hier noch eine ganz andere seite der anschläge:
9/11-Helfer leiden unter Spätfolgen
Rund 70 Prozent der Helfer, die nach den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 an Rettungs- und Aufräumarbeiten beteiligt waren, entwickelten Lungenprobleme. Dieses Ergebnis der bislang größten Folgeuntersuchung zeigt, dass die gesundheitlichen Einschränkungen schwerwiegender und langwieriger sind, als bislang angenommen.
Asbest, Dioxin und Glassplitter
Mediziner vom Mount Sinai Medical Center in New York haben zwischen Juli 2002 und April 2004 12.500 der Helfer untersucht. Die Feuerwehrleute, Polizisten und Arbeiter wurden auf körperliche und geistige Leiden untersucht, ihre Brust wurde geröntgt und ihre Lungenfunktion gemessen. Außerdem wurden Blut- und Urinproben analysiert. 9500 der Helfer stimmten der Veröffentlichung der Untersuchungs-Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Environmental Health Perspectives" zu.
"Diese Studie bestätigt häufige Atemprobleme bei einem großen Teil der Helfer", wird der Arzt Dennis Charney in einer Mitteilung des Mount-Sinai-Krankenhauses zitiert. Bei fast 7000 der Untersuchten traten Symptome auf oder verschlimmerten sich. Bei zwei von drei Helfern, die bis dahin keine Probleme gehabt hatten, traten die Symptome bereits während der Arbeiten auf.
Insgesamt litten sechzig Prozent der Helfer noch zum Zeitpunkt der Untersuchung - ein bis zweieinhalb Jahre nach den Anschlägen - an Atemproblemen, was darauf deutet, dass sie chronisch werden könnten. Zu den Symptomen gehören eingeschränkte Lungenfunktion, Atemlosigkeit und ein trockener Husten, für den schon kurz nach den Anschlägen der Begriff "Trade-Center-Husten" geprägt wurde. Auch Nasennebenhöhlenentzündungen und Asthma traten infolge der Anschläge häufiger auf.
Am schwersten betroffen sind diejenigen Helfer, die als erstes zu der Unglücksstelle vordringen konnten. Sie wurden am stärksten dem aufgewirbelten Staub ausgesetzt. Mit ihm atmeten viele Helfer krebserregende Stoffe wie Asbest und Dioxin sowie winzige Glassplitter ein, die sich in der Lunge festsetzen können.
Zusammenhänge angezweifelt
Die Studie zeige, dass die Betroffenen weiterhin untersucht und behandelt werden müssten. "Unsere Patienten sind krank und werden für den Rest ihres Lebens Hilfe benötigen", sagte Robin Herbert, einer der Mediziner, der Tageszeitung "New York Times". Für ihn sind die Ergebnisse der Studie "sehr besorgniserregend", da zwei Fünftel der bislang Untersuchten nicht krankenversichert sind und nicht angemessen versorgt werden. Seit April 2004 haben sich 4000 weitere Helfer im Mount-Sinai-Krankenhaus gemeldet. Nach Schätzungen waren jedoch 40.000 Menschen an den Rettungs- und Aufräumarbeiten beteiligt.
Hillary Clinton, die demokratische Senatorin des US-Bundesstaats New York, sagte bei der Vorstellung der Studienergebnisse, dass die Behandlung der Helfer dringend öffentlich gefördert werden müsste. Bislang hat die Regierung unter Präsident Bush 52 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt.
New Yorks republikanischer Bürgermeister Michael Bloomberg zweifelt dagegen die Schlussfolgerungen der Mediziner an. Er sieht keine Beweise dafür, dass die beschriebenen Krankheiten bei den Arbeiten am Ground Zero entstanden sind. Bloomberg kündigte dennoch ein Untersuchungs- und Behandlungsprogramm für die Menschen an, die dem Staub ausgesetzt waren.
Philip Landrigan, der das Untersuchungsprogramm im Mount-Sinai-Krankenhaus mitbegründet hat, wollte der "New York Times" keine genauen Angaben darüber machen, wie viel Geld dazu benötigt würde. Er sagte lediglich, dass es "sehr teuer" würde. Die Mediziner planen nun, das Auftreten von Krebs und Lungenerkrankungen bei den Helfern zu erfassen, um es später mit den normalen Raten vergleichen zu können. Zudem werde in Kürze iine Studie über die psychologischen Auswirkungen des Einsatzes am Ground Zero veröffentlicht.
(N24.de, Netzeitung)