@Hi, AC-Devil.danke für die Antwort,
ich werde mal versuchen, auf deine angemerkten Punkte einzugehen:
"Interessante These, dennoch steht und fällt alles mit dem 10er! Alle große Mannschaften haben einen Dreh und Angelpunkt, einen Spieler der immer den Ball fragt und immer anspielbar ist! Es muss einen zentralen Anspielpunkt geben, also ist es eigentlich ganz egal, wo der sich befindet ob er hinter den Spitzen, im defensiven Mittelfeld oder auf den Halbpositionen spielt! Sicherlich sollte das Aufbauspiel auf mehrere Schultern verteilt sein, ist ja auch ein Mannschaftssport!"
Wenn es um einen zentralen Anspielpunkt geht, der die meisten Ballkontakte verzeichnet, egal wo er sich befindet, dann wäre das zumindest im letzten Spiel Müller gewesen, und den würde ich jetzt nicht ganz so als 'klassischen 10er' bezeichnen. Müller war sehr aktiv und hatte vor allem in Halbzeit eins bis zum Gegentor fast minütlich ein oder mehr Ballkontakte. Kann das aber nicht wirklich belegen, bei kurzer Suche im Netz konnte ich keine passende Statistikseite finden.
Dreh- und Angelpunkt sind für mich nicht immer nur Spieler, die eine super Technik und ein gutes Auge haben, sondern sie müssen konditionsstark sein und sich vor allem gut bewegen. Ich denke halt, die Last des Spielaufbaus wird im modernen Fussball immer auf verschiedene Schultern verteilt, der reine Bezug auf den Mannschaftssport reicht mir nicht ganz. Taktisch wird mittlerweile so viel gearbeitet, dass eine ganze Mannschaft gegen den Spielaufbau des Gegners optimal eingestellt wird und der eigene Spielaufbau die richtigen Laufwege besitzt, damit man die die Defensive des Gegners knacken kann.
Es gibt für mich "den einen Spieler" nicht, würde für mich auch keinen Sinn machen, weil man grundsätzlich von Form, Fitness und Entfaltung eines Spielers zu sehr abhängig wäre.
"Hier zu sagen, ein Spiel wird aus der Defensive aufgebaut, weil ein 10er das haben muss zur heutigen Zeit, halte ich für nicht richtig! Bsp: Diego, Lincoln"
Das habe ich meines Erachtens nicht gesagt. Ich habe gemeint, dass ein 10er mit reinen Offensiveigenschaften in der heutigen Zeit überholt ist, nicht EIN Spielgestalter agiert defensiver, sondern der GESAMTE Spielaufbau hat mit der ersten Mittelfeldkette schon eine heftige Nuss zu knacken, spielt sich zunächst in der Zone um den Mittelkreis ab. Der Spielaufbau gegen eine formierte Defensive liegt für mich nicht in den Händen einer Person, sondern es sind alle Spieler (nicht zuletzt die Viererkette) im Grunde massiv daran beteiligt.
"Diese beiden sind doch von ihren Defensivaufgaben befreit! Ein C.Sforza hatte bei uns auch zu Anfang hinter den Spitzen gespielt, dieser ist zwar durch seine Spielintelligenz ins DM versetzt worden, aber er war immer noch Dreh- und Angelpunkt!!"
Da stimme ich dir nicht zu (ich meine die Befreiung von Defensivaufgaben): jeder Spieler hat sich in das Defensivschema einzufügen und es gibt so gut wie keine Ausnahmen, wie ich finde. Eine gut eingespielte Mannschaft variiert, geht ein Mittelfeldspieler in die Spitze, gibt es andere, die hinten für ihn absichern. Diego oder Lincoln spielen sicherlich etwas vorgezogen, um öfter in diese Situationen zu kommen. Gehen aber andere Mitspieler, haben auch Lincoln und Diego defensive Aufgaben zu leisten. Ebenso direkt nach einem Ballverlust ist ein sofortiger Konter zu verhindern, wie auch im Mittelfeldgefüge bei Erwartung eines gegnerischen Angriffs die defensiven Positionen festgelegt sind, auch für die Stürmer.
