Was micht am meisten an der ganzen Sache ärgert, ist der Schaden, den solche Dinge für die Demokratie an sich bedeuten. Die Verankerung eines demokratischen Bewusstseins in der Bevölkerung geht über kurz oder lang verloren, wenn solche Betrügereien durch Inkonsequenz und Nachsicht hoffähig gemacht werden. Man muss sich doch im Klaren darüber sein, welche Botschaft damit transportiert wird, nämlich: Sitzt du als Berufspolitiker erstmal fest im Sattel, passiert dir so schnell nichts - es be******en doch eh alle irgendwie.
Am enttäuschendsten ist obendrein, dass gerade ein Vertreter des bürgerlichen Lagers, das eigentlich für Werte wie Anstand, Anerkennung ehrlicher Leistungen und Ehrbarkeit stehen will, diese Werte durch sein eigenes Verhalten zur Erosion bringt. Und diesen Prozess stoßen Frau Merkel und die Herren und Damen Parteifreunde mal munter mit an, indem sie sein Verhalten bagatellisieren, weil sie ihr Wählerstimmenzugpferd nicht verlieren wollen - Pfui Deiwel! Wo bleibt da die Vorbildfunktion des Staatsmannes, die in einer gesunden Demokratie mit Bürgersinn und Moral den Menschen zum Vorbild dienen sollte?!
Ich bin nicht naiv, der Kampf um die politische Macht ist ein Wettbewerb, das ist auch gut und recht in einem demokratischen Staat. Aber es hat alles seine Grenzen. Gewisse Verhaltensweisen DÜRFEN NICHT toleriert werden und MÜSSEN OHNE RÜCKSICHT auf Amt und Parteibuch zu Konsequenzen führen. Wo sind wir denn hier?!
Vielleicht erleben wir ja wirklich gerade so etwas wie die endgültige Zementierung des Berufspolitikertums zu einer der obersten gesellschaftlichen Schichten, die nach unten immer undurchlässiger wird, da es keine Begrenzung der Mandatszeit im Bundestag gibt.
Unwürdig ist aber auch das Schauspiel in diesem Zusammenhang auch insgesamt, das da alle Beteiligten - auch die Opposition - miteinander aufführen. Da schwingen Leute die moralische Keule, die sich eigentlich aufgrund eigener Vergehen in anderer Hinsicht (Flugmeilen, Dienstwagen usw.) gleich neben Guttenberg auf die Strafbank setzen und sich von den integeren unter den Abgeordneten gleich mit was anhören sollten. Aber die Gelegenheit, den politischen Gegner anzugreifen und zu fällen scheint wichtiger zu sein, als der Bevölkerung ein Vorbild zu sein. Vielleicht ist das vor dem Hintergrund des politischen Wettbewerbs verständlich, gut ist es aber auch nicht.
Im Grunde genommen ist allen Beteilgten wohl gar nicht das Ausmaß des Schadens klar, den sie für die Entwicklung der Demokratie durch die falsche Behandlung dieses Falles anrichten. Die zunehmende Tendenz, für sich die Maßstäbe nicht mehr gelten zu lassen, die laut Grundgesetz für alle Menschen dieses Landes in gleicher Weise zu gelten haben, nimmt in ungutem Maß zu und gefährdet die Demokratie, weil sich die Menschen irgendwann Leuten zuwenden, die ihnen suggerieren, das SIE sie nicht betrügen...
...und dann wird man sich bei der nächsten Landtagswahl wieder wundern und "schockiert" sein, warum es die NPD ins Parlament geschafft hat und beim Fernseh-Interview wie im Kindergarten demonstrativ den Stehtisch verlassen - als ob DAS die richtige Antwort auf diese fundamentale Problemstellung wäre.
Als überzeugter bürgerlicher Demokrat kann man momentan nur noch kotzen!