Ich kann ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, weshalb in fast jedem Post mindestens zwei, wenn nicht drei Stürmer gefordert werden. Das 4-2-3-1-System ist, wenn man es richtig spielt, sehr variabel und defensiv kompakt wie offensiv mit vielen Überraschungen gewürzt. Zumal es eine gute Basis ist, um über Einwechslungen deutlich mehr Offensivpotential zu integrieren, falls es denn notwendig ist. Frankreich und Italien haben dieses System bei der WM durchgezogen, zwar nicht brilliert, aber höchst effektiv ihre Spiele bestreitet. Und das bei einem Stürmerpotential auf der Bank, das wahrlich nicht übel war/ist. Zum Stamm gehörten dabei nur Luca Toni und Henry, taktisch war bis zu den Auswechslungen alles möglich.
Wenn man mit drei Spitzen spielt, meinetwegen Auer zentral, Daham und Opara über die Flügel, dann müssen diese Spieler zwangsläufig auch Mittelfeldaufgaben übernehmen und auch defensiv denken können. Sonst wird der Druck auf die Außenverteidiger möglicherweise sehr groß. Mit den richtigen Spielertypen geht das natürlich, die haben wir aber meines Erachtens nicht. Opara könnte vielleicht auch noch Mittelfeldaufgaben übernehmen, kann ich noch nicht einschätzen, aber Daham, da bin ich mir sicher, ist im Mittelfeld nicht gut aufgehoben.
Zumal das 4-2-3-1 einfacher zu spielen ist als ein 4-3-3-System. Das Mittelfeld ist sehr kompakt und bietet für alle Spieler auch die Chance, offensiv ihre Möglichkeiten zu nutzen. Außerdem ist bei schnellem Spiel nach vorne eher Platz vorhanden, als wenn man mit 3 Stürmern auf einer Linie bereits steht. Der Ball kommt bei optimalem Verlauf aus der Bewegung heraus nach vorne. Wenn der zentrale Stürmer auch gut mit der Rolle klarkommt und einerseits beweglich genug und andererseits robust genug ist, um Bälle zu behaupten, dann ist er mit Hajnal zusammen als Ballverteiler auf die Außenpositionen für aufrückende Spieler eine Bank.
In der vorgerückten Dreierkette im Mittelfeld ist offensiv wie defensiv alles drin und die Spielmacherposition zentral ist der Dreh- und Angelpunkt. Das spielerische Potential eines Hajnal wäre bei einem 4-3-3 vakant, da müßte man schon auf 4-2-1-3 umstellen, und das ist wirklich extrem offensiv, da kann das Loch zwischen Offensive und Defensive schnell zum unüberwindbaren Hindernis werden.
Ich bleibe dabei: das 4-2-3-1-System ist mit einem guten Stürmer, der das auch Spielen kann, ein absoluter Erfolgsgarant. Schließlich geht es nicht nur darum, Chancen heraus zu arbeiten, sondern auch Chancen des Gegners zu verhindern und möglichst kompakt aufzutreten, gerade auswärts. Für mich ist ein 4-3-3 beispielsweise statischer, die Außenverteidiger haben weniger Möglichkeiten, offensiv zu werden. Und gerade ein Müller könnte seine Stärken ebensowenig wie ein Vignal in der Offensive einsetzen. Ein paar Spieler sollten ja nun doch hinten bleiben, oder?