Internet Fanclub roteteufel.de

This is a sample guest message. Register a free account today to become a member! Once signed in, you'll be able to participate on this site by adding your own topics and posts, as well as connect with other members through your own private inbox!

Revolution in den MENA-Staaten

An solchen Ereignissen merke ich, dass ich alt werde. So schön und hoffnungsvoll die Situation auch sein mag, irgendwie ist man nicht mehr unbefangen genug, um einen langfristig guten Ausgang für sehr wahrscheinlich zu halten. So sehr ich auch die Daumen drücke.
 
Unglaubliches Gänsehautgefühl. Jetzt gilt es Ägypten die Daumen zu drücken, dass sie ein neues, demokratisches Land hinbekommen.
 
Der erste Schritt ist getan... glückwunsch an das ägyptische Volk... jetzt bleibt zu hoffen, dass der Weg in die Demokratie so gelingt, wie sich die meisten das vorgestellt hat..
 
Frau Merkel hat schon wieder nur von "letztem großem Dienst von Mubarak an sein Volk" und hofft lediglich, dass die "Sicherheit Israels gewahrt bleibt". Sorry, aber ich schäm mich für diese Kanzlerin.



Was, in Herrgottsnamen, haben friedliche Demonstraten, die sich ihre Freiheit erkämpfen, mit Israel zu tun?
 
Frau Merkel hat schon wieder nur von "letztem großem Dienst von Mubarak an sein Volk" und hofft lediglich, dass die "Sicherheit Israels gewahrt bleibt". Sorry, aber ich schäm mich für diese Kanzlerin.


Was, in Herrgottsnamen, haben friedliche Demonstraten, die sich ihre Freiheit erkämpfen, mit Israel zu tun?


Hat sie nicht echt so gesagt?

Ein Witz, wen interessiert jetzt Israel?
 
Frau Merkel hat schon wieder nur von "letztem großem Dienst von Mubarak an sein Volk" und hofft lediglich, dass die "Sicherheit Israels gewahrt bleibt". Sorry, aber ich schäm mich für diese Kanzlerin.


Was, in Herrgottsnamen, haben friedliche Demonstraten, die sich ihre Freiheit erkämpfen, mit Israel zu tun?


Hat nicht irgendwie ALLES mit Israel zu tun? [da müsste ein Smiley hin - ich weiß nur nicht, welcher]
 
Frau Merkel hat schon wieder nur von "letztem großem Dienst von Mubarak an sein Volk" und hofft lediglich, dass die "Sicherheit Israels gewahrt bleibt". Sorry, aber ich schäm mich für diese Kanzlerin.


Was, in Herrgottsnamen, haben friedliche Demonstraten, die sich ihre Freiheit erkämpfen, mit Israel zu tun?


Ich nehme an, sie drückt damit ihre Sorge aus, dass eine islamistisch geprägte Regierung (nicht islamisch, klar
default_icon_wink.gif
) an die Macht kommen könnte. Das Regime Mubarak hat halt doch eine gewisse Stabilität bedeutet, auch wenn man das nicht unbedingt positiv auslegen muss. In Ägypten herrscht eine ausgesprochen israelfeindliche Stimmung wegen zurückliegender Kriege, aber wo herrscht die im Nahen Osten schon nicht.



Es ist halt so, dass wegen gewisser zurückliegender Ereignisse bis '45 Deutschland bzw. seine Vertreter eine besondere Empfindlichkeit gegenüber Israel ausdrücken (müssen), auch wenn man das als jemand, der zwei Generationen später geboren ist, nicht mehr unbedingt verstehen muss (wenn man sowas wie "Erbschuld" entschieden ablehnt)
 
Frau Merkel hat schon wieder nur von "letztem großem Dienst von Mubarak an sein Volk" und hofft lediglich, dass die "Sicherheit Israels gewahrt bleibt". Sorry, aber ich schäm mich für diese Kanzlerin.


Was, in Herrgottsnamen, haben friedliche Demonstraten, die sich ihre Freiheit erkämpfen, mit Israel zu tun?




