Rostock: Keine Magath-Rolle für Pagelsdorf
Ultimatum: Studer vor dem Aus
"Die Kogge ist zurück", heißt es auf den schmucken blauen T-Shirts, die nach dem 3:1 gegen Unterhaching tausendfach Abnehmer bei glückseligen Fans fanden. Dreieinhalb Wochen später ist in Rostock die Stimmung dramatisch umgeschlagen: Von Aufstiegs-Euphorie keine Spur mehr, stattdessen macht sich Endzeit-Atmosphäre breit beim Traditionsklub von der Ostsee, der zerrissen wird von labilen Machtverhältnissen, von einem irreparablen Zerwürfnis zwischen Trainer Frank Pagelsdorf und Manager Stefan Studer, von gegenseitigen Schuldzuweisungen und vom Geldmangel.
Es herrscht Stillstand auf allen Ebenen: Bei der Suche nach einem Hauptsponsor, nach einem Namensgeber für das Ostseestadion, vor allem beim Ringen um neues Personal. Das Tauziehen um Junioren-Nationalverteidiger Daniel Schulz von Union Berlin haben die Rostocker verloren, weil sie die in einer Ausstiegsklausel festgeschriebenen Bedingungen nicht erfüllen wollten. "Das Thema ist vom Tisch", erklärt Union-Manager Christian Beeck. Geradezu aberwitzig stellen sich die Bemühungen um Mathieu Beda dar. Mit dem Kapitän des 1. FC Kaiserslautern und dem Verein war sich Studer nach eigener Darstellung weitgehend einig bezüglich der Wechselmodalitäten. Doch Pagelsdorf legte sein Veto ein gegen die Verpflichtung des Verteidigers zu den ausgehandelten Bedingungen, obwohl Beda nach Studers Angaben "weit oben" auf der Wunschliste des Trainers stand. Auch im Fall Mathias Abel gibt es kein Fortkommen, außer dass Studer am Mittwoch bei Schalke das Ausleih-Interesse untermauerte.
Zweieinhalb Wochen vor dem Trainingsbeginn steht Pagelsdorf deshalb ohne konkurrenzfähige Mannschaft und mit schwindenden Perspektiven da. Der Trainer wirft deshalb dem Manager vor, er habe sich viel zu spät um den Aufbau des Kaders gekümmert. Man habe es versäumt, Spieler aus den eigenen Reihen frühzeitig und langfristig an den Verein zu binden. So hätte Gledsons Weggang nach Stuttgart verhindert werden können. Man hätte außerdem früher auf dem Transfermarkt aktiv werden müssen. Studer wehrt sich gegen die Vorwürfe. Seine Argumente: Die Ungewissheit wegen des bis zum letzten Spieltag fraglichen Aufstiegs sowie die Tatsache, dass ihm angesichts der Verbindlichkeiten von aktuell neun Millionen Euro die Hände gebunden sind.
Höchste Alarmstufe herrscht inzwischen beim Aufsichtsrat. Hatte das Kontrollgremium bislang den 30. Juni als Stichtag für die Transferbilanz gesetzt, so verkürzte jetzt Aufsichtsrats-Chef Professor Horst Klinkmann das Ultimatum: "Die Herren müssen in die Puschen kommen. Ich möchte bis zum Wochenende Ergebnisse sehen." Ungeachtet dessen reift im Kontrollgremium offenbar die Erkenntnis, dass einschneidende personelle Veränderungen die Voraussetzung für einen Neuanfang sind. Das bedeutet: Studer steht nach kicker-Informationen vor dem Aus als Manager, möglicherweise wird er intern ersetzt durch Hansa-Ikone Juri Schlünz, derzeit verantwortlich für den Nachwuchsbereich. Ein Modell wie beim VfL Wolfsburg, wo Felix Magath als Trainer und Sportdirektor in Personalunion der Geschäftsführung angehört, wird es für Frank Pagelsdorf jedenfalls nicht geben. Klinkmann: "Davon halte ich nichts."
Kicker, 14.06.2007