Ach ja, wieder dieser Verschwörungstheoretikeransatz, dass die Wahlen hier nicht frei sind, dass wir von den USA gesteuert werden und wir lieber unser eigenes Süppchen kochen sollten, egal was auf den Herdplatten um uns herum brutzelt. Sehr schön.
Ich zähle hier mal die Argumente: Hm, ich sehe keines
Dass die überwiegende Mehrheit der Presse den etablierten Parteien (CDU/CSU/Grüne/SPD) sehr nahe steht und in diesem Sinne berichtet und versucht, das Wahlvolk zu beeinflussen, wirst auch Du kaum leugnen können, dazu braucht man nur einmal ein entsprechendes Zeugnis zu lesen.
Und wenn man sich tiefgründiger mit der Materie vertraut machen würde, dann würde man auch zu der Frage kommen, ob jemand, der bevor er Kanzler wurde, jahrelang von der NSA mit allen technisch zur Verfügung stehenden Mitteln ausspioniert und abgehört wurde, somit hochgradig erpressbar geworden ist, überhaupt in wichtigen politischen Fragen selber etwas zu entscheiden hat, zumal in einem Land, in dem Sodaten und Agenten der USA nach wie vor Besatzungsmachtstatus haben. Die Tatsachen im Umgang mit der Snowden-Affaire, die bisher fehlende Forderung nach Abzug der amerikanischen Soldaten und Agenten und auch das sonstige Gebahren (Freihandelsabkommen, Datenschutzaffaire!) fast jeder bisherigen politischen Regierung (mit Ausnahme von Willy Brandt) sprechen hier eine eindeutige Sprache.
PS: Wer als erster laut "Verschwörungstheorie" schreit, ist meistens (wie in diesem Falle ja offensichtlich) selber einer aufgesessen
Und bevor hier wieder einer meint, ich hätte keine Argumente gebrach, werde ich sie zum Verständnis nochmal seperat aufführen:
- Nähe der Berichterstattung an Positionen der etablierten Parteien (nicht: Die Linke, AfD)
- Bespitzelung vor dem Treten in Regierungsverantwortung durch andere Nation fördert nicht deren Unabhängigkeit in wichtigen Entscheidungsfragen, die eben diese andere Nation betreffen
- Verhalten der aktuellen Bundesregierung in Sachen Snowden, dem fehlenden Abzug der Besatzungstruppen (sowie der NSA hier in unserem Land!), sonstiges politisches Gebahren (Freihandelsabkommen, Datenschutzaffaire) stärken ebenso diese These
Jetzt würde ich gerne mal ein einziges Argument von Dir lesen, stiller.
- wirtschaftlich die Verstaatlichung ganzer Wirtschaftszweige und damit in letzter Konsequenz auch Enteignungen in großem Stil, so wie man das planwirtschaftlichen Staaten auch kennt.
Das wäre hier gar nicht durchsetzbar und Du kannst Dir sicher sein, wenn soetwas käme, würde auch ich auf die Straße gehen. Es hat meines Erachtens keinen Sinn, über solche ungelegten Eier zu diskutieren, meiner Meinung nach entspannt dieses Szenario eher Deiner Fantasie (ich halte das für völlig utopisch). Denkst Du denn ernsthaft, Leute wie Lafontaine oder Riexinger würden soetwas dulden?
- den Abbau von Sicherheitsstrukturen wie z.B. Abschaffung oder zumindest gänzliche Marginalisierung der Streitkräfte und damit eine Entblößung von Deutschlands Sicherheit.
Das hat es auch in den sozialistischen und kommunistischen Staaten nie gegeben.
- den Austritt Deutschlands aus Organisationen wie der NATO und eine außenpolitische Orientierung nach Osten bei einer gleichzeitigen pazifistischen Außenpolitikdoktrin, die sich auch bei eindeutigen Situationen wie der IS-Krise nicht einmischt und in Konsequenz eine internationale Isolierung Deutschlands zur Folge hat.
Den Austritt aus der NATO sehe ich sogar als zwingend erforderlich an, um die deutsche und europäische Unabhängigkeit von den USA und UK (welches sich, ebenso wie Ungarn, nie zu den Zielen und Werten der EU bekennen wird - das sind eben die beiden Satellitenstaaten, der eine russisch, der andere amerikanisch) zu wahren. Idealerweise sollten dann auch die anderen EU-Länder, welche hinter diesem Traum stehen, ebenfalls aus der NATO austreten und man sollte eine vergleichbare EU-Organisation aufbauen. Wenn Polen, Franzosen, Deutsche, Italiener und Griechen Seite an Seite dienen und ihren gemeinsamen Traum schützen, wäre dies meines Erachtens nach ein wichtiger Punkt, der alle Nationen verbindet. Dafür wäre ich als überzeugter Europäer mehr als bereit, Projekte, die diesen Traum und die politische Stabilität (nicht bei uns, aber wenn man sich Frankreich oder Holland anschaut), wie den Euro, gerne abzuschaffen. Projekte die verbinden, statt solche, die trennen. Die Doktrin der Außenpolitik würde ich mir hier nicht als pazifistisch, sondern als Defensiv wünschen. Dies ist keinesfalls das gleiche, denn ich würde den Aufbau einer schlagkräftigen europäischen Armee, die in der Liga der russischen, amerikanischen oder chinesischen spielt, durchaus begrüßen.
Außenpolitisch sollte die EU im eigenen Interesse sich dabei gleichermaßen nach West wie nach Ost orientieren - man darf keineswegs den Fehler machen, sich von einem der Partner zu sehr abhängig zu machen.
Die IS-Krise ist übrigens alleine dem außenpolitischen Verhalten der USA (zündeln gegen den pro-russischen Assad, weil man selber Syrien in seinen Einflussbereich gewinnen wollte) geschuldet, daher sind diese meines Erachtens nach in erster Linie verpflichtet, diese wieder zu lösen (Russland und Iran beispielsweise versuchen dies ja schon seit Jahren von sich aus). Aber denkst Du ernsthaft, die USA, in ihrer politischen Ausrichtung wahlweise nationalistisch oder rechts-extremisch würden den Großteil der durch ihre Kriege verursachten Flüchtlinge aufnehmen? Und an so jemanden sollen wir uns weiter so fest binden wie aktuell?
- als Konsequenz aus der Wirtschaftspolitik eine Abwanderung von Investoren und großer Abfluss von Kapital ins Ausland und infolgedessen ein massiver Verlust von Arbeitsplätzen, kombiniert mit einem Staatsbankrott plus verottender Infrastruktur aufgrund der horrenden Sozialausgaben, mit denen man sich die Zustimmung der Wähler erkauft.
Keine Sorge, der Staatsbankrott ist auch so nicht mehr weit, dafür haben die etablierten Parteien ja nach der Wende tatkräftig gesorgt.
Und zu Deinen wirtschaftspolitischen Befürchtungen, zumindest Wagenknecht und Lafontaine stehen doch für eine vernunftorientierte klassisch-liberale Wirtschaftspolitik im Sinne von Roosevelt. Hätte Lafontaine 1990 die Wahl gewonnen und nicht das "Wirschaftsgenie" Kohl, wir stünden nicht vor diesen Problemen.
Die klassische Ost-Linke sehe ich in der Hinsicht auch etwas kritischer, aber beispielsweise auch ein Bodo Ramelow fällt doch überhaupt nicht in diese Kategorie.