Faktenlage contra Verunsicherung
FRAGEN UND ANTWORTEN: Zur Diskussion über einen CDU-Antrag zu FCK und Stadion gestern im Stadtrat
VON HANS-JOACHIM REDZIMSKI
Ohne Mehrheit blieb gestern Nachmittag im Stadtrat ein Antrag der CDU-Fraktion zum Thema FCK und Fritz-Walter-Stadion. Die CDU-Fraktion wollte Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) darauf verpflichten, bis zur nächsten Stadtratssitzung am 6. November ein Konzept vorzulegen, das den langfristigen Erhalt des Spielbetriebs des FCK in allen Ligen im Fritz-Walter-Stadion sichert. Die CDU-Fraktion blieb bei der Abstimmung mit der FDP-Fraktion allein.
Was wollte die CDU-Fraktion mit dem Antrag?CDU-Ratsmitglied Michael Littig wollte mit dem Antrag erreichen, gemeinsam gute belastbare Lösungen zugunsten des FCK zu finden. Konkret geht es um die Frage, wie die Stadt beziehungsweise die Stadiongesellschaft auf einen möglichen Abstieg des FCK reagiert. Es geht um die Höhe der Stadionmiete, die dann vom Verein noch gezahlt werden kann.
Warum kam die CDU-Fraktion mit diesem Antrag gerade jetzt, da der FCK in einer tiefen sportlichen Krise steckt?Michal Littig verwies auf die Faktenlage. Der FCK müsse im Januar/Februar die Lizenzunterlagen bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) erarbeiten und zum 1. März einreichen. Darin seien auch die Mietaufwendungen an die städtische Stadiongesellschaft darzustellen.
Warum wühlte der Antrag die Emotionen im Stadtrat so auf?Es war der Zeitpunkt, zu dem der Antrag der CDU-Fraktion kam. Der FCK ist derzeit Tabellenletzter in der Zweiten Fußball-Bundesliga, mit nur zwei Punkten aus acht Spielen. Der Trainer ist entlassen. Ein neuer Trainer, Jeff Strasser, soll die Mannschaft wieder zurück in die Spur bringen. Der FCK bangt um den Klassenerhalt. Und es waren Fragestellungen, die der Antrag enthielt, etwa danach, ob es konkrete Überlegungen gibt, dass das Fritz-Walter-Stadion überplant wird, sollte der FCK als Mieter ausfallen. Oder etwa danach, ob Wertberichtigungen des Anlagevermögens bei der Stadiongesellschaft notwendig sind, sollte der FCK als Mieter wegfallen und Profifußball nicht mehr möglich sein.
Was sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Stadiongesellschaft, Oberbürgermeister Weichel, zu dem Antrag?Er fand eine Diskussion darüber derzeit in öffentlicher Sitzung für den FCK und für die Fans alles andere als förderlich. Der FCK brauche jetzt einen Schulterschluss, aber kein Totenglöckchen.
Wie argumentierte die Koalition aus SPD, Grünen, FWG und FBU, die den CDU-Antrag ablehnte?Der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Rahm sprach allein für die Koalition, damit das Thema nicht weiter aufgebauscht werde. Er bedauerte, dass die CDU-Fraktion ihren Antrag nicht zurückgenommen hat. Mit der Beschäftigung mit dem Antrag in öffentlicher Sitzung entstehe Schaden für die Stadt und den Verein sowie Verunsicherung zu einer Unzeit.
Was meinten die kleinen politischen Oppositionsgruppierungen dazu?Die Meinungen waren geteilt. Das Ratsmitglied der Linken, Stefan Glander, erklärte, der Antrag sei zum jetzigen Zeitpunkt weder angebracht noch notwendig. Er führe nur zur Verunsicherung. Er äußerte überdies Zweifel, ob es möglich ist, innerhalb von vier Wochen ein Konzept zur Sicherung des Spielbetriebs im Fritz-Walter-Stadion zu erarbeiten. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Werner Kuhn entgegnete, man könne auf die Stadt zukommende Probleme nicht durch Schweigen oder eine Vogel-Strauß-Politik bewältigen. Er kenne keinen Kaiserslauterer, der das Problem der Stadiongesellschaft nicht kenne. Er wünschte sich eine Arbeitsgruppe, die sich mit den möglichen Folgen eines Abstiegs des FCK auseinandersetzt.
Gab es neue Fakten zu dem Thema in der Diskussion?Oberbürgermeister Weichel informierte den Stadtrat darüber, dass er an einem neuen Finanzierungsmodell für das Fritz-Walter-Stadion arbeitet, zusammen mit der Aufsichtsbehörde ADD, dem Land und den Betroffenen. Es gehe dabei um haushaltsrechtliche und gesellschaftsrechtliche Fragen.
Hat der Rathauschef in der Debatte für Klarheit gesorgt, was hinter der in einer Fraktionsvorsitzendenrunde von ihm angekündigten Vermarktung von Grundstücken auf dem Betzenberg steht?Ja, Oberbürgermeister Weichel erläuterte, dass er damit das zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt befindliche Gelände des Reitsportvereins auf dem Betzenberg gemeint hat. Es ginge nicht um das Eigentum der Stadiongesellschaft. Weder Parkplätze am Stadion noch Sportplätze seien davon betroffen.
Was sagte Weichel zur Zukunft des Fritz-Walter-Stadions selbst?Der Rathauschef unterrichtete den Stadtrat darüber, dass er eine ganze Reihe von Gesprächen mit potenziellen Investoren für das Stadion geführt habe. Er sprach von minimum zehn an der Zahl. Die Gespräche hätten zu keinem Ergebnis geführt. Entweder scheiterten sie am Preis oder am fehlenden sportlichen Erfolg des FCK oder an der Weigerung der Stadt, eine Mietausfallgarantie auszusprechen.
EINWURF
Der schlechteste Zeitpunkt
VON HANS-JOACHIM REDZIMSKI
Die CDU-Fraktion wollte gut, hat es aber schlecht gemacht. Sie wollte jetzt eine politische Diskussion beginnen über den möglichen Fall des Abstiegs des FCK und damit die Stadionmiete und alles was damit zusammenhängt. Sie wollte nicht ins kalte Wasser geworfen werden, wie im Mai dieses Jahres. Damals begann der Stadtrat eine Diskussion über eine Reduktion der Stadionmiete für die Dritte Liga auf 675.000 Euro. Der Kelch ging an allen noch mal vorbei ...
Die CDU-Fraktion suchte sich für ihren Antrag den denkbar schlechtesten Zeitpunkt aus. Es spricht für wenig Instinkt, gerade jetzt, da der FCK in akuter Abstiegsnot ist, ein solches Fass aufzumachen. Die Wirkung nach außen ist fatal: Jetzt glaubt nicht einmal mehr die Politik an die Rettung des FCK ...
Quelle
Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 227
Freitag, den 29. September 2017