Tja, das waren Zeiten. Mannschaften wie Barcelona waren schon lange nicht mehr auf dem Betzenberg zu sehen. Das die Stimmung einmalig ist, wenn man Barca 3:1 niederkämpft ist doch klar! Nur man kann nicht erwarten, dass die Fans genauso hinter dem Team stehen, wenn die alte Dame Hertha im zweiten Gang gemütlich ein 2:0 ohne Gegenwehr nach Hause schaukelt ...
sehe ich genauso! Es ist seit jeher so gewesen, dass der Funke vom Spielfeld auf die Massen überspringen muss. Ich kann diesen Satz bald nicht mehr hören, aber es war verdammt nochmal immer schon so. Warum unterhalten wir uns eigentlich mit dem grössten Augenmerk über die "Fan"-Leistung? Das Eigentliche und wirklich Wichtige gestern war Erfolg auf dem Rasen, der nicht gelang. Die, die auf dem grünen Rasen dem Ball hinterherlaufen oder es zumindest sollten, sind Profis, von denen man schon immer die alten Tugenden verlangt hat und die Basis und Grundlage für die Stimmung auf den Rängen waren.
Wenn man so auftritt, ist es aber auch nicht wirklich verwunderlich. Wenn über weite Strecken kein Kampf, kein WILLE und dann eben auch kein Konzept da ist, ist man sowieso verloren. WILLE war im Spiel gegen Gladbach - die Hoffnung nach dem Debakel von Leverkusen, gegen Hertha das zweite Gesicht zu zeigen, gelang erneut nicht! Es trat das ein, wovor ich gewarnt hatte und was nur wenige der Spieler verinnerlicht hatten. Nach dem frühen Gegentor, aber schon davor glaubten nur wenige an sich, stemmten sich nur Einzelne gegen die Niederlage und liessen den Ballführenden im Stich.
Es ist nicht (nur) das zweitligareife Spiel, das wir seit Wochen geboten bekommen - es ist mittlerweile auch wieder eine Frage der Einstellung, des Willens und der Nerven. Wenn man fast ohne Gegenwehr die Hertha stark macht und sie spielen lässt, nur nebenherläuft und wenig entgegen setzt, ist es schwer, sich als Fan überhaupt zu motivieren, positive Stimmung zu verbreiten. Sicher will jeder gute Stimmung, die von den Rängen auf die Mannschaft überspringt, die ihr hilft. Aber ehrlich gesagt sind das alles doch nur dumme Alibis, dumme, lächerliche Floskeln, worin das eigentliche Problem gar nicht liegt. Oder doch?
Das Beispiel "Leverkusen" jedenfalls hat gezeigt, dass trotz Bomben-Stimmung, 90-minütiger bedingungsloser Anfeuerung im Gästeblock und gleichzeitig pomadischen Versuchen der Leverkusener im eigenen Stadion auf die Mannschaft REIN GAR NICHT gewirkt hat. Die Fast-Arbeitsverweigerer boten über die komplette Spielzeit eine halbe Katastrophe ab und waren nicht nur wegen der begrenzten Möglichkeiten des Fussballspiels total überfordert.
Wie ist das zu erklären? Am einfachsten und einleuchtesten erscheint mir da, dass schlicht die Führungsspieler, konstante Leistungsträger, Typen und echte Grössen aus den vergangen Jahren "Abstiegskampf" fehlen. Diese Typen (Namen sind bekannt) geben dem Rest der Mannschaft nicht nur Sicherheit und Hilfe, sie übertragen die Einstellung auch auf andere und nehmen diesen Ruck auf, der bei Anfeuerung der Zuschauer durch den Körper schiesst. Kurz, Führungsspieler und Typen gibt es seit der Sforza-Suspendierung nicht mehr und das ist seit Saisonbeginn schon ein grosses Problem gewesen.
Die Lage hat sich punktemässig und tabellarisch nicht wirklich verschlechtert, schön und gut, doch werden auch die Spiele immer weniger und eine solche Art und der Weise der Spielart und ein solches Auftreten lässt einem kaum mehr Hoffnung auf den Verbleib in dieser Liga. Grosses Glück für uns ist in dieser Runde einmal mehr, dass die Konkurrenz unten drin genauso schwächelt und man einer dieser Lucky Loser sein kann, die sich irgendwie mit viel Glück rettet, denn normalerweise müssten leistungsmässig 8 (!) Vereine runter.
Es muss erneut etwas passieren und Wolf "muss sich [ja auch] etwas einfallen lassen" - in Nürnberg und auch bei den anderen restlichen Partien gehst Du mit so einer Einstellung unter!