Was das schmerzliche Fehlen von Sforza angeht, sehe ich den Verlust nicht nur im Spielaufbau, sondern in erster Linie in der defensiven Organisation, die bei seinem Mitwirken in späteren Jahren bei uns sichtbar wurde.
"Es ist meiner Meinung nach nicht möglich den optimalen 10er zu pauschalisieren! Dafür gibts einfach zu gute Spieler, die das auf ihre Weise interpretieren und mit viel Erfolg! Der eine verlegt sich aufs verteilen der Bälle, der andere wiederrum sucht selber den Abschluß! Der eine mehr aus der Defensive der andere mehr aus der Offensive!
Wir haben mit Hajnal einen Spielmacher, der gerne selber den Abschluß sucht und sehr offensiv spielt! Der Ballack (ist zwar kein Spielmacher, aber die zentrale Person im Spiel) z.B. ist DM und sucht auch den Abschluß, kommt aber aus der Tiefe!
Worauf ich hinaus will, alle Rosickys, Zidanes, Riquelmes, Ronaldinhos, Figos, Lampards, Diegos, Micouds und wie sie alle heißen haben eins gemeinsam: Sie werden für den Spielaufbau benötigt, aber jeder kommt von einer anderen Position, ist mehr oder weniger offensiv! Die Mannschaft stellt sich auf ihren "Führer" ein und kompensiert seine Schwächen, damit sie von seinen Stärken profitieren kann!"
Tja, ich zitiere mal z. T. das, was ich vorher geschrieben habe, vielleicht kann ich dann klarer beschreiben, was ich meine:
>>Eine "No. 10" wie vor 10 Jahren und früher ist bei Ballbesitz der Mann gewesen, der für die "Fütterung" der Stürmer zuständig war und die Bälle sinnvoll verteilte, meist zentral agierte und auch oft von Defensivaufgaben befreit wurde.<<
>>Die reine Spieleröffnung wird heutzutage für mich auf mehrere Schultern verteilt, ein Spieler allein kann und darf im Normalfall nicht allein mit dieser Aufgabe betraut werden.<<
Das obere ist meine Definition von einer Nummer 10, die ich hier als Grundlage nehme, um darauf eine Argumentation aufzubauen. Ich habe den Eindruck, die Namen, die du nennst, sind mehr herausragende Mittelfeldspieler als echte 10er dem zugrunde liegenden Anforderungsprofil entsprechend. Kann mich täuschen, aber sie widerlegen nicht meine These, dass für einen guten Spielaufbau bestenfalls alle Spieler neben anderen Fähigkeiten über herausragende technische Eigenschaften verfügen sollten. Als Gegenargument reicht das für mich überhaupt nicht aus.
Und mal ne Gegenfrage: wer ist (oder besser war) denn nun der Spielmacher oder "Führer" in der tchechischen Nationalmannschaft? Nedved, Rosicky, Poborski?
Oder Frankreich? Makelele, Zidane, Viera?
England? Lampard, Gerrard oder doch Beckham ( hihi, naja, den letzten streich ich mal...
)?
Ich glaube, diese Fragen sind schwer zu beantworten. Wenn man "Spielgestalter" oder "No. 10" als Mann beschreibt, der herausragende spielerische Fähigkeiten besitzt und an der Spielgestaltung beteiligt ist, dann kann so gut wie jeder Fussballinteressierte seitenweise Namen nennen. Aber eine eindeutige Fixierung, einen Spieler, der die Hauptlast trägt im Spielaufbau des Mittelfeldes und so gut wie jeden Angriff einleitet, den gibt es für mich nicht (mehr).
Falls ich mich unverständlich ausgedrückt oder etwas falsch verstanden oder interpretiert habe, bitte ich dies zu entschuldigen.