Es gibt also einen Haufen Gründe warum man trotz weniger verfügbarer Kandidaten Marco Kurz hätte nicht einstellen sollen. Aber es gibt eigentlich keine, die irgendwie begründen könnten, warum man ihn einstellen sollte. Die offizielle Verlautbarung bei seiner Vertragsunterzeichnung sagt dabei genau das Gegenteil von dem aus, was über ihn sonst gesagt wird oder herauszufinden war. Das erzürnt den geneigten Beobachter schon beinahe, weil er das Gefühl bekommt, dass er für dumm verkauft werden soll.
Natürlich kann man sich ändern, aber im ernst, Marco Kurz hat bisher nichts vorzuweisen, was ihn für den Job beim FCK, der in die Bundesliga will, qualifiziert. Gar nichts. Warum sollte sich das ausgerechnet jetzt ändern? Es gibt aus der Vergangenheit keine Argumente die wirklich für Kurz als FCK Trainer sprechen, das genau ist ja das Problem. Und deshalb ist es schon komisch wie manche hier rumeiern, nur um nichts negatives schreiben zu müssen.
Insgesamt finde ich deine Kritik ganz gut, du äußerst Bedenken, die legitim und nachvollziehbar sind, begründest diese auch gut.
Ich hab trotzdem mal zwei Passagen "rausgepickt", um etwas ins Detail zu gehen:
Ich denke, Eindrücke entstehen durch Gespräche. So hat Kuntz das auch oft durchblicken lassen. Er hat bestimmt unendliche Gespräche geführt in all der Zeit, er versuchte ja auch alles, handelte sich auch unnötige Körbe ein.
Ich glaube Kuntz auch nicht, wenn er sagt, Kurz sei keine zweite Wahl oder wenn er - wie in der Saarbrücker Zeitung - darauf verweist, dass auch "Funkel und Labbadia keine optimalen Abgänge" hatten. Da vertuscht er schon einiges, v.a. auf die Geschichte mit Foda geht er nicht mal mehr ein. Die Suche wurde unnötig lang.
Andererseits verstehe ich Kuntz auch, dass er da keinen Schnellschuss abgeben wollte und er sich mit vielen Kandidaten wohl ausgiebig beschäftigt hat ("Bevor man heiratet, hat man ja auch ein, zwei andere kennen gelernt."). Sollte es wirklich so sein, dass Kuntz durch die vielen Gespräche auf den Richtigen gekommen ist, dann hat sich das lange Warten auch gelohnt. Keiner weiß, mit wem er alles und mit wem er WANN geredet hat, ob er mit Wück, Hock, Groß, Funkel, Labbadia etc. wirklich an einem Tisch gesessen hat und erst durch Gespräche die letztendliche Entscheidung zu Gunsten von Kurz getroffen hat. Klar, finanziell passte er auch wunderbar ins Profil. Funkel und Labbadia waren finanziell auch nicht zu realisieren gewesen. Aber das allein wird es nicht gewesen sein, dass man Kurz statt Wück z.B. geholt hat.
Was er vorzuweisen hat, was für ihn spricht? Wenn man das Viertelfinale des Pokals mit 1860 nimmt, dann sieht das wirklich mickrig aus.
Es sprechen einige davon, dass er sich ändern könnte, sollte, müsste, um hier Erfolg zu haben. Sie haben Hoffnung, dass er sich ändert. Ich bin eigentlich generell dagegen, dass sich Menschen, in diesem Fall Trainer,
grundlegend ändern. Jeder sollte so akzeptiert werden, wie er ist. Aber, und das ist das Wichtigste, ein Trainer darf nicht nur stur und beratungsresistent, sondern muss
kompromissbereit sein, muss
offen für neue Dinge sein,
seine eigene Handschrift muss bleiben und zu erkennen sein! Ist meine Sicht der Dinge. Aber ich denke, dass u.a. deshalb auch unsere Trainer in der Vergangenheit gescheitert sind. Nicht alle, aber einige, zuletzt wohl auch Milan.
Also was qualifiziert ihn? Er ist jung, unverbraucht, hatte jetzt einige Zeit, um neue Energie zu tanken, wesentlich länger als Funkel z.B. ...Kurz hat fast zwei Jahre einen Traditionsclub trainiert, der ohnehin viele Parallelen zu uns hat. Er hat also Durchhaltevermögen bewiesen trotz der wirklich schwierigen Situation in München mit den Erwartungen der Fans, mit der Presselandschaft, mit der zerstrittenen Situation im Vereinsgefüge. Kurz kennt die zweite Liga, kennt die erste Liga als Spieler, was meiner Meinung nach ein großer Vorteil gegenüber anderer Kandidaten wie Herrlich ist. Der wäre absoluter Neuling im Bundesliga-Geschäft. Kurz hat ja scheinbar Fehler gemacht in der Jugendförderung (Stichwort Anton Fink), aber er brachte auch einige Jungen groß raus: Die Bender-Zwillinge (einer spielt jetzt beim BVB), Gebhardt (spielt nun beim VFB), Johnson (steht vor einem Wechsel nach Bremen), Schäffler etc. ... Das sind Fakten, die auch Kuntz zurecht genannt hat.
Warum es dann letztlich aber so lange gedauert hat, bis man Kurz vorstellen konnte, wenn er doch Wunschkandidat ist und man so überzeugt ist, erklärt Kuntz ja bisher nur ansatzweise. Viele Gespräche seien nötig Gewesen, viele Kandidaten seien möglich gewesen, um eine Entscheidung zu fällen.
Wir müssen jetzt sowieso das Beste draus machen. Ich bin aber wirklich gespannt auf Kurz und die nächsten Wochen. Hab eigentlich kein so schlechtes Gefühl, v.a. mag ich ihn vom Typ her auch, kenne ihn aber als Trainer zu wenig.
Ich bin jetzt erst mal gespannt, was bei der Pressekonferenz an Neuem herauskommt.