Die Stürmerkrise, die wir haben, ist sicher nicht dadurch zu lösen, andere Spieler wie Werner, Ziemer, Halfar oder Reinert zu fordern, wenn sie denn fit sind, sondern das Gesamtgefüge muss besser werden. Das Spiel aus dem Mittelfeld nach vorne ist momentan zu fehlerhaft, dazu kommt, dass es die auf dem Platz stehenden Stürmer die Sache erzwingen wollen. Die spielerische Linie ist irgendwo verloren gegangen, wobei ich von der grundsätzlichen Qualität der Spieler schon durchaus überzeugt bin. Nur sieht man in vielen Situationen, dass man sich viel zu oft für die falsche Alternative entscheidet, wenn es um das Offensivspiel geht.
Opara hat alle Fähigkeiten, die einen guten Zweitligastürmer auszeichnen, Physis, Technik, manchmal auch aufblitzende Übersicht wie beim Tor gegen Paderborn, als er Borbely gut freispielte. Das was fehlt ist im Moment das Umsetzen der Fähigkeiten in brauchbare Aktionen nach vorne. Seine Zweikampfführung ist für die dusseligen Schiris in Deutschland noch zu extrem. In jedem anderen Land wäre dieses robuste und körperbetonte Spiel kein Problem, in Deutschland darfst du als Profi deinen Körper nur bedingt einsetzen. Opara befindet sich in einem Lernprozess, er geht etwas ungeschickt in die Zweikämpfe, wobei ungeschickt wohl eher der falsche Ausdruck ist. Er geht mit normaler Härte rein, so leid es mir tut, das sagen zu müssen: das ist in Deutschland leider zu viel des guten. Das Ende vom Lied...jeder zweite Kampf um den Ball wird gegen ihn gepfiffen.
Zudem muss sich Opara auch einfach schneller vom Ball trennen. Er muss direkter spielen, sich nicht immer in Richtung Tor drehen. Er hält den Ball zu lange, auch gegen 2 bis 3 Gegenspieler. Er muss die Situationen auflösen, den Ball laufen lassen, über Bewegung den Ball wieder fordern. Das ist oft genug zu statisch, zu eindimensional. Er kommt schlecht vom Gegenspieler weg, verpasst jeweils den richtigen Moment zum Anspiel, und wenn er dann mal den Ball hat, den richtigen Moment zum Abspiel. Aber alles kein Drama, die Eingewöhnungszeit muss man ihm zugestehen.
Bei Daham fällt meine Kritik leider noch etwas schlechter aus. Ich sehe einen deutlichen Abwärtstrend. Er ist mittlerweile schon über ein halbes Jahr dabei, aber für mich rutscht er fussballerisch immer weiter in den Keller. Er ist zwar viel in Bewegung, aber bei ihm stellt sich wirklich im Bereich Zweikampfverhalten eine Art Lethargie ein. Er spielt für mich ähnlich wie Opara zu kompliziert, zu eigensinnig, und das noch mit einer kaum vorhandenen Körperlichkeit. Damit ist kein Blumentopf zu holen. Und einen Spieler, der im Bereich Robustheit kaum dagegenhält, kann man nicht ins Mittelfeld stellen. Noch dazu, wenn der schwierige Pass dem einfachen Ball oft vorgezogen wird. Daham kann weder zentral noch auf der Aussenbahn seine Defensivaufgaben, die er im Mittelfeld unweigerlich hat, übernehmen. Da muss man einfach verlangen, dass gegen den Ball auch gearbeitet wird.
Sicher fehlt den Spitzen auch ein vernünftiges Anspiel. Beda spielt den Ball viel zu oft lang aus der Abwehr, teilweise auch unbedrängt. Da hat mir Bouzid im Ansatz sogar manchmal besser gefallen. Der Ball ist für die Stürmer nur schwer zu verarbeiten. Man muss aber auch einschränkend hinzufügen, dass im Mittelfeld die Anspielstationen einfach fehlen. Bewegung allein reicht nicht, wenn man sich dahin bewegt, wo kein vernünftiges Anspiel möglich ist, oder die Dynamik nicht reicht. Da finde ich Meissner auch etwas statisch, er spielt zwar sichere und gute Bälle nach direkter Balleroberung, aber er ist, wenn das Spiel von hinten aufgebaut wird, nur selten wirklich anspielbar. Da so gut wie jede Mittelfeldkette im Raum spielt, und nur in Tornähe der Mann direkt genommen wird, brauchen wir gerade auf der zentralen defensiven Mittelfeldposition jemanden, der den Ball verteilen kann. Meissner wie auch Borbely können sich nur schwer lösen, und wenn doch, verhungern sie oft, weil sich daraufhin andere Mitspieler ebenfalls kaum vom Gegner lösen können. Ein Teufelskreis, der sinnvolles Aufbauspiel verhindert. Der Effekt ist dann, dass man an der Mittellinie bei eigenem Spielaufbau bereits Zweikämpfe fahren muss. Naja, kein Wunder, dass Beda den Ball oft lang spielt, denn dieses Risiko geht kein Abwehrspieler gern ein.
Es ist für mich einfach so, dass weder ein Borbely, noch ein Meissner zumindest zum jetzigen Zeitpunkt einen Demai adäquat ersetzen kann. Der Junge war beinahe an jedem Angriff beteiligt vor seiner Verletzung, war zusammen mit Hajnal und auch Reinert im Mittelfeld spielerisch stark genug, gute Aktionen einzuleiten. Das fehlt nun, oder besser: das fehlt noch, denn der Faktor Eingespieltheit, Laufwege kennen, sich richtig verhalten im Spielaufbau, ist keine Sache, die einfach so daherkommt. Das ist mitunter harte Arbeit die dahinter steckt, und das braucht nunmal Zeit, Zeit, Zeit!