14.05.1999
FCK-Chef Friedrich: "Wir planen weiter mit ihm"
Tauziehen um Michael Ballack
Kaiserslautern - Zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem Bundesliga-Konkurrenten Bayer 04 Leverkusen bahnt sich wegen des geplanten Wechsels von Fußball-Nationalspieler Michael Ballack ins Rheinland ein tiefgreifendes Zerwürfnis an.
"Wir planen weiter mit Michael Ballack und werden ihn auf keinen Fall vorzeitig zu Leverkusen ziehen lassen", kündigte Vorstandschef Jürgen Friedrich am Freitag an. Leverkusen habe sich in dieser Personalangelegenheit "ausgesprochen unfair" verhalten, meinte Friedrich.
Fifa-Verstoß: Abwerbung ohne Abstimmung mit Verein
Die Leverkusener hatten am Dienstag den Abschluß eines Dreijahresvertrages vom 1. Juli 2000 an mit dem 22jährigen Mittelfeldspieler bekanntgegeben. Ballack, dem offenbar auch lukrative Angebote aus dem In- und Ausland (AC Florenz, Chelsea London) vorliegen, hat noch einen gültigen Vertrag bei den Pfälzern bis zum 30. Juni 2000. Nach dessen Ablauf könnte er ablösefrei den Verein wechseln. Die Leverkusener wollen den beim FCK unzufriedenen Jung-Nationalspieler bereits zur kommenden Saison 1999/2000 verpflichten und dafür eine angemessene Ablösesumme zahlen.
FCK-Vorstandschef Friedrich monierte vor allem, daß es gegen die Bestimmungen des Weltfußball-Verbandes Fifa verstoße, einen vertraglich gebundenen Spieler ohne Abstimmung mit seinem Verein abzuwerben. Friedrich: "Die Leverkusener haben damit den zweiten vor dem ersten Schritt getan - und das war unkorrekt, unanständig und außerdem falsch." Michael Ballack besitze beim 1. FC Kaiserslautern einen gültigen Vertrag, auf dessen Einhaltung der Verein "in der aktuellen Situation" bestehe.
Rotes Telefon zwischen Lautern und Leverkusen klingelt nicht
FCK-Vorstandsmitglied Gerhard Herzog wunderte sich am Freitag, "daß wir offiziell von Bayer 04 Leverkusen bisher in dieser Sache noch nichts gehört haben." Zwar hätten die Leverkusener den 1. FC Kaiserslautern vor Wochenfrist telefonisch über die Kontaktaufnahme mit dem 22jährigen Bundesliga-Profi informiert - "aber das war auch schon alles". Michael Ballack selbst geht davon aus, daß sich die beiden Vereine über seinen Wechsel bereits am Ende dieser Saison einigen werden: "Dann kann Kaiserslautern eine Ablösesumme kassieren - nächstes Jahr gehe ich ablösefrei."
Das Fachmagazin "Kicker" spekulierte in seiner Freitagausgabe damit, daß die Lauterer den begehrten Ex-Chemnitzer zwar nicht an den Konkurrenten Leverkusen, wohl aber an den frischgebackenen Meister Bayern München vorzeitig abzugeben bereit wären. Zur Möglichkeit, daß der FCK auf Vertragserfüllung besteht, ihn aber auf die Tribüne setzt, um unter diesem Druck einem Wechsel nach München zuzustimmen, sagte Ballack in einem "Kicker"-Interview:
"Das wäre pure Erpressung, ja Viehhandel".