„Endspiel“ in Wolfsburg – FCK braucht am Samstag Sieg für Klassenerhalt
12.05.2006 FCK-Trainer Wolfgang Wolf
Es ist ganz zweifellos eines der wichtigsten Spiele der Verein-Geschichte: An diesem Samstag (15.30 Uhr, live bei Premiere) tritt der 1. FC Kaiserslautern zum entscheidenden Spiel um den Bundesliga-Klassenerhalt beim VfL Wolfsburg an. Und die Ausgangsposition ist klar: Die „Roten Teufel“ benötigen unbedingt einen Sieg, um die derzeit noch um einen Punkt besser da stehenden Niedersachsen zu überflügeln und diese zum dritten Absteiger neben dem 1. FC Köln und dem MSV Duisburg zu machen.
Viel ist in den letzten Tagen darüber diskutiert worden, welche Mannschaft in diesem „Endspiel“ mehr unter Druck steht. Zurecht wird beim FCK darauf hingewiesen, dass dem Team von Trainer Wolfgang Wolf kaum jemand mehr eine Chance gegeben hatte, als bei Saison-Halbzeit gerade mal zwölf Punkte auf der Haben-Seite standen und während der Rückrunde auch ein bemerkenswerter Zwischenspurt nicht dafür sorgen konnte, dass auf Dauer ein Platz über dem ominösen Strich erreicht wurde.
„Eigentlich hat uns das doch niemand mehr wirklich zugetraut“, sagt Kapitän Marco Engelhardt, „deshalb sind wir sehr froh, dass wir diese Chance noch einmal haben und vor allem, dass wir dieses Mal das Ziel aus eigener Kraft erreichen können.“
Engelhardts Aussage ist geradezu typisch für das Auftreten des FCK in den Tagen vor dem „Spiel der Spiele“. Sehr konzentriert bereitet sich der 18 Akteure umfassende Kader in Marburg vor, wo das „Vila Vita Hotel Rosenpark“ aus der Unternehmensgruppe von FCK-Hauptsponsor Deutsche Vermögensberatung ideale Bedingungen bietet. Andererseits herrschte bis zur Weiterreise am Freitagmittag per Mannschafts-Bus in Richtung Wolfsburg eine recht gelöste Stimmung im Team.
„Ob es jemand glaubt oder nicht: Wir fahren ganz unaufgeregt nach Wolfsburg“, äußert Trainer Wolf, „diese Lockerheit haben wir uns erarbeitet. Wir haben eine tolle Moral und Leidenschaft. Und wir haben uns einhundert Prozent Unterstützung von unseren Fans erarbeitet. Hier sind wir schon ein Stück weiter als vor ein paar Wochen. In kürzester Zeit hat die Mannschaft wieder einen Funken Hoffnung versprüht.“
Diese wieder vollzogene Annäherung zwischen der FCK-Familie und Team ist in der entscheidenden Saison-Phase deutlich spürbar. In der Wolfsburger „Volkswagen-Arena“ werden Fans des Traditions-Klubs über die Zahl der offiziell 4.116 Käufer von Tickets aus dem Gäste-Kontingent erwartet. Mehrere tausend Zuschauer werden zudem bei der Live-Übertragung des Premiere-Programms auf einer Großbild-Leinwand auf dem Stiftsplatz in Kaiserslauterns Mitte erwartet.
Für Trainer Wolf bedeutet die Reise nach Wolfsburg gleichzeitig die Rückkehr an seinen früheren Arbeitsplatz, wo er noch viele Sympathien genießt und auf Freunde treffen wird. „Mit Wolfsburg und später auch mit Nürnberg hatte ich auch schon solche Hopp-oder-Top-Spiele, bei denen es allerdings um meine Person als Trainer ging“, sagt der 48-Jährige, „aber natürlich ist das ein Spiel mit einem höheren Stellenwert, ein Spiel auf Messers Schneide. Mit einem Schlag könnten wir eine Saison vergessen machen, die aus Sicht des 1. FCK doch katastrophal verlaufen ist.“
Bei allem Selbstvertrauen, dass seine gesamte Mannschaft und jeder einzelne Spieler in den letzten Wochen getankt haben dürfte, lässt Wolf eins nicht gelten: „Wenn ich höre, dass wir Favorit sein sollen, ist das ein Witz. Wir haben die schlechtere Ausgangsposition, Wolfsburg ein Heimspiel. Wolfsburg gehört von der personellen Zusammensetzung unter die ersten sechs Mannschaften der Bundesliga. Wir sind froh, dass es für uns zum Saisonschluss nicht nur einen Betriebsausflug gibt. Die Zuversicht ist da. Aber wir wissen das richtig einzuordnen. Ich sehe die Chancen weiter bei 50:50. Wir kommen mit Herz und fahren nicht mit Angst dorthin.“
Dem stimmt auch Halil Altintop zu. Vor seinem Wechsel zum FC Schalke 04 möchte der mit 19 Treffern erfolgreichste FCK-Stürmer unbedingt den Klassenerhalt schaffen. „Das ist das einzige Ziel und nicht, ob ich mit Toren dazu beitragen kann“, sagt der 23-Jährige, „ich habe dem Verein viel zu verdanken. Und es wäre doch das Schönste, wenn ich in der nächsten Saison mit meinem neuen Verein zurück zum Betzenberg kommen kann und dort dann mit offenen Armen empfangen werde.“
Statistik: Hinspiel 3:2 für den FCK. Letzte Saison 2:1 für Wolfsburg. Der VfL gewann sieben der bisherigen acht Heimspiele gegen Kaiserslautern (Ausnahme 2002/03: 2:2) und erzielte in jedem Spiel mindestens zwei Tore. Bilanz: 7 VfL-Siege – 1 Remis – 0 FCK-Erfolge, 21:8 Tore. Gesamtbilanz: 7 Wolfsburger Erfolge – 6 Unentschieden – 6 Lauterer Siege