Der FCK - eine Angelegenheit des Herzens
FUSSBALL: Trainer und Journalisten im WM-Globus in Kaiserslautern gemeinsam auf der Bühne
KAISERSLAUTERN (cka). Die Beziehungen zwischen Fußball-Trainern und Journalisten sind facettenreich. Hass-Liebe verbindet wohl am ehesten beide Seiten. Normalerweise kreuzen sich die Wege bei Pressekonferenzen, rund ums Stadion und man telefoniert viel. Gemeinsam einem Publikum präsentiert haben sich in dieser Woche im Kaiserslauterer WM-Globus am Dienstagabend Rundfunk-Reporterin Sabine Töpperwien und Waldhof-Kulttrainer Klaus Schlappner sowie am Mittwochabend Premiere-Aushängeschild Marcel Reif und der für Klaus Toppmöller eingesprungene neue FCK-Coach Michael Henke.
Thema Nummer eins im Herzen der Kugel war natürlich der FCK. Ob er die Lauterer in ihrer momentanen Verfassung überhaupt übernommen hätte, wurde der Un-Ruheständler Klaus Schlappner gefragt. Seine Antwort: „Ich hasse die Profittis. Ich mag Profis. Das sind meine Freunde, egal von welcher Nationalität." Weil er immer gerne schwierige Sachen gemacht habe, wäre der FCK rein theoretisch wohl ein Fall für „Schlappi", wie der 65-Jährige anklingen ließ. „Ein Trainer, in dem Stadion, mit den Fans, der braucht in der Kirche keine Kerze anzünden", machte Schlappner den Globus-Besuchern Mut, warnte aber auch gleichzeitig. „Ich hätte nicht gedacht, dass man einen Amboss zerstückeln kann ...", erinnerte der Erfolgstrainer der tollen Waldhof-Jahre in der Fußball-Bundesliga an den Zerfall des regionalen Rivalen, der heute in der Oberliga-Baden-Württemberg gegen den VfR Mannheim und SV Sandhausen seine Derbies austrägt.
Den Neuanfang mit dem FCK wird aber nicht der kauzig-kluge Klaus Schlappner in Angriff nehmen, sondern der im Trainer-Geschäft unverbrauchte Michael Henke. Für ihn seien als mögliche Kandidaten nur Vereine mit Tradition in Frage gekommen, erzählte der 48-Jährige, der in Marcel Reif ein Lauterer Urgestein zur Seite hatte. Der Journalist trug von der D- bis zur A-Jugend das Trikot der „Roten Teufel". Als Kind stand er in der Westkurve „als sie noch eine Kurve war".
In der von zwei „Zeit"-Journalisten moderierten Runde kam Reif die Rolle des Ratgebers zu. Glückwünsche und viele Ratschläge werden Henke seit Bekanntwerden seines Einstiegs in die Bundesliga zuteil. Zu den besten zählen sicher die des Fernseh-Reporters, der Respekt als wichtigste Grundlage in der Zusammenarbeit zwischen Medien und Trainern sowie Fußballern ansieht. Er empfehle Henke, das Grab Fritz Walters, dessen letztes Spiel er gesehen habe, zu besuchen. Außerdem sei wichtig, „nicht zuviel Distanz zu den Menschen zu haben". „Wer hier in der Stadt mit dem FCK nichts zu tun hat - ein bedauerliches Einzelschicksal", meinte Reif, Sohn einer deutschstämmigen Mutter und eines jüdischen Vaters. Reif verbrachte seine Kindheit in Warschau und kam als Jugendlicher über Israel mit der Familie nach Deutschland - nachzulesen in seiner sehr schönen Biographie „Marcel Reif. Aus spitzem Winkel. Fußballreporter aus Leidenschaft."
Sein letzter Besuch auf dem Betzenberg ist noch nicht so lange her. Das 1:3 gegen den FC Bayern München sei sehr enttäuschend gewesen ... Postwendend kamen aus allen Richtungen entrüstete Zwischenrufe: „0:4!" „Ich hab"s verdrängt", meinte Reif, der wie kein Zweiter die Befindlichkeiten der Lauterer Fan-Gemeinde kennt und auf den Punkt bringen kann. „Die Menschen wollen hier Fußball mit Herz sehen. Wenn man sich so wehrlos auf den Rücken legt wie gegen die Bayern dann tut das richtig, richtig weh."
Michael Henke ist als Fan von Traditons-Vereinen wie Nürnberg, Berlin, Mönchengladbach oder Kaiserslautern sensibilisiert für das Thema. Er mag es, wenn eine ganze Stadt mitfiebert. Für dumm dürfe der Fan nicht verkauft werden, meinte er. „Fans haben ein sehr gutes Gespür dafür, was abgeht in einem Verein." Vorgenommen hat er sich in Kaiserslautern, „den Mythos als Vorlage zu nutzen".
Mit Mannschaften wie den Bayern könne der FCK sich in den kommenden Jahren nicht messen, relativierte Reif, der in der Bundesliga eine Tendenz zur Drei-Klassen-Gesellschaft spürt. Bei den Bayern werde eben ein Star-Ensemble mit Nationalspielern zu einer funktionierenden Einheit geformt. In einem Fußball-Verein wie dem FCK brauche man auch noch die „zweite Ebene". Soll heißen, Werte wie mannschaftliche Geschlossenheit und die Bereitschaft, sich voll reinzuhängen. Das werde honoriert.
Seine Probleme hat Reif mit der Schwarz-Weiß-Malerei. „Wenn"s nicht läuft, fällt plötzlich auf, dass wenig Lauterer in der Mannschaft sind. Dann kommt gleich ,Scheiß-Millionäre"". Aber auch auf anderen Ebenen läuft nach Ansicht des Experten nicht alles rund. „Realismus hat im Fußball noch nie geschadet, aber so richtig verbreitet war er in Deutschland in den letzten Jahren nicht", spielte der in Zürich lebende Reif auf den finanziellen Kollaps von Borussia Dortmund an, den er auch auf Schalke zukommen sieht. Im Erfolgsfall funktionierten die Vereine nach einem Kettenbrief-Muster. „Kommt der Erfolg, kommt Erfolg, kommt Erfolg - und wenn einer dann den Brief nicht weiterschickt, macht"s batsch. In einer Stadt wie Kaiserslautern wünsche ich mir, dass so etwas nie passiert." Und damit hatte er den Besuchern der Veranstaltung aus dem Herzen gesprochen.
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