Stimmt so aber nicht hundertprozentig Klinge. Die Bankenrettung ist nicht die Ursache der Staatsverschuldung. Nehmen wir doch mal Griechenland. Die Griechen machen seit Jahren Schulden und das nicht weil diese die Banken gerettet haben, sondern weil sie schlichtweg über Ihren Verhältnissen leben. Damit meine ich hauptsächlich den Staat Griechenland der zu geringe Steuereinnahmen generiert (weil es Bereiche gibt die keine Steuern zahlen), der Staatsapparat viel zu groß ist, das Einkommen vieler Beamten zu hoch ist, sich Griechenland ein am BIP gemessenen hohes Militärbudget leistet (2,8%, Im Vergleich Deutschland 1,3%) und und und...
Schau Dir ansonsten mal Deutschland an. Deutschland hat die letzten 3 Jahre ein großes Wirtschaftswachstum generiert und selbst in so fetten jahre loben sich die Politiker das man die Nettokreditaufnahme gesenkt hat. Aber man muß doch mal sehen das wir trotzdem noch Schulden machen. Ich würde es gerne so sehen, das wir in wirtschaftlich guten Jahren die Schulden abbaut um in schlechten Jahren wieder mehr Kredite aufnehmen zu können um die Wirtschaft anzukurbeln. Wir hingegen nehmen mal weniger und mal mehr Schulden auf, aber reduzieren diese nie... Das machen auch alle anderen Staaten so und irgendwann platzt die ganze Geschichte eben!
Ich als Privatmann kann auch nur ausgeben was ich habe und wenn ich immer mehr Schulden mache, wachsen mir diese zwangsläufig irgendwann über den Kopf, es sei denn ich generiere ein immer höheres Einkommen um meine wachsenden Zinsen zu bezahlen. Das klappt so aber nicht, weder für mich, noch für die Staaten!
Hmm, kurz gesagt: In der Sache gebe ich dir natürlich Recht, gewichte und schlussfolgere aber etwas anders.
Den Vergleich Privatmann/Unternehmen mit einem Staat halte ich für nicht zielführend. Staaten sollte man volkswirtschaftlich betrachten, nicht betriebswirtschaftlich. Dazu passt ja auch, dass die absolute Wirtschaftssupermacht USA auch gleichzeitig die höchste Staatsverschuldung hat.
Und: Klar wäre eine antizyklische Fiskalpolitik wünschenswert (über Form und Aufbau müsste man dann aber noch sprechen), aber schwerwiegender für die aktuelle sogenannten "Schuldenkrise" finde ich die wechselseitigen Abhängigkeiten, durch die man kaum durchblickt.
Beispiel: Vermögende Privatperson (P) lässt sein Vermögen bei einer Großbank verwalten (
. Der Staat (S) lässt über diese Großbank Anleihen ausgeben, die diese Bank dann auch selber für sich und P kauft. Der Staat wiederrum lässt verschiedene Pensionsfonds seiner Beamten bei dieser Bank verwalten. Durch deftige Fehlspekulation steht B aber kurz vorm Kollaps. Um das Vermögen von P und auch von S zu sichern, muss B gerettet werden, wodurch S weiteres Geld (Schulden) von P und B' leihen muss. Wer ist jetzt vom wem abhängiger??
Den chronisch defizitären Staatshaushalt führe ich (jedenfalls in Deutschland) vor allem auf die Steuerreduzierungen der letzten Jahrzehnte für Reiche und Großunternehmen zurück. Während die Ausgaben moderat gestiegen sind, sind gerade die Einnahmen extrem eingebrochen.
Um zu Jonnys Ausgangsfrage zurückzukommen: Ich glaube einfach, dass das Thema wirklich zu komplex für die normalen 20-Uhr-Nachrichten ist und deshalb nach plausiblen einfachen Lösungen gesucht wird. Hier kann man jetzt streiten, ob die Zielgruppe kompliziertere Nachrichten nicht verdauen könnte, oder ob die Nachrichtenproduzenten ihr dies nur nicht zutrauen.
Aber es gab ja mal diese Studie, nach der die Tagesschau/-themen, Heute, etc. überflüssig ist, weil die eine Hälfte der Zuschauer die Nachrichten nur aufnehmen und geistig nicht verarbeiten können (wegen zur Kontextualisierung unabdingbaren Hintergrundkenntnissen) und die andere Hälfte der Zuschaer diese Nachrichten nicht benötigt, weil sie über diese Hintergrundkenntnisse verfügen und die vorgestellten "Nachrichten" für sie gar keine sind. Schade, dass ich den Link dazu nicht mehr habe...
Aber wie auch immer, ich schaue trotzdem gerne Nachrichten und rege mich auch immer fleißig und gerne über sie auf.