"Wolfsburg hat mehr zu verlieren"
München - Noch ein Tag bis zum finalen Showdown: Wenn in der Volkswagenarena am letzten Spieltag der VfL Wolfsburg den 1. FC Kaiserslautern empfängt, geht es um alles.
Der Sieger bleibt in der Beletage des deutschen Fußballs, dem Verlierer droht der bittere Gang in die Zweitklassigkeit.
Bei einem Remis müsste der FCK die Pille "Zweite Liga" schlucken, der VfL wäre dank des Ein-Punkt-Vorsprungs gerettet.
Im Gespräch mit Sport1.de spricht Kaiserslauterns Trainer Wolfgang Wolf über die Chancen seiner "Teufel" im Abstiegsfinale, seine emotionalen Bindungen an seinen Ex-Klub Wolfsburg und erklärt, warum er nur noch SMS schreibt.
Sport1: Wie geht es Ihnen so kurz vor dem "Endspiel"? Sind Sie sehr nervös?
Wolfgang Wolf: Es gibt keinen Grund, nervös zu sein. Wir waren seit Monaten in der Situation, dass wir eigentlich keine Chance mehr auf ein Finale in Wolfsburg hatten. Die Situation war viel schwieriger als heute. Von daher sind wir völlig gelöst. Die Nervosität wird bei mir wahrscheinlich erst im Lauf des Spiels kommen.
Sport1: Die Lockerheit sieht man auch in der Spielweise Ihrer Mannschaft…
Wolf: Das ist klar. Indem wir die nötigen Ergebnisse erzielt haben, fanden wir in der letzten Zeit immer besser zueinander. Zumal sich die jungen Spieler taktisch sehr gut angepasst haben. Deshalb fahren wir mit viel Selbstvertrauen nach Wolfsburg.
Sport1: Dementsprechend sind Sie vom Klassenerhalt überzeugt?
Wolf: Wir wissen natürlich, dass der VfL dank des einem Punktes im Vorteil ist, aber das werden wir durch unwahrscheinlichem Siegeswillen, Moral und Zuversicht ausgleichen. Ich bin sehr optimistisch, denn wir können aus eigener Kraft in der Bundesliga bleiben.
Sport1: Was geben Sie Ihrer Mannschaft mit auf den Weg?
Wolf: Ich habe meinem Team gesagt, dass wir nach Wolfsburg zu einem Pokalspiel fahren. Mit der Ausnahme, dass wir nicht Richtung Berlin wollen, sondern schon in Wolfsburg Halt machen. Wir haben uns diese Position erarbeitet, und darauf sollen die Spieler stolz sein. Sollten wir absteigen, haben wir wenigstens erreicht, dass die FCK-Fans wieder an uns glauben. Und das ist ungemein wichtig für den Verein.
Sport1: Sie arbeiteten lange in Wolfsburg. Ist es das "Worst-case"-Szenario für Sie, ausgerechnet gegen ihren Ex-Klub das Abstiegsfinale zu bestreiten?
Wolf: Es muss wohl so sein. Ich hab in Wolfsburg meine Bundesliga-Trainerkarriere begonnen, habe mit Peter Pander bis hin zum Stadion einiges aufgebaut. Das Schicksal führt einen immer wieder dahin, wo man eine tolle Zeit hatte. Trotz der schönen Erinnerungen werde ich aber natürlich alles daran setzen, um mit dem FCK die Klasse zu halten und Wolfsburg absteigen zu lassen.
Sport1: Bis Samstagabend werden Sie dann alle Emotionen ausblenden, die Sie mit Wolfsburg verbinden?
Wolf: Es ist klar, dass ich keinem von uns beiden den Abstieg wünsche. Aber das ist so und jetzt darf ich nicht mehr an die vielen Freunde denken, die ich in Wolfsburg noch habe. Mit ihnen werde ich in dieser Woche auch nur noch smsen und nicht mehr telefonieren, damit ich nicht abgelenkt werde. Sie drücken mir natürlich auch nicht mehr die Daumen (lacht). Das ging sogar so weit, dass sie am letzten Spieltag die Bayern statt den FCK angefeuert haben.
Sport1: Sie kennen sich in beiden Städten sehr gut aus. Welche Auswirkungen hätte der Abstieg für beide Vereine?
Wolf: Ich sehe da gravierende Unterschiede, allein schon vom Sponsor her. Der VfL plant bei einem Abstieg mit einem Zweitliga-Etat, der höher ist als unser Erstliga-Etat. Wolfsburg wird viel weicher fallen als wir.
Sport1: Würden Sie den Satz unterschreiben, dass der FCK nach den zuletzt gezeigten Leistungen favorisiert ins Spiel geht?
Wolf: Nein. Unabhängig davon, dass Wolfsburg nur ein Unentschieden braucht und zuhause spielt, hat der VfL die deutlich routiniertere Mannschaft und ist in der Breite wesentlich besser besetzt. Für uns spricht hingegen die Unbekümmertheit. Wir haben keine Angst, Wolfsburg hat sehr viel mehr zu verlieren.
Sport1: Wie sehr beschäftigen Sie sich schon mit der Zweiten Liga?
Wolf: Wir denken natürlich schon über den Abstieg nach. Es hätte ja schon am letzten Spieltag so weit sein können. Daher planen wir seit Wochen zweigleisig, sonst wäre es fahrlässig.
Sport1: Ist es ein Vorteil, dass Ihre Mannschaft aus Youngstern besteht, die sich mit der Region identifizieren, wohingegen beim VfL eine Ansammlung von Legionären spielt?
Wolf: Die Söldner-Mentalität wurde uns vor einigen Wochen auch noch vorgeworfen. Bei uns ist dank der jungen Eingewächse die Stimmung gekippt. Und auch wenn beim VfL viele Legionäre spielen, bin ich dennoch 100 Prozent sicher, dass jeder Wolfsburger am Samstag alles geben wird.
Das Gespräch führte Haruka Gruber
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