Ich finde aber interessant, dass er Kurz den Vorwurf macht, zu viel für die Defensive trainiert zu haben. Inwiefern das stimmt, kann ich nicht beurteilen. Evtl. meint er auch, dass speziell die Stürmer zu viel nach hinten arbeiten müssten auf Kosten der Offensivkraft - das war uns ja auch schon ein wenig bekannt.
In der Aufarbeitung der Kurz-Ära kommt man nicht umhin festzustellen, dass er kein besonderes Konzept für Offensivfußball hatte. Es ging im Prinzip alles über individuelle Klasse, auch in der Aufstiegssaison mit einer Flügelzange Sidey Sam / Ivo Ilicevic und einem starken Konterstürmer wie Erik Jendrisek. Zudem waren wir über Standards enorm stark (Bugera, Amedick, Rodnei)
Der Abgang von Jendrisek und Sam konnte kompensiert werden weil Ilicevic und Lakic nochmal einen Schritt nach vorne gemacht haben und mit Moravek nochmal ein guter Spieler dazukam, der über einen guten Schuss und etwas Spielwitz verfügte.
Die Erfolge haben dann etwas darüber hinweggetäuscht, dass nicht alles Gold war, was glänzte. Es fehlte die gewisse Nachhaltigkeit im spielerischen Konzept. Das hat entscheidend zu unserer Krise beigetragen. Wenn du kein echtes Offensiv-Konzept hast, dann wirkt sich fehlendes Selbstvertrauen nochmal deutlich schwerer aus. Der Mut für individuelle Aktionen fehlt, man wird schneller nervös in der Krise, weil man keine Grundstrategie hat auf die man vertraut und die den gewissen Halt gibt. Die Krise wird zum "Selbstläufer". Die erschreckendste Aussage der Saison, ich weiß es noch genau, kam von Florian Dick irgendwann anfang der Rückrunde. "Hinten wollen wir kompakt stehen und vorne haben wir vielleicht das Glück, dass ein Stürmer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz steht, in einen Ball hineinrutscht und wir das Spiel 1:0 gewinnen." Für mich eine katastrophale, entlarvende Aussage, die zeigte dass die Mannschaft keine Idee vermittelt bekommen hat, wie man spielerisch zu Toren kommt. Es war immer nur "Tief stehen und vorne hilft der liebe Gott". Letzte Saison hatten die Offensivspieler die nötige individuelle Klasse, um auch ohne klares taktisches Konzept und einstudierte Spielzüge zu Toren zu kommen. Diese Saison haben die Transfers nicht gesessen und die vorhandene individuelle Klasse reichte dazu einfach nicht aus.
Ich möchte hier auch mal sagen, dass die große Schuld von Stefan Kuntz etwas relativieren möchte. Ich habe da ja auch in der Vergangenheit stark kritisiert. Er hat zwar gravierende Fehler gemacht bei den Transfers, aber ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass er gar nicht soo sehr ins Klo gegriffen hat. Shechter, Fortounis, Sahan, Kouemaha - ich denke diese Spieler sind gar nicht so übel. In einem funktionierenden System, hätten die durchaus einschlagen können. Olcay Sahan lief den Großteil der Saison wirr und orientierungslos über den Platz. Er hat immer mit großen Einsatz gespielt, aber es wirkte wenig zielgerichtet und ineffizient. Ich glaube er ist aber gar kein so Blinder, sondern Marco Kurz hat es ihm einfach nicht besser beigebracht. Er hat ihn einfach "machen" lassen, wie er Ilicevic sein Ding machen ließ, aber Olcay ist einfach noch nicht so weit, wie es Ivo war.
Auch das Hin-und-her geschiebe der Offensivspieler (Shechter, Tiffert, Sukuta-pasu, Fortounis etc.) sehe ich mittlerweile in dem Licht, dass MK wohl der Ansicht war, dass "gute Spieler" schon irgendwie da vorne zurecht kommen, egal auf welcher Position sie da jetzt Spielen. Wenn du nur über Individual-Aktionen zum Tor kommen willst, mag das auch eher hinkommen, aber für jede spielerische Lösung ist es tödlich, weil sich einfach nichts einspielen kann, die Laufwege nicht gelernt werden können etc.
Ich sehe es daher sehr positiv, dass Stefan Kuntz diese Defizite irgendwann erkannt hat und mit Krassimir Balakov einen Trainer verpflichtet hat, der konzeptionell arbeitet. Es ist schade, dass das ganze zu spät war (Ich bin davon überzeugt dass man noch den Relegationsplatz geschafft hätte, wenn die Trennung sofort nach dem Mainz-Spiel erfolgt wäre.)
Um nochmal auf Flutlicht zurückzukommen, ich finde es gut dass sich Balakov as die Kaderplanung betrifft zurückhält, um die Spannung für die letzten beiden Spiele hochzuhalten. Wenn ich sein Pokerface zu durchleuchten versuche, so hatte ich ein bischen im Gefühl dass er auf Tiffert nicht unbedingt bauen würde. Dass es heute ohne ihn so gut funktioniert hat, wird ihm wohl auch zu denken geben.