Grundsätzlich gilt es mal festzuhalten: die deutsche Nationalmannschaft ist das Aushängeschild des deutschen Fußballs und des DFB. Um einen Erfolg des Flaggschiffs zu gewährleisten, müssen alle Kräfte zielgerichtet gebündelt werden. Die u21 ist der direkte Unterbau der A-Mannschaft und es herrscht seit Jahren ein fließender Übergang. Somit ist es nur logisch, daß nicht der Koordinator der Jugendmannschaften das letzte Wort hat, sondern der Chef der A-Mannschaft.
Sicher, Löw und sein badischer Mob sind suspekt, es gibt durchaus klare Kritikpunkte, aber bei Sammer ist das ja nicht minder der Fall. Es bleibt ein Geheimnis der DFB-Betonköpfe, wieso sie einem bekanntermaßen überehrgeizigen, dickköpfigen Sammer einen so kommunikativ fordernden Job zugestanden haben, bei dem nun wirklich Fingerspitzengefühl und Kompromissfähigkeit gefragt sind. Dazu kommt, daß Sammer ja wie schon anno dazumal Beckenbauer und Matthäus ein Spezi der Springer-Presse ist - da sind mediale Scharmützel geradezu vorprogrammiert.
Das Jugend-Konzept, das Sammer nach halbjähriger Amtszeit vorstellte, konnte man in früheren Interviews in großen Teilen schon von Berti Vogts zu hören bekommen (Eliteschulungen, frühzeitige Talentförderung, Einbindung von Schulsport, allgemein gültige Taktik für alle Altersklassen, DFB-Stützpunkte...). Vogts war ja zunächst auch Klinsmanns Favorit für den Posten (und hätte m.M.n. sehr gut dahingepasst) - allerdings gab es wohl DFB-interne Widerstände gegen den ehemaligen Bundes-Bördie. Ok, Sammer hat das dann offenbar gut umgesetzt und viel in Bewegung gebracht, aber man kann nicht behaupten, daß die ganze Geschichte auf seinem Mist gewachsen ist.
Ich will Sammer sicher nicht jeglichen Erfolg abreden, aber ich finde, daß er sich generell zu wichtig macht. Man gewinnt immer den Eindruck, daß ihm seine aktuellen Machtbefugnisse nicht ausreichen und er ständig an irgendwelchen Stühlen sägt, rumnölt und eigentlich lieber heute als morgen jegliche Verantwortung an sich reißen würde. Vielleicht ist er mit einer solchen Einstellung im Vereinsfußball doch besser aufgehoben. Vier Jahre sind seit seinem Amtsantritt beim DFB ins Land gegangen und mglw hat er sich damals gedacht: Klinsmann macht's eh nicht lange und dann kommt meine Chance. Wurde nix draus und mittlerweile sitzt Löw fester im Sattel als je zuvor. Da kann man sich schon vorstellen, daß einem Typ mit Sammers Ehrgeiz und Machthunger langsam mal die Geduld ausgeht.
Interessant übrigens, daß Sammer nun nach dem verlorenen Machtkampf mit Löw die vorher üblichen Sitzungen mit allen DFB-Jugendtrainern anscheinend eingestellt hat. "Mimimi, u21 wurde mir weggenommen, dann mach ich halt gar keine Trainerkonferenzen mehr.....mimimi..."