ein EM-Spiel mehr zahlen würden als für ein WM-Spiel im eigenen Land“, so Piel.
Sie schließt daher nicht aus, dass ARD und ZDF ganz auf die Übertragung verzichten müssen: „Das kann passieren, wenn wir uns nicht einig werden. Aber das wäre wirklich nicht schön für uns und besonders nicht für das Publikum.“
Der Pay-TV-Sender arena ist auf jeden Fall an EURO-Spielen interessiert. „Die EM wird für uns interessant, wenn wir möglichst viele Spiele exklusiv zeigen können“, sagte arena-Geschäftsführer Dejan Jocic.
Der Konkurrent Premiere reagierte dagegen reserviert. „Gerade weil praktisch alle wichtigen Begegnungen im Free-TV laufen, ist der Zusatznutzen für Premiere und unsere Abonnenten überschaubar. Deshalb haben wir uns gegen eine ernsthafte Fortsetzung der Verhandlungen entschieden“, sagte Carsten Schmidt, Premiere-Vorstand „Sports & New Business“.
Werbefinanzierte Sender wie RTL und Sat.1 möchten dagegen auf den EM-Zug aufspringen. „Wir wollen eine aktive Rolle bei der EM spielen“, sagte RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer. Denkbar wäre auch ein Zusammenspiel von mehreren TV-Sendern bei der EM-Übertragung. (sid / dpa)
Quelle: http://www.koelnische-rundschau.de/html/artikel/1174563696574.shtmlhttp://www.koelnische-rundschau.de/html/artikel/1174563696574.shtml
KÖLN. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 schossen die TV-Quoten in ungeahnte Höhen. Doch für die Europameisterschaft im kommenden Jahr gibt es noch immer keinen Fernsehsender, der die Rechte erworben hat. Obwohl die Vorbereitungen für die Live-Übertragungen der 31 EM-Spiele in Österreich und der Schweiz dringend anlaufen müssten, zeichnet sich noch keine Lösung ab. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) und die mit den Verhandlungen beauftragte Agentur Sportfive scheinen sich verkalkuliert zu haben.
In einem Markt mit seit Jahren kräftig wachsenden Einnahmen ist der Bogen offensichtlich überspannt. Angeblich sollten die kompletten Rechte rund 150 Millionen Euro allein für den deutschen Markt erbringen. Doch Fristen verstrichen, mehrere Verhandlungsrunden verliefen erfolglos, Kandidaten sprangen ab. Einer der Hauptgründe ist, dass sich ein Turnier wie die EM wegen mangelnder Exklusivrechte für einen Pay-TV- Sender kaum lohnt und die Gesamtsumme für frei empfangbare Sender zu hoch ist.
„Wir sind bereits an unsere Grenzen gegangen. ARD und ZDF verhandeln gemeinsam, sind aber finanziell an Grenzen gebunden“, sagte die künftige Intendantin des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Monika Piel, im „NRZ“-Interview.
Für 48 Spiele bei der WM 2006 in Deutschland überwiesen die durch Gebühren finanzierten Sender geschätzte 180 Millionen Euro, pro Spiel waren demnach 3,75 Millionen Euro fällig. Zum Vergleich: Theoretisch würde eines der 31 EM-Spiele bei einem Gesamtpreis von rund 150 Millionen Euro etwa 4,8 Millionen Euro kosten. „Das heiß, dass wir für ein EM-Spiel mehr zahlen würden als für ein WM-Spiel im eigenen Land“, so Piel.
Sie schließt daher nicht aus, dass ARD und ZDF ganz auf die Übertragung verzichten müssen: „Das kann passieren, wenn wir uns nicht einig werden. Aber das wäre wirklich nicht schön für uns und besonders nicht für das Publikum.“
Der Pay-TV-Sender arena ist auf jeden Fall an EURO-Spielen interessiert. „Die EM wird für uns interessant, wenn wir möglichst viele Spiele exklusiv zeigen können“, sagte arena-Geschäftsführer Dejan Jocic.
Der Konkurrent Premiere reagierte dagegen reserviert. „Gerade weil praktisch alle wichtigen Begegnungen im Free-TV laufen, ist der Zusatznutzen für Premiere und unsere Abonnenten überschaubar. Deshalb haben wir uns gegen eine ernsthafte Fortsetzung der Verhandlungen entschieden“, sagte Carsten Schmidt, Premiere-Vorstand „Sports & New Business“.
Werbefinanzierte Sender wie RTL und Sat.1 möchten dagegen auf den EM-Zug aufspringen. „Wir wollen eine aktive Rolle bei der EM spielen“, sagte RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer. Denkbar wäre auch ein Zusammenspiel von mehreren TV-Sendern bei der EM-Übertragung. (sid / dpa)
Quelle: http://www.koelnische-rundschau.de/html/artikel/1174563696574.shtmlhttp://www.koelnische-rundschau.de/html/artikel/1174563696574.shtml