Warum sich das Wahlergebnis am Ende so darstellt wie war das heute gesehen haben ist für mich momentan, auch 90 Minuten nach der Wahl, noch immer ein großes Rätsel
Die CDU hat im Grunde keinen echten themenbezogenen Wahlkampf geführt, sondern immer nur die "Kanzlerin Merkel" propagiert. An echten Themen war dieser Wahlkampf generell sehr flach, bei der CDU wie ich finde sogar sehr stark.
Warum in Bayern viele Menschen ihre Erststimme der CSU geben und die Zweitstimme an die FDP abgeben bleibt für mich nicht so wirklich nachvollziehbar. Kaum eine Partei hat in den letzten Wochen und Monaten härter gegen die FDP geschossen als die CSU.
Die FDP ist auch für mich eine Partei die sich auf eine einzige Person zentriert. Die Situation hatte man bei der FDP eigentlich die ganzen 11 Jahre schon, erst Sand ein Jürgen Möllemann im Fokus, jetzt ist es sein Nachfolger Westerwelle. Die zweite und dritte Reihe der Partei kommt in der Öffentlichkeit doch sehr schwach durch. Mit Ausnahme von Niebel und Brüderle sind die hinteren Reihen doch eher mau besetzt. Westerwelle wird für mich auch vorläufig noch ein rotes Tuch bleiben, zu sehr haben mich damals die Jahre mit Guido im Spaß-Mobil irritiert. Diesen Markel kann er auch nur durch eine souveräne und ehrliche Regierungsarbeit wettmachen. Mir fehlt da doch der ehrliche Politiker vom Schlage eines Genschers.
Dass man sich nun quasi den Prototypen des Turbo-Kapitalismus ausgesucht hat, um der größten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten Herr zu werden ist für mich auch eher fraglich. Vom "roten Gedanken" her würde ich jetzt sagen "Der Henker führt mich sicherlich nicht ins Paradies"...
Die Grünen haben in meinen Augen verständlicherweise ein gutes Ergebnis erzielt, einen guten themen- und personenbezogenen Wahlkampf geführt und in Zeit von Wirtschafts- und Klimakrise sicherlich ein gutes und glaubwürdiges Programm aufgelegt. Die Grünen werden in meinen Augen auch in den kommenden Jahren deutlich gestärkt aus Wahlen hervorgehen. Momentan kann man noch sagen, dass ein bestimmter Altersschnitt sich mit den Grünen nicht so wirklich wird anfreunden können. Diese Gruppe wird ja aber von Wahl zu Wahl geringer.
SPD und Linkspartei muss man in meinen Augen zusammen betrachten. Das Ergebnis heute ist die (hoffentlich letzte) Spätfolge der Ära Schröder. Sozialreformen in diesem Land sind nicht gern gesehen und werden leider vom Wähler auch entsprechend abgestraft. Die Hartz-Reformen waren in meinen Augen notwendig und richtig, die SPD haben sie leider in eine Situation geführt in der die Glaubwürdigkeit der Partei immer wieder in Frage gestellt werden wird. Das konnte sich auch in meinen Augen so lange nicht ändern, wie die SPD in der Regierungsverantwortung gewesen ist.
Die Linkspartei ist ja im Grunde erst aus dieser Situation heraus entstanden. Die SPD hat sich somit den größten Feind selbst geschaffen. Diese schäzungsweise 6 bis 7 Prozent die die SPD an dieses Lager verloren hat sind schmerzhaft, sehr schmerzhaft.
Die Linkspartei ist für mich als gesamtes Gebilde mehr als fraglich. Ich bleibe dabei, dass es hier weniger um ein politisches Interesse geht, sondern eine der großen Triebkräfte in dieser Partei aus einer tiefen Abneigung gegenüber der SPD entstanden ist. Nicht, weil die SPD eine "falsche Polititk" betrieben hat, sondern weil eine Person aus persönlichen Gründen gegenüber der Sozialdemokratie auf beleidigte Leberwurst gespielt hat. Ohne Oskar Lafontaine wäre diese Partei im Westen nicht so stark verwurzelt, wie sie es heute ist. Und das mit einem Wahlkampf, der in meinen Augen auf Themen aufbaut, die nichts anderes als populistisches Gewäsch sind. Ich denke hier immer grinsend an die beiden Wahlplakate die oft hintereinander hingen: "Reichtum für alle" und "Reichtum besteuern"
Die SPD wird sich in der Oppositions-Zeit klar positionieren müssen, sich wieder nach links orientieren, ohne die Mitte wieder zu verlieren.
Und noch dazu wird die Partei frische personelle Kräfte in die Führung bringen. Personen, die auch bei der breiten Mehrheit ankommen und das ist für mich nicht Andrea Nahles.
Nun wie es auch sei: Es stehen harte Zeiten vor unserem Land und bevor man sich jetzt selbst gegenseitig zerfleischt sollte man sich selbst sehr genau überlegen wie man dem Land helfen kann. Denn aus dieser Krise wird es wohl nur gemeinsam gehen und auch nur dann, wenn man als Bürger endlich den Mut und den Willen zu einem echten Reformprozess mitbringt!