VfL verliert 2:3 beim FCK
Kampf war Trumpf am Betzenberg
Kaiserslautern - Der VfL Wolfsburg hat die Bundesliga-Hinrunde am Samstag (17.12.05) mit einer 2:3 (0:1)-Niederlage beim 1. FC Kaiserslautern abgeschlossen. Das Team von Trainer Holger Fach hatte vor 23.244 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion kurz vor der Pause (45.) zwar das 0:1 durch Halil Altintop hinnehmen müssen, antwortete aber kurz nach Wiederanpfiff mit zwei Toren von Diego Klimowicz (47.) und Mike Hanke (54.). Am Ende verloren die Wölfe dennoch, weil Altintop mit seinem zweiten (61.) und dritten (81.) Treffer die kampfbetonte Partie drehte.
Eine bittere Niederlage, denn unmittelbar vor dem Ausgleichstreffer für den FCK hatte Pablo Thiam das womöglich vorentscheidende 3:1 auf den Fuß, traf den Ball aber nicht richtig. Der ersehnte Befreiungsschlag vor Beginn der Winterpause ist damit ausgeblieben. Die Wölfe, die nun schon seit acht Spielen auf einen Sieg warten und in dieser Zeit lediglich drei Punkte holten, beendeten die für sie enttäuschende Hinrunde mit 18 Zählern auf Rang 13. Es ist die schlechteste erste Halbserie für die Grün-Weißen seit ihrem Bundesliga-Aufstieg 1997. Dagegen landeten die abstiegsbedrohten Roten Teufel nach zuvor 13 erfolglosen Partien ihren ersten "Dreier" und schöpfen neuen Mut im Abstiegskampf. Zwar überwintern die Lauterer mit zwölf Zählern als Tabellenschlusslicht, haben aber nur noch einen Punkt Rückstand zum rettenden 15. Platz.
Wölfe beginnen zögerlich
Holger Fach nahm gegenüber der letzten Partie gegen Stuttgart zwei Änderungen vor: Jeweils nach abgesessener Sperre kehrten Levan Tskitishvili und Kevin Hofland zurück. Leidtragende waren Stefan Schnoor und Peter Van der Heyden, die auf die Bank mussten. Gäste-Coach Wolfgang Wolf brachte Mihael Mikic für Stefan Blank. Drei Minuten waren gespielt, als eben jener Mikic für den ersten Aufreger sorgte. Nach Zuspiel von Altintop hatte der Kroate rechts im Strafraum abgezogen und Simon Jentzsch im Wolfsburger Kasten zu einer Parade gezwungen. Den Gastgebern merkte man an, dass sie sich viel vorgenommen hatten, der VfL fand durch ihre kompakte und kämpferische Spielweise kaum in die Partie. Stattdessen machten die Hausherren Druck. Altintop vergab nach einer Viertelstunde die mögliche FCK-Führung aus elf Metern.
Knapp 20 Minuten dauerte es, bis der VfL aufwachte und in Person von Andres D'Alessandro erste Akzente setzte. Nach einer tollen Kombination auf dem rechten Flügel war der Argentinier in den Strafraum eingedrungen und hatte mit einem schönen Zuspiel seinen Landsmann Juan Menseguez bedient. Weil dieser am Elfmeterpunkt aber zu lange zögerte, verpuffte die erste Gelegenheit (18.). Auf der Gegenseite machte es Altintop nicht besser, als er Jentzsch den Ball in die Arme köpfte (22.). Auch der Freistoß des Lauterer Kapitäns Marco Engelhardt am rechten Strafraumreck verfehlte knapp sein Ziel (31.). Zwei Minuten später versuchten Menseguez und direkt danach Thiam ihr Glück, ihre Schüsse wurden aber im FCK-Strafraum abgeblockt (33.).
Rückstand in der Nachspielzeit, Ausgleich nach Wiederanpfiff
Großes Tohuwabohu auf der Gegenseite: Erst kam Boubacar Sanogo zum Schuss, dann scheiterte Mikic am stark parierenden Jentzsch (37.). Vier Minuten darauf hatte Wolfsburgs Diego Klimowicz seine erste Möglichkeit, als er mit links nur knapp verzog. Etwas mehr Zielwasser hätte man auch Sturmpartner Mike Hanke gewünscht, als er nach starker Vorarbeit von D'Alessandro über das Gehäuse der Pfälzer schoss (43.). Die Nachspielzeit einer kämpferischen ersten Hälfte lief, als die Kugel nach einem Abstoß von Jentzsch postwendend zurückkam und über Sanogo bei Altintop landete. Der türkische Nationalspieler setzte sich gegen Kevin Hofland durch und zog auch an Jentzsch vorbei, um das Leder im nächsten Schritt zum 0:1 aus Wölfe-Sicht einzuschieben (45.). Das Gegentor fiel zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, war angesichts der Überlegenheit der Gastgeber zur Pause nicht unverdient.