Was mich viel mehr an diesem Auftrit ärgert, ist, dass man die ganze Zeit wenig bis gar nichts von ihr gehört hat (wie von so vielen westlichen Politikern). Auf jeden Fall hat man mal nichts von einer Unterstützung für die Menschen, die für ihre Freiheit auf die Straße gegangen sind, gehört.

Jetzt, wo sie ihr primäres Ziel erreicht haben, lassen sich dann leicht staatstragende Reden schwingen.
 
Ich nehme an, sie drückt damit ihre Sorge aus, dass eine islamistisch geprägte Regierung (nicht islamisch, klar
default_icon_wink.gif
) an die Macht kommen könnte. Das Regime Mubarak hat halt doch eine gewisse Stabilität bedeutet, auch wenn man das nicht unbedingt positiv auslegen muss. In Ägypten herrscht eine ausgesprochen israelfeindliche Stimmung wegen zurückliegender Kriege, aber wo herrscht die im Nahen Osten schon nicht.


Es ist halt so, dass wegen gewisser zurückliegender Ereignisse bis '45 Deutschland bzw. seine Vertreter eine besondere Empfindlichkeit gegenüber Israel ausdrücken (müssen), auch wenn man das als jemand, der zwei Generationen später geboren ist, nicht mehr unbedingt verstehen muss (wenn man sowas wie "Erbschuld" entschieden ablehnt)


Schon klar. Ist mir ja alles bewußt. Das darf ja von mir aus auch das Hauptanliegen aller deutschen Politik sein. Aber warum, warum in aller Öffentlichkeit in einem solchen Moment puren Glücks?



Frau Merkel sollte sich doch daran erinnern können, wie groß die Freude vor 20 Jahren in Deutschland war und was es heißt, sich von einem Unrechtsregime zu befreien.



Aber gut, ich denke darüber brauchen wir nicht diskutieren.



Und Islamismus wächst auch in Autokratien und Diktaturen. Siehe Saudi-Arabien, siehe Iran etc. Seit wann ist Israel denn um so sicherer, je menschenfeindlicher die Regime um Israel sind?
 
Schon klar. Ist mir ja alles bewußt. Das darf ja von mir aus auch das Hauptanliegen aller deutschen Politik sein. Aber warum, warum in aller Öffentlichkeit in einem solchen Moment puren Glücks?


naja, wenn ein langjähriger enger geschäftspartner, ein verläßlicher staatsmann, der seit ca. dreisig jahren mit kriegsrecht regiert einfach so vom pöbel weggemobt wird, dann muss man ja nicht unbedingt in freudengeschrei ausbrechen.




Frau Merkel sollte sich doch daran erinnern können, wie groß die Freude vor 20 Jahren in Deutschland war und was es heißt, sich von einem Unrechtsregime zu befreien.


frau merkel hätte auch in der ddr ihren weg gemacht, da bin ich mir sicher...




Und Islamismus wächst auch in Autokratien und Diktaturen. Siehe Saudi-Arabien, siehe Iran etc. Seit wann ist Israel denn um so sicherer, je menschenfeindlicher die Regime um Israel sind?


seit gewisse kreise das medienträchtig überall verbreiten und glauben so ihre eigentlichen interessen verdecken zu können.
 
Und Islamismus wächst auch in Autokratien und Diktaturen. Siehe Saudi-Arabien, siehe Iran etc.
Dort war es exakt genauso wie heute in Ägypten. Shah Reza Pahlevi musste abdanken und das Land verlassen und die ganze Welt war voller Hoffnung auf einen Frühling in Teheran. Stattdessen kam die Eiszeit nach dem Winter. Ich will wirklich niemandem in die Suppe spucken - aber ich bin skeptisch. Und froh, wenn ich mich täusche.
 
