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Kaiserslautern: Christian Nerlinger möchte nach seinem Ausstieg nur nach vorne schauen - 10.01.2006 12:15
"Wahnsinnige Bitterkeit"
Weil der Körpert nicht mehr mitspielte, beendete der 32-jährige Ex-Nationalspieler seine Karriere. Der zweimalige deutsche Meister, der mit den Glasgow Rangers auch den nationalen Titel in Schottland gewann, blickt im Interview auf eine bewegte Laufbahn zurück, die nun ein bitteres Ende nahm.

kicker: Herr Nerlinger, was war Ihr schönster Sieg?
Christian Nerlinger: 1996 das UEFACup-Halbfinale mit dem FC Bayern, das wir in Barcelona 2:1 gewonnen haben. Es war ein tolles Spiel und die Atmosphäre vor 110 000 Zuschauern war einmalig.
kicker: Ihre bitterste Niederlage?
Nerlinger: Das erste Spiel mit dem 1. FC Kaiserslautern. Vor anderthalb Jahren gegen den 1. FC Nürnberg hatten wir uns sehr viel vorgenommen, dann aber 1:3 verloren. Damit begann eine Phase, in der es wirklich sehr schwierig wurde.
kicker: Wer war Ihr bester Trainer?
Nerlinger: Giovanni Trapattoni. Weil wir ein außergewöhnliches Verhältnis hatten, er sich auch sehr individuell mit den Spielern beschäftigt hat und einen wirklich voranbringen konnte. Ich habe bei Bayern drei Jahre unter ihm trainiert. Danach ist der Kontakt abgerissen.
kicker: Wer war Ihr schwierigster Trainer?
Nerlinger: Da hat es auch den ein oder anderen gegeben, aber die Namen möchte ich lieber für mich behalten.
kicker: Wer war Ihr sensationellster Mitspieler?
Nerlinger: Zu meiner Zeit bei Bayern und in Dortmund hatte ich das Glück, mit einer ganzen Reihe von außergewöhnlichen Fußballern zusammenspielen zu dürfen. Lothar Matthäus ist als absoluter Weltstar gekommen. Obwohl ich damals noch ein halber Amateur war, ist er sehr offen mit mir umgegangen, hat viel mit mir geredet. Über Lothar Matthäus wird viel diskutiert, aber für mich war er fußballerisch und menschlich immer ein großes Vorbild. Persönlichkeiten waren für mich aber auch die anderen Spieler aus der Weltmeistermannschaft von 1990, die bei der Borussia spielten, wie Andreas Möller, Icke Häßler und Jürgen Kohler.
kicker: Was war Ihr tollster Verein?
Nerlinger: Bayern München hebt sich ein bisschen ab. Auch weil die Zeit für mich dort sehr gut, ich nie verletzt war. Andererseits musste ich mit den Gefühlen kämpfen, als ich mit der Borussia das erste Mal ins Westfalenstadion eingelaufen bin. Auch wenn der schottische Fußball in Deutschland nicht so wahrgenommen wird: Glasgow Rangers war ebenfalls eine absolut außergewöhnliche Erfahrung. Die Reputation der Rangers ist unglaublich. In Nordamerika sind zu einem Freundschaftsspiel 52 000 Zuschauer gekommen, zum einzigen öffentlichen Training in der Saison in Glasgow 35 000.
kicker: Wo haben Sie am seltensten gespielt?
Nerlinger: In der Nationalelf. Gerade als ich den Sprung geschafft hatte, es war als wir uns unter Erich Ribbeck für die EM qualifiziert hatten, kam 1999 nach nur sechs Spielen der Kreuzbandriss dazwischen. Nachdem ich wieder fit war, habe ich mich für Schottland und die Glasgow Rangers entschieden – es war mir klar, dass es dadurch mit der Nationalmannschaftskarriere sehr schwierig wird.
kicker: Teilen Sie die Kritik, dass Bundesligaspieler heute voreilig für die Nationalelf nominiert werden?
Nerlinger: Es ist alles viel schnelllebiger geworden. Wenn man sieht, dass bis zur Winterpause acht Trainer entlassen wurden, dann ist das ein Wahnsinn. Insofern kann auch ein Spieler nach ein paar guten Leistungen fürs Nationalteam nominiert werden. So ist es halt heutzutage.
kicker: Was war Ihre bitterste Erkenntnis?