Die Wölfe im Rückstand, aber nicht lange! Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff fiel das 1:1. Vorausgegangen war dem Ausgleich ein Fehlpass von Engelhardt, den Menseguez nutzte, um Hans Sarpei am rechten Flügel zu bedienen. Der Ghanaer passte in die Mitte, wo Klimowicz sich gegen seinen Bewacher Ingo Hertzsch durchsetzte und mustergültig einschob (47.). Jetzt setzten die Wölfe nach und hätten durch Klimowicz zwei Minuten später sogar in Führung gehen können. Doch der neunte Saisontreffer blieb dem Argentinier verwehrt, als er freistehend aus sieben Metern Lauterns Keeper Jürgen Macho anschoss (49.).
Hanke trifft wieder, Thiam vergibt Entscheidung
Fünf Minuten später wurden die Wölfe für ihre aggressive und willensstarke Leistung belohnt: Wie beim Ausgleichstreffer ging's über die rechte Seite, wieder war Sarpei beteiligt. Diesmal erhielt aber Menseguez den Scorerpunkt. Statt zu flanken, drang er in den Strafraum ein und legte klug zu Hanke zurück, der sich bei seinem Mitspieler mit dem 2:1 bedankte und damit auch seine lange Torflaute beendete (54.). Ein Sieg lag in der Luft, doch noch gaben sich die Hausherren nicht geschlagen. Ervin Skela hatte die nächste Chance, fand aber im überragenden Jentzsch seinen Meister (59.).
Kurz darauf hatte Wolfsburg - besser gesagt Thiam - die Entscheidung auf dem Fuß, doch der Kapitän konnte die gegnerische Abwehr aus fünf Metern nicht überwinden. Aus einer Riesenchance entwickelte sich ein gefährlicher Konter - und der Ausgleich. Skela hatte sich umgehend den Ball geschnappt und zu Altintop weitergeleitet. Weil Sarpei und Bojan Neziri den FCK-Torjäger nicht angriffen, konnte Altintop aus 20 Metern abziehen und in die linke untere Ecke zielen - 2:2, Jentzsch machtlos (61.). Die Partie stand auf Messers Schneide, erst die Auswechslungen von Sarpei, für den Miroslav Karhan kam (70.) und Mikic, den Daniel Halfar ersetzte (70.), brachten etwas Ruhe in eine teilweise auch hitzige Begegnung. Bevor es in die Schlussviertelstunde ging, konnten sich beide Torhüter noch einmal mit einer Parade auszeichnen - Hanke (71.) und Halfar (73.) hatten abgezogen.
Unglücksrabe Quiroga
Zehn Minuten vor dem Ende spielte die VfL-Innenverteidigung die Hauptrolle. Während Kevin Hofland seine fünfte Gelbe Karte sah und zum Auftakt der Rückrunde zuschauen muss, tauschte Fach den angeschlagenen Maik Franz aus. Facundo Quiroga kam in die Partie und wurde vier Minuten später zum großen Pechvogel: Vor dem eigenen Strafraum hatte Halfar den verunglückten Klärungsversuch des Argentiniers abgeblockt, der Ball kam zu Altintop, der es sich nicht nehmen ließ, mit seinem dritten Treffer die Gäste erneut in Rückstand zu bringen (83.). 2:3 - erneut ein später Gegentreffer für die Wölfe. Beinahe hätte der VfL drei Minuten später noch das 2:4 hinnehmen müssen, doch Jentzsch machte sich bei Sanogos Schuss lang und länger und fischte den Ball mit einer sensationellen Parade aus dem Tor. Es war die letzte Chance einer spannenden und abwechslungsreichen Partie mit unglücklichem Ende für die Gäste.
Der VfL Wolfsburg hat sich aufgrund von individuellen Fehlern um wichtige Zähler gebracht. Gegen aufopferungsvoll kämpfende Lauterer wäre ein Sieg durchaus möglich gewesen, stattdessen gehen die Grün-Weißen mit einem Negativerlebnis in die Winterpause. Aus der die Wölfe hoffentlich gestärkt zurückkehren und sich in der Rückrunde steigern. Auf jeden Fall wartet in der Vorbereitung auf das erste Spiel im neuen Jahr bei Borussia Dortmund am 28./29. Januar 2006 jede Menge Arbeit.
Das Spiel im Stenogramm:
1. FC Kaiserslautern: Macho - Hertzsch, Pletsch, Schönheim, Bellinghausen - Lembi - Skela, Engelhardt - Mikic (70. Halfar) - Altintop (90. Riedl), Sanogo
VfL Wolfsburg: Jentzsch - Sarpei (70. Karhan), Franz (79. Quiroga), Hofland, Neziri (76. Van der Heyden) - Thiam - Menseguez, Tskitishvili - D'Alessandro - Hanke, Klimowicz
Tore: 1:0 Altintop (45.), 1:1 Klimowicz (47.), 1:2 Hanke (54.), 2:2 Altintop (61.), 3:2 Altintop (83.)
Zuschauer: 23.244
Schiedsrichter: Wagner
Gelbe Karten: Mikic, Pletsch/Menseguez, D'Alessandro, Hofland, Van der Heyden
Gelb-Rote Karten: -/-
Rote Karten: -/-
Quelle :
www.vfl-wolfsburg.de