„Mythos Betzenberg ist die Vorgabe"
Gestern Abend im WM-Globus: Marcel Reif und Michael Henke sprechen über Fußball und den FCK
Beide gelten als Intellektuelle ihrer Zunft. Der eine stammt aus Kaiserslautern, der andere kommt neu in die Stadt. Marcel Reif, hochdekorierter Fußballreporter, und Michael Henke, ab Juli Trainer des FCK, diskutierten gestern Abend im WM-Globus. Natürlich über Fußball. Und natürlich über den FCK.
Der alte Lauterer und der neue Lauterer stellten sich im bis auf den letzten Platz besetzten Globus den Fragen der Moderatoren Moritz Müller-Wirth und Christoph Siemens, beides Redakteure der „Zeit". Reif wuchs in Kaiserslautern auf, spielte von der D- bis zur A-Jugend beim FCK, kennt somit Stadt und Verein. Der Fußballreporter hatte zwei Ratschläge, was ein neuer Trainer hier beachten muss: „Das Grab von Fritz Walter besuchen und es vermeiden, zu viel Distanz zu den Menschen zu halten." Die Fans auf dem Betzenberg wollten Fußball mit Herz sehen, ein Trainer, der dies grundlegend ändern wolle, bekomme Schwierigkeiten.
Henke stammt aus Westfalen und war neuneinhalb Jahre Co-Trainer bei Borussia Dortmund. „Den BVB und den FCK verbindet keine große Liebe, aber es gibt große Parallelen", sagte der neue FCK-Trainer. Seine Erinnerungen als Co-Trainer von Gastmannschaften auf dem Betzenberg fasste er so zusammen: Ordner, die dem Mannschaftsbus grimmige Blicke zuwerfen, ein Gerald Ehrmann, der sich drohend im Kabinengang aufbaut, und ein brodelndes Stadion, in dem jederzeit in der 93. Minute noch ein Spiel kippen kann. Und Reif ergänzte: „Der Betzenberg ist die Burg, die über die Stadt bestimmt. Von dem Schrecken der Burg ist aber nicht mehr viel übrig geblieben."
Wenn die Burg so viel Schrecken eingebüßt hat, warum kommt Henke dann auf den Betzenberg? „Mir war immer klar, wenn ich mal Cheftrainer werde, dann bei einem Traditionsverein", sagt er. Dazu zählt er Mannschaften wie Dortmund, Nürnberg oder eben Kaiserslautern. Mannschaften, die ein großes Fanpotenzial haben. Die Fans des FCK spürten genau, ob ein Spieler auf dem Rasen alles gibt. Henke legt Wert auf diesen „Fußball mit Herz auf Spieler, die Herzblut investieren, auf eine Mannschaft, deren Charakter stimmt, die kämpft und rackert". Das sei beim FCK mit seiner Tradition besonders wichtig. „Der Mythos Betzenberg ist die klare Vorgabe für mich. Ich denke, dass dies meine Arbeit erleichtert", sagte der neue sportliche Chef auf dem Betzenberg.
Über seine Arbeit macht sich Henke keine Illusionen. Es sei wenig Geld da, um eine Mannschaft aufzubauen, große Sprünge seien diesbezüglich sicher nicht möglich. Aber der FCK habe ein richtig gutes Trainingszentrum und bald ein tolles Stadion. „Diese Bedingungen sind wirklich nicht schlecht", betonte Henke. Auf dieser Grundlage sei professionelles Arbeiten möglich und lasse sich etwas bewegen.
Quelle: DIE RHEINPFALZ