AGF ging letzte Saison in der 1. Division ein (dasselbe wie 2. Bundesliga). Nun sind wir wieder in der Superliga (1. Bundesliga) und ich hoffe, dass wir machen kann wie ihr machte ins 1998. Das Liga zu gewinnen.
Vergiss es. Solche Sachen kann man nicht planen. Wenn ihr jetzt sagt "Wir wollen Meister werden", wird das nichts. Mehr dazu unter dem letzten Punkt.
1. Welche Spieler war die wichtige des 1997/98 Team?
2. Was war der Bedeutung des Otto Rehhagel?
3. Haben Sie von ersten Tag geglaubt dass sie den Bundesliga gewinnen konnte?
4. Andere faktoren die Wichtig war?
Zu 1: Wie einige Vorschreiber schon gesagt haben, wichtig war vor allem die mannschaftliche Geschlossenheit. Einige Spieler möchte ich trotzdem hervorheben:
Olaf Marschall mit 21 Toren in 24 Spielen, der überragende Torjäger der Saison (auch wenn es nicht zur Torjägerkanone reichte, aber Leverkusens Kirsten hatte auch ein paar Spiele mehr)
Ciriaco Sforza, der Kopf der Mannschaft, der es nach zwei missglückten Jahren bei Bayern und Inter allen zeigen wollte und auf dem Platz ein echter Leader war
Miroslav Kadlec, ein Libero der Extraklasse, der eigentlich 1997 schon in seine tschechische Heimat zurück wollte, weil sein Sohn Probleme in der Schule hatte, aber überredet wurde, noch ein Jahr dranzuhängen. Nach seinem Abgang hatten wir bis zur nächsten Saison keine funktionierende Abwehr mehr.
Michael Schjönberg, der meines Wissens erst von Rehhagel zum Manndecker umfunktioniert wurde, aber über ihn muss ich dir wahrscheinlich nichts erzählen
Andreas Buck und Ratinho, die auf rechts die sogenannte "Schokoladenseite" bildeten (als Schokoladenseite bezeichnet man etwas, was besonders gut funktioniert)
und so weiter...
Wenn jemand ausfiel, konnte sein Vertreter meistens die Lücke so gut füllen, dass es kaum auffiel. Wenn beispielsweise Marschall verletzt war oder nicht traf, traf eben Rische oder Hristov.
Zu 2: Rehhagel hatte einen Riesenanteil am Titel. Er hat es geschafft, in der Öffentlichkeit die Ansprüche niedrig zu halten, dafür die Mannschaft intern umso heißer gemacht (so ist er ja auch mit den Griechen Europameister geworden). Jeder Spieler hat sich an seine Sprachregelung gehalten. Beispiel: Am 6. Spieltag besiegte der FCK in einem Klassespiel den VfB Stuttgart mit 4:3 und hatte danach 16 Punkte. Dass er mit dem Abstieg nichts zu tun haben würde, war zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich klar. Ein Reporter sagte nach dem Spiel zu Ratinho: "Jetzt sagen Sie aber nicht wieder, das waren drei Punkte gegen den Abstieg." Ratinho (mit breitem Grinsen): "Das waren drei Punkte gegen den Abstieg."
Die Mannschaft hat damals mit einem recht simplen System (Libero, zwei Manndecker, zwei eher defensive Mittelfeldspieler, zwei Außenspieler, ein Spielmacher, zwei Stürmer, so wie die meisten deutschen Mannschaften zu der Zeit) gespielt, aber das sehr offensiv interpretiert. Ratinho, der eigentlich als defensiver Mittelfeldspieler aufgestellt war, unterstützte Buck meistens auf dem rechten Flügel, so dass in diesen Fällen nur ein Mittelfeldspieler wirklich defensiv war (Roos). Sonst sicherten Ratinho und Wagner, also zwei eher offensive Spieler, die Flügelspieler Buck und Reich ab, so dass das Mittelfeld eigentlich nur aus Offensivspielern bestand. Die Gegner wurden in jedem Spiel unter Druck gesetzt.
Zu 3: Nein, dann hätte es auch nicht geklappt (auch wenn "Meister 98" eine meiner ersten Trotzreaktionen nach dem Abstieg war
). Nach einigen Spielen war mir aber schon klar, dass die Mannschaft ganz gute Chancen auf den UEFA-Cup hat. Zum ersten Mal an den Titel geglaubt habe ich nach dem 18. Spieltag, als die Bayern zum zweiten Mal geschlagen wurden und der FCK in der Tat meisterlich gespielt hat.
Zu 4: Der größte Vorteil war der Außenseitervorteil. Lange hat uns keiner als Titelkandidaten ernst genommen (ein bisschen vergleichbar mit Stuttgart letzte Saison, auch wenn wir damals ab dem vierten Spieltag an der Spitze standen), was sich durch das zurückhaltende Auftreten in der Öffentlichkeit auch erst spät geändert hat. Da war der Vorsprung aber schon so groß, dass keiner mehr die Meisterschaft verhindern konnte. Dazu kam, dass die Aufstiegseuphorie durch den Auftaktsieg bei den Bayern und den Höhenflug nie aufhörte.
Für die üblichen verbalen Attacken der Bayern hat sich keiner interessiert, die wurden nur auf dem Platz beantwortet. Die Mannschaft war außerdem mental sehr stark (auch ein Verdienst von Rehhagel), viele Spiele wurden erst in der Schlussphase gewonnen. Damals war natürlich die Stimmung im Stadion auch noch besser.
Außerdem war die Mannschaft alles andere als eine Zweitligamannschaft. Der Abstieg war eher ein Unfall, 1995 war der FCK noch 4. geworden und hatte die Abstiegsgefahr einfach lange nicht ernst genommen, dazu kam viel Pech, das man eben hat, wenn man unten steht. Nach dem Abstieg blieb die Mannschaft (auch dank der Fans) fast komplett zusammen, so dass in der Meistermannschaft noch (oder wie bei Sforza wieder) viele Spieler von 1995 dabei waren. Das war durchaus eine Mannschaft mit UEFA-Cup-Niveau, die optimal verstärkt wurde (Schjönberg und Ratinho noch in der 2. Liga, nach dem Aufstieg Buck, Hristov und eben Sforza).
PS: Der blond gefärbte Tormann auf dem Foto heißt meines Wissens Bitzer, nicht Bietzer. Er hat aber auch nie ein Spiel für die 1. Mannschaft gemacht.