Noch ein Beitrag der FR (vom 5.10.05) für die wunde Seele:
Amanatidis zum Rapport bestellt
Überflüssige Gelbe Karten und ein rüpelhaftes Auftreten des Stürmers nach dem Schalke-Spiel stoßen Eintracht Frankfurt sauer auf
VON THOMAS KILCHENSTEIN
Am Dienstag war Ioannis Amanatidis nicht laufend unterwegs. Seine Oberschenkel-Zerrung, die er sich am Samstag gegen Schalke zugezogen hatte, hat ein aktives Mitwirken am Trainingsprogramm der Eintracht-Recken gestern nicht möglich gemacht. Es stand Pflege auf dem Programm des bislang noch verhinderten Torjägers.
Und doch war der 23 Jahre alte griechische Fußball-Nationalspieler, der bis dato meilenweit hinter allen Erwartungen hinterherirrt, am Dienstag Gesprächsthema Nummer eins beim Schlusslicht. Dabei ging es weniger um die eher bescheidenen Leistungsnachweise des Angreifers als um sein allgemeines Verhalten. Das, so viel steht fest, hat Eintracht Frankfurt nicht gefallen, hat vor allem dem Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen nicht gefallen: Gestern kündigte Bruchhagen an, zeitnah "Herrn Amanatidis zum Gespräch zu bitten". Bruchhagen sind zwei Dinge bitter aufgestoßen: Einmal, dass sich Amanatidis durch rüpelhaftes Auftreten eine weitere Gelbe Karte eingehandelt hatte, und zweitens, dass er später, beim Nachklapp, seinen Gegenspieler, den Uruguayer Dario Rodriguez, als "Schwuchtel" bezeichnete. An dem Gespräch soll Bruchhagen zufolge auch der Berater des Spielers, Dirk Lips, teilnehmen.
Gebranntes Kind
"Mit seinem Verhalten sind wir nicht einverstanden", sagte Bruchhagen am Dienstag. "Diese Dinge können wir uns nicht erlauben." Der Eintracht-Boss sieht, wohl nicht zu Unrecht, die Außendarstellung des Klubs durch derlei unqualifizierte Äußerungen beschädigt. "Auch wenn er unzufrieden" sei, dürfe sich ein Profi, der ja auch immer die Farben seines Arbeitgebers in der Öffentlichkeit vertrete, so nicht gehen lassen. "Das darf nicht sein." Ob Ioannis Amanatidis noch eine vereinsinterne (Geld-)Strafe erhält, wollte der Vorstandsvorsitzende vor der Unterredung natürlich nicht sagen. Ohnehin fühlt sich der 57-Jährige ein wenig als gebranntes Kind: Erst vor zehn Tagen hatte sich Jermaine Jones danebenbenommen, als er im Spiel gegen Bayern München dem Franzosen Valerien Ismael mit Absicht auf den Arm gestiegen war. Dafür hat das DFB-Sportgericht den Mittelfeldspieler nachträglich für drei Spiele gesperrt - zudem bekam Jones vom Klub eine Geldstrafe aufgebrummt. Schon in dieser Szene war Amanatidis unangenehm aufgefallen, seinerzeit sei er übers halbe Feld gerannt, um dem Schiedsrichter die Meinung zu sagen. Prompt wurde er verwarnt - schon das sei, so Bruchhagen, "ein Scharmützel der unnötigen Art" gewesen.
Bruchhagen weiß natürlich nur zu genau, dass derlei Undiszipliniertheiten die Lage bei Eintracht Frankfurt nicht wesentlich verbessern.Jones fehlt an allen Ecken und Strafräumen, seine Sperre läuft erst nach dem Duisburg-Spiel ab. Im Fall Amanatidis will Bruchhagen den Anfängen wehren. Noch ungern erinnert sich der Chef an die letzte Bundesligasaison, als sich die Eintracht selbst durch Dummheiten entscheidend schwächte. Seinerzeit wurde Spielmacher Ervin Skela wegen Spuckens für vier Wochen aus dem Verkehr gezogen, in der Rückrunde sah Amanatidis wegen Kopfstoßes ebenfalls die Rote Karte und fiel in der heißen Phase des Abstiegskampfes aus. Dies will Bruchhagen in dieser Runde verhindern, denn "es könnte sehr knapp werden".