http://www.wams.de/data/2006/05/28/894337.html
Reinhold Beckmann
Reinhold Beckmann, ARD
Beckmanns Ruf als Sportreporter hat natürlich gelitten, seit er Montag für Montag in seiner Talkshow Gäste mit Sätzen bombardiert, die die Konsistenz von Wattebäuschen haben. Andererseits ist das eine Qualität, die auch unter TV-Sportreportern sehr gefragt ist. Vermutlich hat sie und Beckmanns Prominenz den Ausschlag dafür gegeben, daß er und nicht Gerd Rubenbauer das Endspiel kommentieren darf.
Reinhold Beckmann sind Interesse an und Kenntnisse über Fußball nicht abzusprechen, jedoch neigt er dazu, mit einer vorgefaßten Meinung ins Spiel zu gehen. Und die hat er offensichtlich in erster Linie aus der "Bild"-Zeitung. Wenn die also schreibt, die Mannschaft bestehe aus "Rumpelfüßlern", dann kann man sicher sein, daß der Kommentator Beckmann diese auf dem Platz auch findet.
Unser Tip: Genauer hinschauen, unvoreingenommen urteilen.
vc
Wolf-Dieter Poschmann
Wolf-Dieter Poschmann, ZDF
Poschmann mag Leichtathleten, weil er früher mal selbst einer war und moderiert schon seit gefühlten Ewigkeiten die ZDF-Kuschelsendung "Das aktuelle Sportstudio". Bei Interviews gibt er sich "kritisch". Er geht dabei aber so geschickt vor, daß der Zuschauer das fast nicht bemerken kann. Franz Beckenbauer immerhin soll so verunsichert von "Poschis" Fragen sein, daß der nicht mehr von ihm interviewt werden möchte.
Weil er "kein Mannschaftsspieler" ("Netzeitung") sei und nach zarter Kritik ("Blechredner", "Hamburger Abendblatt") wurde Poschmann vergangenes Jahr vom Sport-Chef zum Chefreporter
befördert.
Keine Frage, dieser Mann ist prädestiniert für den Kommentatorenplatz. Schließlich erklärte er auch schon Brasilien zum Mutterland des Fußballs und schaltet mal kurz rüber zum "SV Schalke".
Unser Tip: Keine Hoffnung, wir passen.
fp
Gerd Gottlob
Gerd Gottlob, ARD
Gerd wer, werden die meisten fragen. Gottlob können ihm solche Stimmen egal sein. Er ist schon glücklich, daß er überhaupt dabei ist - statt Gerd "Gaudimax" Rubenbauer, der nicht mehr wollte, weil Reinhold Beckmann und nicht er das Endspiel kommentieren darf. Gerd Gottlob vom NDR ist mit 41 Jahren jünger, als es der Name vermuten läßt. Er hat einen Preis des Verbands der Sportjournalisten bekommen und kaum einen Eintrag in den einschlägigen Sprüche-Datenbanken. Zu dem Bild, das Gottlob am Mikrofon abgibt, paßt sein letzter auffälliger Satz. Im Spiel gegen Bielefeld versemmelte Dalovic vom 1. FC Kaiserslautern mal wieder eine Chance. Gottlob: "Der Serbe vernichtet diese Chance."
Unser Tip: Dabeisein sollte wirklich nicht alles sein. <em>vc</em>
Marcel Reif
Marcel Reif, Premiere
Fußball ist ein unberechenbares Spiel, nur nicht bei Marcel Reif. Der gewinnt immer, der hat immer recht, weil er nämlich immer schon alles vorher gewußt hat. Mit anderen Worten: Er ist ein schamloser Opportunist. Typisch dafür war das letzte Champions-League-Finale: Da lag Arsenal London 75 Minuten lang "verdient in Führung", weil Barcelona "nichts einfällt". Dann schossen die Spanier zwei Tore und gewannen, was ihm "schon ein wenig leid" tat. Andererseits waren sie natürlich selbst schuld, denn "sie hätten wissen müssen, daß Barcelona immer etwas einfällt". Die andere Seite seiner Persönlichkeit zeigte Reif, der sich gern als Feingeist gibt, am letzten Spieltag. Der Ton spielt verrückt, und Reif sagte live den nur bedingt zum Spielgeschehen passenden Satz: "Was ist das für ein Wichstheater!"
