Vom Abziehbildchen zum Azubi-Vorbild mit Goldrahmen
FUSSBALL: Wie FCK-Häuptling Ciriaco Sforza für FCK-Talent Jurgen Gjasula zur Leitfigur wurde - Jara lobt und belohnt
KAISERSLAUTERN (zkk). Er ist jung, er ist talentiert - und er kann ein richtig Guter werden, wenn er mit Bodenhaftung weiter lernt: Jurgen Gjasula ist am ersten Etappenziel auf dem langen Weg zum Traumziel von der großen Karriere angekommen: Beim 1:0 (1:0)-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach stand der 19-Jährige erstmals in der Startelf des 1. FC Kaiserslautern.
„Ich war aufgeregt", gestand der junge Albaner aus Freiburg nach seinem fünften Bundesliga-Einsatz Lampenfieber ein. Hatte am Freitag nach dem Abschlusstraining mancher noch damit spekuliert, Gjasula könne angesichts des Trainers Qual der Wahl der Streichkandidat sein, stand der Mann mit der Nummer 18 knapp 24 Stunden später in der Startelf. Die lang herbei gesehnte Premiere! Trainer Kurt Jara hatte Überraschungen angekündigt - Gjasula verkörperte eine.
„In der ersten Halbzeit war er im Spiel nach vorne gehemmt, hat sich sehr viel um Thijs gekümmert. In der zweiten Halbzeit hat er sich sehr gut ins Kombinationsspiel eingefügt. Er ist ein junger, talentierter Mann, der jetzt wieder 70 Minuten Bundesliga-Erfahrung mehr hat, die ihn weiterbringen", attestierte FCK-Trainer Kurt Jara . 37 Ballkontakte standen bei Gjasulas Austausch nach 73 Minuten zu Buch, 13 gewonnene, elf verlorene Zweikämpfe. Seine drei langen Pässe hatten den Empfänger erreicht, acht Kurzpässe waren beim Adressaten angekommen, zwei waren fehlgeleitet. Drei Torschüsse hatte der Schlacks abgesetzt, der sich glücklich, aber auch selbstkritisch gab: „Ich weiß, dass ich besser spielen kann, dass ich mehr zeigen kann. Aber es war das erste Spiel, ich war aufgeregt. Es wird besser!" Das klang fast nach Entschuldigung und nach ehrlichem Versprechen.
Mancher Trainingskiebitz vergleicht Gjasula ob der Körpersprache, der Technik mit dem jungen Ballack. Gewiss - ein gewagter Vergleich. Gut gemeint, auch am Äußeren festgemacht, vielleicht motivierend, vielleicht aber auch belastend. Ballack war 21, als ihn Otto Rehhagel holte. Gjasula kam mit 18, ist gerade 19, sein größter Gegner ist die Ungeduld.
„Jurgen wurde für seine seit Wochen starken Trainingsleistungen belohnt", bescheinigte Kurt Jara Fleiß. Der Chef sah den jungen Techniker schon lange mit den Hufen scharren. Schon manchesmal hatte er inbrünstig auf seine Chance gespannt.
„Diese Woche haben einige gesagt, du spielst. Ich habe es nicht geglaubt", gab Gjasula zu, der die Position des gesperrten Ferydoon Zandi hinter den Spitzen bekleidete, „noch lieber, noch tiefer spielt. Da kannst du die Bälle gewinnen, dann verteilen". Bei diesen Worten mag Gjasula Sforza vor Augen haben - sozusagen den Mann vor und hinter sich. Er steht ihm im Weg, hilft ihm aber auch ganz wesentlich auf dem Weg voran.
„Natürlich will ich spielen. Aber ich bin erst 19, ich weiß, dass ich mich verbessern muss. Von Leuten wie Sforza, da kann ich in jedem Training sehr viel lernen", bezeugt Gjasula Respekt. Das war nicht immer so, erzählte FCK-Boss Jäggi im Herbst. Als Sforza erstmals nach seiner Verletzung im Mannschaftsbus saß und Gjasula zur Schalldämpfung aufforderte, konterte der ohne Etikette: „Wer bist du eigentlich?" Und setzte nach: „Ach, du bist der Sforza ... Dich hab" ich in den letzten Jahren in der Bundesliga gar nicht gesehen, dich kenn" ich nur von den Panini-Bildern ..."
Längst hat Gjasula den wahren Sforza kennen - und schätzen - gelernt. Und beim Häuptling einen Stein im Brett. „Jurgen hat großes Potenzial. Die erste Halbzeit war schwierig, dann hat er gezeigt, was er drauf hat", lobte Sforza den 16 Jahre jüngeren Profi-Azubi. „Sforzas Lob motiviert. Er redet viel im Spiel, er hilft mir - auch im Training", anerkannte Gjasula. „In der ersten Halbzeit bekam ich zu wenig Bälle, habe auch zu wenig gefordert. In der zweiten wurde es besser", bilanzierte der Jung-Profi. Morgen beginnt die Vorbereitung für die Dienstreise nach Leverkusen. „Ich würde gerne wieder spielen", sagte Gjasula.
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