Wird schwer diese Jubelstürme zu überbieten. Vielleicht beim nächsten Championsleague-Triumph!
default_wink.png
Was die emotionalen Jubelbilder angeht: vielleicht ist es auch ein wenig das Alter, aber die deutsche Wiedervereinigung bleibt da vermutlich auf immer das Nonplusultra. Montagsdemos, Genscher auf dem Balkon in Prag, "Wir sind das Volk", Mauerfall (da bekomme ich immer noch Gänsehaut, wenn ich an die Bilder vom Brandenburger Tor denke), Trabitrommeln, "Wir sind ein Volk"...




Man kann über sie schimpfen wie man will aber ohne die Amerikaner wäre das sicherlich nicht möglich gewesen.
Ja, die Amerikaner... Eine lange, ruhmreiche Tradition haben sie ja, was das Installieren und Unterstützen ausländischer Despoten angeht. Land of the free...




An solchen Ereignissen merke ich, dass ich alt werde. So schön und hoffnungsvoll die Situation auch sein mag, irgendwie ist man nicht mehr unbefangen genug, um einen langfristig guten Ausgang für sehr wahrscheinlich zu halten. So sehr ich auch die Daumen drücke.
Da muß ich auge clausthaler zustimmen. Leider.

Bei aller Freude für die Ägypter - da sind schon auch Sorgen um die Zukunft angebracht. Sicher ist es erstmal gut, daß Mubarak weg ist und das Militär offenbar demokratische Wahlen ermöglichen will. Wie glatt das dann funktioniert in einem Land, das jahrzehntelang keine Demokratie gewöhnt war... man weiß es nicht. Hoffen wir mal alle, daß die Ägypter gebildet genug sind, nicht irgendwelchen fundamentalistischen Rattenfängern auf den Leim gehen. Das Beste wäre, wenn sie gleich als erstes die Trennung von Kirche und Staat propagieren und die Religionsfreiheit als Grundrecht anerkennen (falls das dort noch nicht schon der Fall ist).




Was mich viel mehr an diesem Auftrit ärgert, ist, dass man die ganze Zeit wenig bis gar nichts von ihr gehört hat (wie von so vielen westlichen Politikern). Auf jeden Fall hat man mal nichts von einer Unterstützung für die Menschen, die für ihre Freiheit auf die Straße gegangen sind, gehört.
Jetzt, wo sie ihr primäres Ziel erreicht haben, lassen sich dann leicht staatstragende Reden schwingen.
Typisch Merkel halt. Aussitzen (hatse beim Kohl gelernt). Bloß nix machen - kann man auch nix falsch machen.




naja, wenn ein langjähriger enger geschäftspartner, ein verläßlicher staatsmann, der seit ca. dreisig jahren mit kriegsrecht regiert einfach so vom pöbel weggemobt wird, dann kann muss man ja nicht unbedingt in freudengeschrei ausbrechen.
default_biggrin.png





frau merkel hätte auch in der ddr ihren weg gemacht, da bin ich mir sicher...
Aber sie is doch em Kohl sei Mädsche!
 
Yassin Musharbash, der Mann für die Region vom Spiegel, schreibt folgendes:




Für die Muslimbrüder wird man eine Rolle finden müssen. Sie haben in der zweiten Reihe mitprotestiert und vertreten eine signifikante Minderheit in Ägypten. Dass sie die Macht übernehmen könnten, wie einige im Westen argwöhnen, ist vorerst nicht denkbar. Alles andere müssen möglichst baldige, freie und faire Wahlen zeigen.


In Tel Aviv und Washington sind die Sorgen besonders groß, dass eine neue Regierung dieses Rad zurückdrehen könnte. Aber darauf deutet derzeit nichts hin. Selbst die Muslimbrüder haben erklärt, internationale Verpflichtungen achten zu wollen; keine der wichtigen Oppositionsgruppen hat den Israel-Frieden zum Thema gemacht. Sollten sich entsprechende Entwicklungen abzeichnen, werden vor allem die USA mit all ihrem diplomatischen Gewicht einschreiten. Vermutlich würde das ausreichen.




http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745100,00.htmlhttp://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745100,00.html



Gut, die Muslimbrüder mögen viel reden. Deswegen bleibt uns nur abwarten. Ich hoffe auf die Jugend und darauf, dass Ägypten eine faire Chance bekommt. Schaffen sie es, Arbeitsplätze zu schaffen und den Lebensstandard etwas zu heben, dann seh ich gute Chancen, dass Ägypten friedlich bleibt.
 