Unsere Bitte: Ruhig bleiben und sich für eine Meinung entscheiden.
fh
Steffen Simon
Steffen Simon, ARD
Zu den skurrilsten Momenten der jüngeren Sportberichterstattung zählte jener, als Steffen Simon den Spielmacher der italienischen Nationalmannschaft, Francesco Totti, des "Mädchenfußballs" bezichtigte. Ausgerechnet Steffen Simon, dessen früher lockige Haarpracht und Tonfall am ehesten an ein Weichspülmittel erinnern, sagte das über einen Spieler, der den Ruf eines technisch brillanten Knochenbrechers hat. Unterschätzen sollte man den "Sportschau"-Chef aber nicht. Denn Simon scheint über die Fähigkeit zu verfügen, eine Mannschaft so lange schlechtzureden, bis sie dann auch wirklich schlecht spielt.
Unsere Bitte: Nur Spiele von England, Holland, Argentinien, Italien und Brasilien kommentieren. Dann holt Deutschland den Titel.
vc
Thomas Wark
Thomas Wark, ZDF
Obwohl er es schon auf etwa 80 Länderspieleinsätze gebracht hat, kennt kaum jemand Thomas Wark. Wahrscheinlich weil er bevorzugt eingesetzt wird, wenn deutsche Mannschaften sich gegen Mannschaften mit unaussprechlichen Namen im Uefa-Cup blamieren. Andererseits: Wer so etwas über Jahre klaglos erträgt, der darf auch irgendwann mal zu seiner ersten WM. Wie Wark diesmal. Aufgefallen ist er bisher nur durch seinen Ausspruch über Axel Kruse: "Er hat in Rostock mehrere Pferdchen laufen." Die unterschobene Zuhälterei tut ihm übrigens heute leid - leider. Der Mann ist schlicht zu lieb fürs Fußball-Geschäft. Vielleicht haben die vielen Schwimm-Übertragungen seine Kommentare einfach allzu wäßrig gemacht. Wer weiß. Immerhin behelligt er die Zuschauer kaum mit absurden Statistiken.
Unser Tip: Ruhig auch mal dahin gehen, wo es den Spielern weh tut.
fp
Fritz von Thurn und Taxis
Fritz von Thurn und Taxis, Premiere
Der Mann mit dem Schnauzer wird gern als "elder statesman" unter den Kommentatoren bezeichnet - und tatsächlich klingt er ein wenig nach 50er Jahre. Dafür entzieht er sich dem weichgespülten Kerner-Sprech. Bei ihm sind die Fußballer noch echte Modellathleten, da gibt es "bullige, bullige Stürmer", "diese kleinen Blutsauger" (für Südkoreas Spieler) und "Terrier" in der Verteidigung. Mit rollendem R, euphorisch betont und am besten, wenn die Jungs "Zambrotta" heißen oder auch nur "Raúl". Wenn ihn ein Spiel erst mal richtig gepackt hat, ist er nicht aufzuhalten.
Thurn und Taxis redet sich dann allerdings bis in die Konfusion und ist dann eher unfreiwillig unterhaltsam.
Unser Tip: Weniger verzetteln, bei beständiger Euphorie.
fh
Béla Réthy
Béla Réthy, ZDF
Der große Mann des ZDF hat die vergangenen EM- und WM-Endspiele kommentiert, ohne dabei negativ aufzufallen. Wenn Réthy wollte, könnte er auch in zig anderen Ländern die Fußballwelt erklären, weil er unglaublich viele Sprachen spricht. Biologie und Mathematik liegen ihm dagegen eher nicht: "Der Oberarm gehört zur Hand", "Portugal spielt heute mit sechs Ausländern" oder "Jetzt kommt einer, der in der Lage ist, im Spiel eins gegen eins Überzahl zu schaffen" gaben Einblicke in die Béla-Réthy-Logik. Beim Spiel Deutschland-USA allerdings entpuppte er sich als unverhohlener Oliver-Kahn-Jünger und beschimpfte fälschlicherweise den Schiedsrichter, der zu Recht kein Foul gegen die deutsche Nummer zwei gepfiffen hatte.
Unsere Bitte: Jens Lehmann eine Chance geben.