Nerlinger: Die hat mit meinen Verletzungssorgen zu tun. Wenn man will, aber nicht kann oder darf, wenn einen der Körper zurückhält, was in den vergangenen Jahren leider des Öfteren der Fall war, da kommt eine wahnsinnige Bitterkeit auf.
kicker: Ihr größter Wunsch für die Zukunft?
Nerlinger: Ich bin ein ehrgeiziger Typ. Ich will zunächst einmal alles ein wenig sacken lassen, den Umzug von Kaiserslautern nach München managen, danach zusehen, dass ich beruflich weiterhin Erfolg habe. Ob das in der Nähe des Fußballs sein wird, weiß ich nicht. Aber ich will mir etwas Neues aufbauen und mit voller Energie rangehen und nicht mein ganzes Leben damit verbringen, auf eine tolle Karriere zurückzublicken.
kicker: Welche Hoffnung verknüpfen Sie mit dem 1. FCK?
Nerlinger: Ganz klar, dass der Klassenerhalt gelingt. Wenn der Start erfolgreich verläuft, bin ich sehr optimistisch. Aus den Spielen gegen Schalke, Duisburg und Köln wird man entscheidende Erkenntnisse gewinnen können. Wirtschaftlich hat Herr Jäggi gute Arbeit geleistet, es wird ein toller Sommer mit WM-Spielen im Fritz-Walter-Stadion. Wenn die Klasse erhalten wird, schaut die Zukunft für den 1. FCK sehr, sehr positiv aus.
kicker: Was erwarten Sie bei der WM von der deutschen Nationalelf?
Nerlinger: Die Arbeit von Jürgen Klinsmann und Oliver Bierhoff finde ich sensationell. Auch wie sie die DFB-Elf nach außen vertreten. Sie gehen sicher nicht den einfachsten Weg, ich hoffe, dass er auch belohnt wird. Ich glaube, dass wir eine Super-Mannschaft haben. Allerdings ist die Belastung für die Führungsspieler durch Champions League, DFB-Pokal und Bundesliga zu hoch. Wenn aber eine gute Vorbereitung stattfindet und alle ihre Leistung abrufen können, bin ich zuversichtlich. Wir haben die Substanz Weltmeister werden zu können.
Interview: Michael Ebert
www.kicker.de
"Wahnsinnige Bitterkeit"
Weil der Körpert nicht mehr mitspielte, beendete der 32-jährige Ex-Nationalspieler seine Karriere. Der zweimalige deutsche Meister, der mit den Glasgow Rangers auch den nationalen Titel in Schottland gewann, blickt im Interview auf eine bewegte Laufbahn zurück, die nun ein bitteres Ende nahm.
kicker: Herr Nerlinger, was war Ihr schönster Sieg?
Christian Nerlinger: 1996 das UEFACup-Halbfinale mit dem FC Bayern, das wir in Barcelona 2:1 gewonnen haben. Es war ein tolles Spiel und die Atmosphäre vor 110 000 Zuschauern war einmalig.
kicker: Ihre bitterste Niederlage?
Nerlinger: Das erste Spiel mit dem 1. FC Kaiserslautern. Vor anderthalb Jahren gegen den 1. FC Nürnberg hatten wir uns sehr viel vorgenommen, dann aber 1:3 verloren. Damit begann eine Phase, in der es wirklich sehr schwierig wurde.
kicker: Wer war Ihr bester Trainer?
Nerlinger: Giovanni Trapattoni. Weil wir ein außergewöhnliches Verhältnis hatten, er sich auch sehr individuell mit den Spielern beschäftigt hat und einen wirklich voranbringen konnte. Ich habe bei Bayern drei Jahre unter ihm trainiert. Danach ist der Kontakt abgerissen.
kicker: Wer war Ihr schwierigster Trainer?
Nerlinger: Da hat es auch den ein oder anderen gegeben, aber die Namen möchte ich lieber für mich behalten.
kicker: Wer war Ihr sensationellster Mitspieler?
Nerlinger: Zu meiner Zeit bei Bayern und in Dortmund hatte ich das Glück, mit einer ganzen Reihe von außergewöhnlichen Fußballern zusammenspielen zu dürfen. Lothar Matthäus ist als absoluter Weltstar gekommen. Obwohl ich damals noch ein halber Amateur war, ist er sehr offen mit mir umgegangen, hat viel mit mir geredet. Über Lothar Matthäus wird viel diskutiert, aber für mich war er fußballerisch und menschlich immer ein großes Vorbild. Persönlichkeiten waren für mich aber auch die anderen Spieler aus der Weltmeistermannschaft von 1990, die bei der Borussia spielten, wie Andreas Möller, Icke Häßler und Jürgen Kohler.
kicker: Was war Ihr tollster Verein?