Das hoffe ich auch, habe daran aber meine größten Zweifel. Ägypten verfügt wie jedes andere arabische Land defacto über keinerlei demokratische Erfahrung, ist weiterhin von totalitär regierten Ländern umgeben und dürfte nun auch im Fokus der verschiedensten islamistischen Gruppen stehen.

Mubarak, der in der weltweiten öffentlichen Wahrnehmung binnen 2 Wochen auf wundersame Weise vom Friedensengel zum bösen Diktator gemacht wurde, war ein stabiler Pfeiler der Region, der größtenteils pro-westliche und israelfreundliche Politik betrieben hat - das hat er sich, wie bekannt, auch einiges Kosten lassen.
 
Yassin Musharbash, der Mann für die Region vom Spiegel, schreibt folgendes:


http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745100,00.htmlhttp://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745100,00.html



Gut, die Muslimbrüder mögen viel reden. Deswegen bleibt uns nur abwarten.
Da von so ziemlich jedem Experten genau dieses zu hören war in den letzten Tagen/Wochen, mache ich mir da keine allzu großen Sorgen.






Ich hoffe auf die Jugend und darauf, dass Ägypten eine faire Chance bekommt. Schaffen sie es, Arbeitsplätze zu schaffen und den Lebensstandard etwas zu heben, dann seh ich gute Chancen, dass Ägypten friedlich bleibt.


Das Problem ist, dass Ägypten eine patrimoniale Rentierökonomie ist. Der Patron, der alle Schlüsselposten im Land selbst besetzt hat ("Ich geb dir Macht und die Gelegenheit viel Geld zu verdienen, du fällst mir dafür nicht in den Rücken!"), ist nun weg und es entsteht ein beachtliches Machtvakuum in so ziemlich allen denkbaren Bereichen.

Ägypten generiert den Großteil seiner staatlichen Einnahmen über "Renten" (=Einnahmen ohne Gegenleistungen), hier vor allem aus Tourismus (die Pyramiden sind halt da) und über die sehr hohen Gebühren für die Fahrt durch den Suez-Kanal (Abkürzung zwischen Europa und Asien - man muss nicht um ganz Afrika herumschippern). Eine Industrie ist nur sehr schwach vorhanden, sodass die Branche mit dem meisten Potential kurzfristig nur der Tourismus ist - daher muss schnell ein allgemeines Sicherheitsgefühl im Ausland erzeugt werden. Immerhin haben sie mit dem Tahrir-Platz nun eine geschichtsträchtige Sehenswürdigkeit mehr.



Aus kapitalismustheoretischer Sicht bleibt abzuwarten, ob Ägypten vom Akkumulationsregime her weiterhin rein monopolgewinnorientiert bleibt, oder ob es gelingt, einen produzierenden Sektor aufzubauen, der signifikante Handelsgewinne erzielt.



Kulturell ist zu beachten, dass das System des "wasta" stark ausgeprägt ist. Dies ist kurz geschildert ein Pflichtgefühl zur Reziprozität - "tust du mir einen Gefallen, so habe ich die Pflicht, dir ebenfalls einen Gefallen zu tun". Diese Denkweise ist eine informelle Regel, die sämtliche sozialen Interaktionen dominiert. Allerdings ist diese informelle Regel auch in der Ökonomie sehr viel bedeutender, als sämtliche formellen Regeln. Dieser kulturelle "Wert" (oder auch Habitus) in Zusammenhang mit der derzeit vorherrschenden Art zu wirtschaften, führt automatisch zu Korruption. Damit haben Großkonzerne natürlich kein Problem (auch wenn Korruption in Ausland nicht mehr offiziell in Deutschland von der Steuer abgesetzt werden darf), aber für kleinere und mittelständische ausländische Unternehmen ist dies eine sehr große Erschwernis in Ägypten zu agieren.



