Das Genossenschaftsmodell ist grundsätzlich mal kein schlechter Gedanke, wie ich finde. Es gibt auch schon Beispiele in denen dieses Modell funktioniert, zwar eher bei Neubauten aber letztlich macht das keinen entscheidenden Unterschied. Ein Beispiel, welches ich auch persönlich kenne, ist die AFG Arena vom FC St. Gallen. Zum Bau der Arena wurde hier eine Stadiongesellschaft in Form einer AG gegründet, man konnte dann Aktien im Wert von je 250,- Euro erwerben. Im Grunde kein dummer Gedanke, denn vom Großunternehmen bis hin zum kleinen Fan kann sich jeder entsprechend seiner finanziellen Möglichkeiten beteiligen.
Wie könnte so ein Modell beim FCK aussehen? Knackpunkt für dieses Modell wird die Festlegung des Kaufpreises für das Fritz-Walter-Stadion sein. Realistisch würde ich dieser Gesellschaft wohl anraten, das Stadion für einen Wert von maximal 50 Millionen Euro zu erwerben.
Ob dieses Spiel die Stadt Kaiserslautern mitmachen würde und mitmachen kann ist wiederum eine ganz andere Frage. Diese Frage muss sich die Politik aber generell stellen und zwar am Besten zeitnah. Eine Veräußerung der Stadiongesellschaft an einen privaten Investor, auch an den FCK, wird für die Politik immer mit Verlusten verbunden sein. Das ist auch relativ logisch, denn das Fritz-Walter-Stadion ist vor über 10 Jahren an die Stadt veräußert worden, die letzten größeren Modernisierungen liegen mindestens 8 Jahre zurück, den VIP-Bereich einmal ausgenommen. Das Gebäude Fritz-Walter-Stadion hat somit bis heute, rein auf das Anlagevermögen bezogen, rund die Hälfte seines Wertes eingebüßt, das Grundstück verliert seinen Wert nicht, bleibt somit mit den alten Werten im Buch stehen, bzw. der Wert würde real betrachtet wahrscheinlich sogar gestiegen sein. Um diesen Wertverlust wurde jedoch die Kreditsumme nicht reduziert, die fehlende Tilgung holt einen somit genau an dieser Stelle wieder ein. Diese Diskrepanz zwischen Kreditbelastung und Gebäudewert wird in Zukunft noch größer werden. Spätestens wenn der Wertverlust nicht nur im Anlagevermögen begründet liegt, sondern auch in Wirklichkeit eintritt. Im Moment kann man bei einem 8 Jahre alten Gebäude noch von nahezu neuwertig sprechen, das wird aber in weiteren 8 Jahren ganz anders aussehen. Je länger der Sand in der Uhr rieselt, desto unappetitlicher wird es letztlich am Ende werden - in erster Linie für die Politik. Ein zeitnaher Verkauf des Stadions an eine Gesellschaft sollte daher im Sinne aller Beteiligten liegen. Ob die Politik jedoch in der Lage ist momentan nochmals einen Verlust von 20 bis 30 Millionen Euro zu verkraften muss bezweifelt werden. Man muss sich aber einfach vor Augen halten, dass das Problem in den Folgejahren nicht geringer wird. Soweit erst einmal das Grundsätzliche.
Basierend auf einem Kaufpreis von 50 Millionen Euro würde die Gesellschaft somit, in welcher Form auch immer, Kapital in Höhe von 55-60 Millionen Euro benötigen. Wieso die Differenz? Abgaben und Nebenkosten werden erst einmal bei der Gesellschaft hängen bleiben. Bei 50 Mio. € KP sind das 2,5 Mio. € Grunderwerbsteuer, Notarkosten, etc. und natürlich fallen auch für die Gründung der Gesellschaft Kosten an.
Angenommener Fall: 57,5 Mio. € Kosten für den kompletten Erwerb und die Gründung der Gesellschaft. Bei 250 € je Anteil entspräche dies somit 230.000 Anteilen.
Die spannende Frage wäre jetzt, da müsste mir mal ein Bilanzfachmann Unterstützung leisten, wie verhindere ich, dass die neu gegründete Gesellschaft im Grunde Jahr für Jahr bilanziell überschuldet, weil sie die Abschreibung auf das Stadion nicht erwirtschaften kann. Wir sprechen über ein Grundstück von ca. 150.000m² (inkl. ehemaliger Reitverein, Trainingsplätzen, etc.) bei einem angenommenen Wert von 140 € / m² (gem. Geodäten RLP) reden wir über einen Grundstückswert von rund 21 Mio. Euro. Die übrigen 36,5 Millionen Euro sind somit der Wert des Gebäudes und belasten über die Abschreibung die Stadion-Gesellschaft. Wie kann hier sichergestellt werden, dass diese Abschreibung nicht zu einer bilanziellen Überschuldung der Gesellschaft führt?
Angenommen es hat keine Auswirkung. Die Gesellschaft könnte eine Miete in Höhe von 4% des KP verlangen, womit die Belastung für den Verein bei ca. 2,3 Millionen Euro im Jahr liegen würde. Der FCK müsste sich gleichzeitig um den vollständigen Unterhalt der Immobilie kümmern und sämtliche Kosten der Objektverwaltung tragen. Die eingesparte Summe könnte der Verein wiederum dazu nutzen schrittweise Anteile an der Stadiongesellschaft zu erwerben und somit wieder vollständiger Eigentümer des Stadions zu werden - am Besten über ein vorab geregeltes Kaufrecht mit entsprechend fest definierten Kaufpreisen.
Einfach mal ein wenig Spinnerei, mit der Bitte um weiteren Input!