Nerlinger: Bayern München hebt sich ein bisschen ab. Auch weil die Zeit für mich dort sehr gut, ich nie verletzt war. Andererseits musste ich mit den Gefühlen kämpfen, als ich mit der Borussia das erste Mal ins Westfalenstadion eingelaufen bin. Auch wenn der schottische Fußball in Deutschland nicht so wahrgenommen wird: Glasgow Rangers war ebenfalls eine absolut außergewöhnliche Erfahrung. Die Reputation der Rangers ist unglaublich. In Nordamerika sind zu einem Freundschaftsspiel 52 000 Zuschauer gekommen, zum einzigen öffentlichen Training in der Saison in Glasgow 35 000.
kicker: Wo haben Sie am seltensten gespielt?
Nerlinger: In der Nationalelf. Gerade als ich den Sprung geschafft hatte, es war als wir uns unter Erich Ribbeck für die EM qualifiziert hatten, kam 1999 nach nur sechs Spielen der Kreuzbandriss dazwischen. Nachdem ich wieder fit war, habe ich mich für Schottland und die Glasgow Rangers entschieden – es war mir klar, dass es dadurch mit der Nationalmannschaftskarriere sehr schwierig wird.
kicker: Teilen Sie die Kritik, dass Bundesligaspieler heute voreilig für die Nationalelf nominiert werden?
Nerlinger: Es ist alles viel schnelllebiger geworden. Wenn man sieht, dass bis zur Winterpause acht Trainer entlassen wurden, dann ist das ein Wahnsinn. Insofern kann auch ein Spieler nach ein paar guten Leistungen fürs Nationalteam nominiert werden. So ist es halt heutzutage.
kicker: Was war Ihre bitterste Erkenntnis?
Nerlinger: Die hat mit meinen Verletzungssorgen zu tun. Wenn man will, aber nicht kann oder darf, wenn einen der Körper zurückhält, was in den vergangenen Jahren leider des Öfteren der Fall war, da kommt eine wahnsinnige Bitterkeit auf.
kicker: Ihr größter Wunsch für die Zukunft?
Nerlinger: Ich bin ein ehrgeiziger Typ. Ich will zunächst einmal alles ein wenig sacken lassen, den Umzug von Kaiserslautern nach München managen, danach zusehen, dass ich beruflich weiterhin Erfolg habe. Ob das in der Nähe des Fußballs sein wird, weiß ich nicht. Aber ich will mir etwas Neues aufbauen und mit voller Energie rangehen und nicht mein ganzes Leben damit verbringen, auf eine tolle Karriere zurückzublicken.
kicker: Welche Hoffnung verknüpfen Sie mit dem 1. FCK?
Nerlinger: Ganz klar, dass der Klassenerhalt gelingt. Wenn der Start erfolgreich verläuft, bin ich sehr optimistisch. Aus den Spielen gegen Schalke, Duisburg und Köln wird man entscheidende Erkenntnisse gewinnen können. Wirtschaftlich hat Herr Jäggi gute Arbeit geleistet, es wird ein toller Sommer mit WM-Spielen im Fritz-Walter-Stadion. Wenn die Klasse erhalten wird, schaut die Zukunft für den 1. FCK sehr, sehr positiv aus.
kicker: Was erwarten Sie bei der WM von der deutschen Nationalelf?
Nerlinger: Die Arbeit von Jürgen Klinsmann und Oliver Bierhoff finde ich sensationell. Auch wie sie die DFB-Elf nach außen vertreten. Sie gehen sicher nicht den einfachsten Weg, ich hoffe, dass er auch belohnt wird. Ich glaube, dass wir eine Super-Mannschaft haben. Allerdings ist die Belastung für die Führungsspieler durch Champions League, DFB-Pokal und Bundesliga zu hoch. Wenn aber eine gute Vorbereitung stattfindet und alle ihre Leistung abrufen können, bin ich zuversichtlich. Wir haben die Substanz Weltmeister werden zu können.
Interview: Michael Ebert
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