Langer Rede, kurzer Sinn: Das Problem der Jugendarbeitslosigkeit lässt sich nicht kurzfristig beheben und dürfte das größte politische Problem des nächsten Jahrzehnts darstellen. Darin besteht natürlich eine breite Angriffsfläche für Populisten, die dies noch zusammen mit dem durchaus berechtigten Frust darüber, jahrzehntelang den USA und Israel tief in den Allerwertesten gekrochen zu sein, thematisieren und für ihre Zwecke ausnutzen können.



Kulturell ist zu beachten, dass das System des "wasta" stark ausgeprägt ist. Dies ist kurz geschildert



Trotz aller Skepsis - wir haben einen seltenen Sieg der Menschen eines Landes über die globalen Sicherheitsinteressen erlebt und das sollte uns alle kurzfristig erfreuen.
 
Aus kapitalismustheoretischer Sicht bleibt abzuwarten, ob Ägypten vom Akkumulationsregime her weiterhin rein monopolgewinnorientiert bleibt, oder ob es gelingt, einen produzierenden Sektor aufzubauen, der signifikante Handelsgewinne erzielt.


Monopolgewinnorientiert = Keine Konkurrenz, sondern monopolistische Strukturen? Und daraus dann Gewinn machend? (Sorry, ich merk grad mal wieder, dass mein Bachelor nicht halb so gut war, wie deiner)








Kulturell ist zu beachten, dass das System des "wasta" stark ausgeprägt ist. Dies ist kurz geschildert ein Pflichtgefühl zur Reziprozität - "tust du mir einen Gefallen, so habe ich die Pflicht, dir ebenfalls einen Gefallen zu tun". Diese Denkweise ist eine informelle Regel, die sämtliche sozialen Interaktionen dominiert. Allerdings ist diese informelle Regel auch in der Ökonomie sehr viel bedeutender, als sämtliche formellen Regeln. Dieser kulturelle "Wert" (oder auch Habitus) in Zusammenhang mit der derzeit vorherrschenden Art zu wirtschaften, führt automatisch zu Korruption. Damit haben Großkonzerne natürlich kein Problem (auch wenn Korruption in Ausland nicht mehr offiziell in Deutschland von der Steuer abgesetzt werden darf), aber für kleinere und mittelständische ausländische Unternehmen ist dies eine sehr große Erschwernis in Ägypten zu agieren.


Was ist denn die vorherrschende Art zu wirtschaften? Meinst du damit Renten und Monopole?




Langer Rede, kurzer Sinn: Das Problem der Jugendarbeitslosigkeit lässt sich nicht kurzfristig beheben und dürfte das größte politische Problem des nächsten Jahrzehnts darstellen. Darin besteht natürlich eine breite Angriffsfläche für Populisten, die dies noch zusammen mit dem durchaus berechtigten Frust darüber, jahrzehntelang den USA und Israel tief in den Allerwertesten gekrochen zu sein, thematisieren und für ihre Zwecke ausnutzen können.


Kulturell ist zu beachten, dass das System des "wasta" stark ausgeprägt ist. Dies ist kurz geschildert



Trotz aller Skepsis - wir haben einen seltenen Sieg der Menschen eines Landes über die globalen Sicherheitsinteressen erlebt und das sollte uns alle kurzfristig erfreuen.


Ich weiß nicht, wie sehr dieses "wasta" in der Gesellschaft verankert ist und über welche Mechanismus. Ist das geschichtlich bedingt oder ein kultureller Aspekt von Großfamilien oder kin-groups?



Natürlich sind solche Strukturen und Mechanismen nicht von heute auf morgen aufzubrechen. Jedoch sind sie auch nicht unüberwindbar, sondern in bestimmten Strukturen und unter bestimmten Gegebenheiten entstanden. Reziprozität ist ja nichts grundweg schlechtes.



