Hier ein Interview unseres Kapitäns -
what a man!
"Ich bin nicht der tollste Fußballer, aber..."
...FCK-Kapitän Axel Bellinghausen reißt die Kollegen mit im Abstiegskampf und erzielt dabei noch die wichtigen Tore
Vom 01.05.2008
Axel Bellinghausen ist Kapitän des 1. FC Kaiserslautern. Ein nimmermüder Kämpfer mit technischen Defiziten, über die der 24-Jährige scherzhaft sprechen kann. Bellinghausens vier Saisontreffer waren alle von großer Bedeutung für die Pfälzer. Vor dem Derby sprach die AZ mit dem Mittelfeldmann.
Herr Bellinghausen, Sie spielten von 1998 bis 2005 bei Fortuna Düsseldorf, sind also erst drei Jahre in der Pfalz. Wie viel ´Lautrer Herzblut´ ist denn schon in Ihnen drin?
Bellinghausen: Eine ganze Menge. Die Mentalität der Leute hier passt zu meiner. Natürlich auch die der Fans. Wir sind kämpferisch.
Wie viel bedeuten Ihnen Fans?
Bellinghausen: Oh, sehr viel. Ich wollte schon immer vor vielen Zuschauern spielen. Das macht den besonderen Reiz am Fußball aus. Und durch unsere Kampagne mit dem Lautrer Herzblut sind das Team und die Anhänger noch enger zusammengerückt. Das tut allen Beteiligten gut.
Aber Fans können auch grausam sein, wie Sie am 4. April feststellen durften. Da ordnete Trainer Milan Sasic nach der 0:2-Pleite gegen 1899 Hoffenheim den kollektiven Gang zum tobenden Mob an. Spaß hat das bestimmt nicht gemacht.
Bellinghausen: Man erlebt im Fußball viele guten Seiten, aber eben auch schlechte. Es ist das Recht des Fans, Unmut zu äußern. Und wir mussten das Ganze über uns ergehen lassen, weil wir den Karren ja auch in den Dreck gefahren hatten. Aber die Leute, die vor einem Monat total auf uns geschimpft haben, stehen jetzt wieder voll hinter uns, weil sie sehen, dass wir um den Klassenerhalt kämpfen.
Waren die beiden zurückliegenden Siege gegen Augsburg und Aachen auch die besten Saisonpartien?
Bellinghausen: Das will ich so nicht sagen. Wir haben auch vorher schon gute Spiele abgeliefert, aber da stimmten dann mitunter die Ergebnisse nicht. Jetzt waren Fehler dabei, über die man hinweg gehen kann, weil die nötige Einstellung, der nötige Wille da waren, für das Ergebnis zu spielen. Jeder kämpfte für den anderen. Und darauf kommt es an.
Und Sie sind der Mann der wichtigen Tore. Zu Saisonbeginn trafen Sie zum zwischenzeitlichen 1:1 beim 2:2 gegen TuS Koblenz. Dann markierten Sie den 4:3-Siegtreffer gegen den FC St. Pauli. In der Rückrunde sorgten Sie für den ersten Dreier mit dem 1:0 bei der SpVgg Greuther Fürth und nun das zwischenzeitliche 1:1 nach dem Schock der frühen Aachener Führung. Sind Sie von sich selbst überrascht?
Bellinghausen: Ja, ein bisschen schon. Vier Tore, so viel habe ich im Profifußball noch nie in einer Saison erzielt. Natürlich kommt jetzt von mir die Floskel, dass egal ist, wer die Tore schießt, Hauptsache, dass es drei Punkte gibt. Aber ich habe mich schon gefreut, dass ich der Mannschaft so helfen konnte.
Im Magazin "stern" schreibt Journalist Erik Wegener über die "Bellinghausen-Liga". Ein Zitat: "Bellinghausen(...)mag ein netter Kerl sein, er rennt wie verrückt, grätscht nach jedem Schuh, er tut alles für seinen Club. Aber ist es das auch wert, gesehen zu werden? Egal, was Bellinghausen auch macht, es sieht unglücklich aus. Der Junge ist ein bisschen symptomatisch für das, was sich in Aue, Osnabrück und Koblenz abspielt (...) Mittelmäßigkeit, die zum Himmel schreit." Hat der Mann Recht?
Bellinghausen: Das stimmt schon ein Stück weit. Ich habe eine gesunde Selbsteinschätzung. Ich bin nicht der tollste Fußballer auf diesem Planeten. Aber was ich mache, mache ich zu 100 Prozent. Ich stelle mich immer der Verantwortung. Ich tue alles für meine Mannschaft. Ich werde bis an mein Karriereende nicht als Einzelspieler im Rampenlicht stehen. Aber auf der anderen Seite bin ich immer für etwas Kurioses gut. Wie für das Tor gegen die Aachener, wie für eine Spitzenvorlage gegen den SV Wehen Wiesbaden.
Milan Sasic hat Sie zum Kapitän gekürt. Welches Verhältnis haben Sie zum Trainer?
Bellinghausen: Wir reden sehr viel. Es hat mich sehr gefreut, dass er mich zum Kapitän ernannt hat. Das zeigt, dass er mir vertraut.
Am Freitag führen Sie Ihre Kollegen im Mainzer Bruchwegstadion aufs Feld. Befürchten Sie, dass der Druck von außen aufgrund der Konstellation beider Teams im Auf- und Abstiegskampf zu überfrachtet ist, dass die Nerven allen einen Streich spielen könnten?
Bellinghausen: Ich freue mich riesig auf das Derby, weil es irgendwie schön zu einem Saisonendspurt passt. Sicherlich geht es für beide Vereine um extrem viel, aber wir müssen das Ganze nüchtern betrachten. Die Partie entscheidet sich in 90 Minuten auf dem Rasen. Wir müssen einfach so auftreten wie in den letzten Spielen, dann haben wir eine gute Chance, aus Mainz etwas mitzunehmen.
Hat der bis auf weiteres feststehende Punktabzug der Koblenzer, ein plötzlich ebenbürtiger Konkurrent im Abstiegskampf, den FCK vor dem 2:1 gegen die Aachener beflügelt?
Bellinghausen: Wir haben das sicherlich zur Kenntnis genommen. Weil der Punktabzug der Koblenzer zurzeit amtlich ist, in einem Monat aber vielleicht nicht mehr, haben wir die Geschichte nicht an uns rangelassen. Für uns war wichtig,, dass wir nach dem 2:0 gegen den FC Augsburg gesehen haben, dass Offenbach und Osnabrück wieder in Reichweite sind.
Das Gespräch führte
Jens Grützner
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