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Uli Gurke über Göktan und andere Talente

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Warum Sahin aufpassen muss

Champions League mit 17: Der Fall GÖKTAN

( Foto) oder das Risiko der „ Frühreifen“.





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ttmar Hitzfeld und sein Assistent in München, Michael Henke, waren sich bei der ersten Begegnung mit Berkant Göktan sicher: ,, Das ist ein Riesentalent. Der wird es schaffen.“ Das war 1998. Wenige Wochen später kam der 17- Jährige in der Champions League bei Bayerns 2: 2 gegen Manchester United zu seinem Pfl ichtspieldebüt. Der Anfang – vom Ende? Heute ist Göktan 24. ,, Den Durchbruch in der Bundesliga habe ich nie geschafft“, sagt er selbst. Die bittere Erkenntnis eines ,, Frühreifen“ , der auf den Stationen Bayern, Gladbach, Bielefeld nicht vorgekommen ist und auch danach bei Galatasaray und Besiktas Istanbul nicht zum Stammspieler reifte. Göktan: ,, Ich habe Fehler gemacht, die man sich als Profi nicht erlauben darf. Meine Lebensweise, Disziplin und alles was dazu gehört – ich wollte alles auf einmal und zu schnell. Damit kam ich nicht klar.“ Dem spektakulären Einstand folgte der Absturz des Türken. Warum? Göktan: ,, Ich hatte niemanden, der mir den Weg zeigte.“ Eher zufällig ist er nun wieder Henke begegnet. Der ist jetzt Cheftrainer in Kaiserslautern. Und bereit, dem ,, ewigen Talent“ eine Chance zu geben. Seine vielleicht letzte, wie Göktan selbst einräumt: ,, Was ich brauche, ist eine Starthilfe.“ Er ist kein Einzelfall. Mit 17 hatten schon viele Träume. Manche waren Eintagsfl iegen, wie einst Frank Kirn ( 1986/ 87 für Düsseldorf). Auf nur zwei Bundesligaspiele mehr brachte es Torwart Jürgen Friedl ( Frankfurt). Eine unbefriedigende Bilanz für einen, der mit 17 Jahren und 26 Tagen fast 30 Jahre lang der jüngste Bundesligaspieler aller Zeiten war. Bis ihm nun Nuri Sahin den Rekord entriss. Dortmunds Mittelfeldtalent war am 6. August 2005 gerade 16 Jahre und 335 Tage alt beim 2: 2 in Wolfsburg. Der FC Arsenal bot zwei Millionen Euro, Manchester United schickte Scouts. Zu spät. Die Borussia hatte den BJunior schon im Frühjahr bis 2009 gebunden. Sportdirekter Michael Zorc bescheinigt Sahin, der im Mittelfeld jede Position bekleiden kann, schon ,, wie ein 24- Jähriger zu spielen“. Und Trainer Bert van Marwijk attestiert ,, herausragende Reife und Intelligenz“. Reicht das, um in der Glitzerwelt des Profi - Fußballs zu bestehen? Bislang zeigt sich Sahin unbeeindruckt.

Er geht mit dem Rummel um wie er Fußball spielt: abgeklärt. Prof. Heinz Liesen sieht Perspektiven für eine Karriere. In den „ Ruhr- Nachrichten“ erklärte der Sportwissenschaftler: ,, Nuri wirkt psychisch stabil. Er refl ektiert offenbar mehr als andere.“ Derweil rät Berkant Göktan: ,, Sahin muss versuchen, auf dem Boden zu bleiben. Und immer an sich arbeiten.“ Über Nacht zum ,, Wunderknaben“ aufzusteigen, ist im Ausland weit häufi ger als hierzulande der Fall. Etwa Wayne Rooney. Der war 16, als er 2002 für Everton gegen Arsenal traf. 30 Millionen zahlte ManU für Rooney, mit 19 schon im Nationalteam eine feste Größe. Auch mit 16 startete beim AC Mailand auch Paolo Maldini seine unglaubliche Karriere. Drei Einsätze fehlen dem vielleicht besten Linksverteidiger der Welt noch, um Dino Zoff ( 570 Spiele) als Rekordspieler der Serie A zu übertreffen. Weit weniger Glück hatte Landsmann Gianluigi Lentini. Was mit 17 beim FC Genua spektakulär begann, im 40- Millionen- Transfer zu Milan gipfelte ( 1992), klang 2003 in der Serie B bei Cosenza anonym aus. Der Spanier Raul war 17, als sein Stern bei Real Madrid zu strahlen begann. So jung war 1954 auch Uwe Seeler, als er gegen Frankreich ( 1: 3) sein Debüt für Deutschland gab. Populär wie ,, Uns Uwe“ zu werden ist auch Lukas Podolski ( 19) zuzutrauen. Als A- Jugendlicher kam er mit 18 in Köln in den Profi - Zirkus. Der rasante Aufstieg zum Nationalspieler ist dem Mega- Talent nicht zu Kopf gestiegen. Kindliche Spielfreude ist seine Triebfeder. ,, Poldi“ stürmt unbekümmert drauf los – gleichgültig, ob es gegen Brasilien oder Burghausen geht. Frühreif – Fluch oder Segen? Raul, Maldini, Seeler oder ein Christian Wörns haben es geschafft. Andere mit ähnlichen Voraussetzungen, ein Friedl, Page oder Kirn, verschwanden wieder aus dem Rampenlicht. Eine Regel, die den Sprung zum Star garantiert, lässt sich nicht ableiten. Wer dauerhaft zu den Besten gehören will, muss charakterfest sein, Willen, Durchsetzungsvermögen, die richtigen Weggefährten und auch Fortuna haben. Den einen ist Glück ein steter Begleiter, anderen nur vorübergehend, manche treten es sogar mit Füßen. Das ist im Fußball nicht anders als im normalen Leben auch. ULI GERKE
 
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