Die Maßnahmen von Wolf greifen nicht1 Kicker vom 28.11.05
Im ersten Moment nach dem erlösenden Schlusspfiff gingen die Verlierer auf Distanz. Marco Engelhardt streifte sich das Siegertrikot seines Hannoveraner Kollegen Per Mertesacker über. Not-Abwehrchef Ervin Skela suchte das Gespräch mit dem Trainer - des Gegners, Peter Neururer. Rette sich wer kann bei den "Roten Teufeln"?
Schleicht nach der 1:5-Packung bie 96 niedergeschlagen vom Platz: Halil Altintop.
Das Bild täuschte. Ans Weglaufen denkt (noch) keiner auf dem Betzenberg. "Unsere Situation ist dramatisch, aber nicht unlösbar. Der Klassenerhalt ist noch machbar." Kapitän Marco Engelhardt hält nichts davon, sich schon jetzt zu ergeben, vorzeitig das Pfälzer Buch zuzumachen im Kampf um die Bundesliga.
Wie aber rauskommen aus der Dauerkrise, die nun schon elf Spiele ohne Sieg anhält? Nach der Niederlage gegen Nürnberg, Trainer Michael Henkes Rauswurf und Klubchef René C. Jäggis Rücktritt glaubte sich das Schlusslicht am Tiefpunkt. Hannover aber zeigte: Es geht noch weiter abwärts mit dem FCK. Fest steht: Auch der neue Trainer Wolfgang Wolf kann als großer Hoffnungsträger keine Wunder vollbringen.
Wolfs erste Maßnahmen griffen nicht. Mihail Mikic zu vertrauen, zahlte sich nicht aus. Auch der Schachzug, Spielgestalter Ervin Skela die ungewohnte Rolle eines Deckungsorganisators zu übertragen, konnte die Gegentorflut nicht eindämmen. Ein Experiment, dass Engelhardt trotz fünf zugelassener Treffer nicht als gescheitert ansieht: "Ervin kann das mit seinem Auge, spielerischen Geschick sicherlich spielen. Wenn er sich auf seine Vorderleute verlassen kann!" Die allerdings ließen den Albaner immer wieder im Stich. "Wir haben vier Gegentore durch Standards kassiert. Da haben wir jedesmal gepennt. Wir können uns vornehmen was wir wollen, wenn wir durch derart spielentscheidende Fehler so früh so deutlich in Rückstand geraten." Engelhardt bedauerte das Versagen, in das er sich mit einschloss.
Der völlig verunsicherten Elf fehlt es an Selbstvertrauen, an Konzentration, in Zweikämpfen an Entschlossenheit, Durchsetzungswillen. Hier will Wolf ansetzen. Auch deshalb geht es ab Dienstag ins Trainingslager nach Marburg. Der Henke-Nachfolger will seine gehemmten Spieler daheim aus der Schusslinie nehmen, sie besser kennenlernen. Herausfinden, wer bereit ist, für den FCK alles zu geben. Wer den Eindruck vermittelt, nur halbherzig bei der Sache zu sein, kann vorzeitig gehen. Spätestens am Saisonende steht ohnehin ein Großreinemachen an, laufen elf Verträge (Ernst, Macho, Henn, Wenzel, Mikic, Riedl, Seitz, Sforza, Altintop, Göktan, Zandi) aus. Eigentlich keine gute Basis für die Wende im Abstiegskampf.