KOMMENTAR
Tafelsilber
Von Horst Konzok
Fehlstart in der Zweiten Fußball-Bundesliga, Ebbe in der Kasse und gewaltige Belastungen durch die horrende Stadionmiete von 3,2 Millionen Euro im Jahr: Der 1. FC Kaiserslautern ist vier Tage vor Transferschluss nicht in der Lage, die Personalwünsche seines Trainers zu erfüllen, zumal der FCK mit 22.500 Besuchern beim Trauerspiel gegen Fürth auch noch einen Zuschauereinbruch erlebte. Da mag eine Millionenofferte für ein abwanderungswilliges Talent sehr verführerisch klingen.
Handeln kann der FCK, der Daham und Lexa voreilig zu totem Kapital degradierte, wenn er sein Tafelsilber auf den Markt bringt. Arminia Bielefeld will den hoch talentierten Daniel Halfar und der FCK scheint entgegen der Unverkäuflichkeits-Beteuerungen von Sportdirektor Michael Schjönberg im Juni und Juli nun bereit, dem 19-Jährigen die Freigabe zu erteilen. Fakt ist: Halfar, nach Disziplinlosigkeiten im Privatbereich zur zweiten Mannschaft strafversetzt, gehört zu den größten Talenten, die der deutsche Fußball im Offensivbereich zu bieten hat. Durch Verletzungen hat Halfar ein Jahr seiner traumhaft gestarteten Karriere verloren. Ein Junge seiner Klasse tut - Fitness vorausgesetzt - dem FCK sehr, sehr gut. Halfar ist ein Idol für die Jungen, ein Liebling der Fans, sein Trikot ist ein Renner im Fan-Shop. Versilbern die „Roten Teufel" ihr Ausnahmetalent, verkaufen sie einen Hoffnungsträger. Gewiss hat Halfar Fehler gemacht. Aber er ist jung, er ist außergewöhnlich begabt.
Die Verträge von Daniel Halfar, Sascha Kotysch und Sebastian Reinert beim FCK laufen bis 2010, der Kontrakt von Fabian Schönheim bis 2009. Absolviert Florian Fromlowitz noch neun Spiele, ist er bis 2009 gebunden. Halfar schon jetzt abzugeben, wäre eine Abkehr vom Weg mit der eigenen Jugend. Es ist ein harter Weg, der Geduld erfordert: Ein Reinert aber hat alles, um Stammkraft zu sein. Kotysch war verletzt, besitzt eine Top-Einstellung. Fabian Schönheim war sieben Monate verletzt, hat als Innenverteidiger in der Ersten Liga gezeigt, was er wirklich kann.
Der FCK sollte sein wertvolles Tafelsilberpflegen. Und nicht voreilig verscherbeln!
KONZOKH
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