Ich denke die Demonstranten sind gerade gegen diese Strukturen auf die Straße gegangen. Gerade, weil sie so sehr benachteiligt wurden. Ich sehe also durchaus eine Chance, dass, wenn wieder solche ausbeuterischen, ja marginalisierenden Strukturen entstehen, die Jugend wieder auf die Straße geht. Ich seh das Pendel da nicht in eine Richtung ausschlagen. Warum sollte da denn keine "sozialdemokratische" Partei entstehen? Gibt doch sicher ein paar Ägypter, die die Situation genauso gut analysieren können und Schlüsse für die Zukunft ziehen können und ein politisches Programm aufstellen können. Im Inneren seh ich also durchaus Potenzial für eine positive Entwicklung. Da könnte wirklich der entscheidende Schritt gemacht sein und sich der subjektive Faktor zum Positiven hin entwickelt haben.



Auf der anderen Seite steht natürlich ein riesen Militärapparat. Mächtig ohne Ende, auch ein großer Wirtschaftsakteur. Dieser Apparat müsste in irgendeiner Weise "entschädigt" werden bzw. seine Pfründe dürften nicht von jetzt auf gleich total abgebaut werden. Auf der anderen Seite weiß das Militär auch, was es verlieren kann, wenn es zu heftig reagiert und dem Demokratisierungsprozess im Wege stehen wird. Dann wird sich die Straße schnell gegen das Militär wenden. Das Militär muss auf Frieden im Land bauen, da seine Wirtschaftsunternehmen sonst auch keine Aufträge bekommen. Zumal das Militär durch Wehrpflicht und seine schiere Größe sehr stark in der Gesellschaft verwurzelt ist.



Wie gesagt: Im Land seh ich das Pendel in keine Richtung ausschlagen.



Etwas pessimistischer bin ich da beim Einfluss von Außen. Etwas plump gesagt: Wenn die USA sich die Partei kaufen, die ihre außenpolitischen Interessen am besten umzusetzen verspricht, dann nützt auch jede vernünftige Partei im Land nichts.
 
Monopolgewinnorientiert = Keine Konkurrenz, sondern monopolistische Strukturen? Und daraus dann Gewinn machend?


Wichtig ist hierbei auch das Stichwort "Akkumulationsregime", welches aus der Regulationstheorie kommt (http://de.wikipedia.org/wiki/Regulationstheoriehttp://de.wikipedia.org/wiki/Regulationstheorie). Hier ist einfach die Art und Weise gemeint, wie in der Volkswirtschaft eines Landes das meiste Kapital akkumuliert wird. Das können mehrere Gewinnformen sein, oder nur eine dominante. In Deutschland ist es durch den Export (v.a. Industriegüter) ein "Handelsgewinn", in Russland ist es durch Öl und Gas (hat nicht jeder, ist stark gefragt) ebenso ein "Monopolgewinn", wie in Ägypten die Einnahmen aus Tourismus und Suezkanal (Pyramiden und Abkürzung zwischen zwei Kontinenten hat auch nicht jeder).



Eine deutliche Dominanz von Monopolgewinn kann allerdings zur sogenannten "dutch disease" führen. Durch die hohen Gewinne, die in diesen Bereichen erzielt werden, kommt es a) zu inflationären Tendenzen (und in der Folge zu steigenden Zinsen), ohne Wachstum aller Sektoren, wodurch alle anderen Sektoren existentiell bedroht sind und
default_cool.png
wird eine Stärkung aller anderen Sektoren (v.a. Industrie) für die Herrscher/Politiker nicht als kurzfristig interessant betrachtet.

Das bedeutet für Ägypten: Wenn der Tourismus boomt (die Einnahmen vom Suez-Kanal sind stabil), dann gelangen über diesen Weg viele Devisen ins Land, die Inflation steigt, die Zinsen werden erhöht, ein Wirtschaftswachstum in anderen Sektoren kommt nicht in Gang und wird weiter erschwert, die Arbeitslosigkeit steigt/stagniert.



Es wäre also wünschenswert, dass es Ziel der ägyptischen Wirtschaftspolitik ist, weitere Sektoren zu stärken, sodass diese auf einen Stand kommen, auf welchem sie sich selbst möglichst autark weiterentwickeln und wachsen können. Somit könnte die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Tourismus gebrochen und Arbeitsplätze geschaffen werden.




(Sorry, ich merk grad mal wieder, dass mein Bachelor nicht halb so gut war, wie deiner)


So ein Käse! Bei uns ist der Bereich IPE halt recht groß, wir haben gute Wahlmöglichkeiten und mich interessierts. Ich hatte zudem ein Seminar über verschiedene Kapitalismusformen mit Ägypten als einem Fallbeispiel (sonst USA, Deutschland, Schweden, Russland, China, Japan, Indien, Brasilien). Das sagt also mal rein gar nichts aus.




Was ist denn die vorherrschende Art zu wirtschaften? Meinst du damit Renten und Monopole?


Ne, damit meine ich eigentlich die Marktwirtschaft. Wobei es in Ägypten (ähnlich wie in Russland) keinen freien Markt gibt, sondern der Staat und die informellen Netzwerke der wirtschaftlichen Elite das Sagen haben - dies führt für ausländische Konzerne, die in das Land wollen, dazu, dass die "Reisekostenabrechnungen" massiv steigen.
default_wink.png





Ich weiß nicht, wie sehr dieses "wasta" in der Gesellschaft verankert ist und über welche Mechanismus. Ist das geschichtlich bedingt oder ein kultureller Aspekt von Großfamilien oder kin-groups?


Ich denke mal, dass man das nicht voneinander trennen kann. Die Sache ist halt die, dass das ein Verhaltensmuster ist, was den kompletten gesellschaftlichen Alltag bestimmt und somit auch in die Wirtschaft "hineinragt" - allerdings wird dies zumeist ausschließlich aus Sicht der Wirtschaft betrachtet und im Sinne der Wirtschaft auf eben dieser Ebene zu beeinflussen versucht, was weder sinnvoll, noch effektiv ist. (Siehe auch die Anti-Korruptionsmaßnahmen in anderen Ländern.)




Natürlich sind solche Strukturen und Mechanismen nicht von heute auf morgen aufzubrechen. Jedoch sind sie auch nicht unüberwindbar, sondern in bestimmten Strukturen und unter bestimmten Gegebenheiten entstanden. Reziprozität ist ja nichts grundweg schlechtes.


Ich denke die Demonstranten sind gerade gegen diese Strukturen auf die Straße gegangen.


Ja, ich denke aber auch, dass dies ein zentrales Problem ist und sein wird. Einerseits ist "wasta" wertneutral zu sehen. Die Folgen aus diesem Verhaltensmuser werden allerdings entweder positiv (die berühmte arabische Gastfreundlichkeit/Herzlichkeit) oder negativ (Korruption/Vetternwirtschaft) bewertet. Man kann in meinen Augen nicht einfach so die negativen Aspekte abschaffen und damit Chancengleichheit und Aufstiegsperspektiven schaffen, ohne auch die positiven Aspekte zu beeinflussen und damit die kompletten gewachsenen Gesellschaftsstrukturen umzuwerfen. Das wird natürlich versucht werden, aber es dürfte sehr, sehr schwer werden.




Gerade, weil sie so sehr benachteiligt wurden. Ich sehe also durchaus eine Chance, dass, wenn wieder solche ausbeuterischen, ja marginalisierenden Strukturen entstehen, die Jugend wieder auf die Straße geht. Ich seh das Pendel da nicht in eine Richtung ausschlagen. Warum sollte da denn keine "sozialdemokratische" Partei entstehen? Gibt doch sicher ein paar Ägypter, die die Situation genauso gut analysieren können und Schlüsse für die Zukunft ziehen können und ein politisches Programm aufstellen können. Im Inneren seh ich also durchaus Potenzial für eine positive Entwicklung. Da könnte wirklich der entscheidende Schritt gemacht sein und sich der subjektive Faktor zum Positiven hin entwickelt haben.


Hier werden auch die deutschen Parteien (seltsamerweise
default_wink.png
) eine wichtige Rolle spielen. Die politiknahen Stiftungen der deutschen Parteien gelten in Ägypten als exzellent verdrahtet - hier wird wohl jede Partei versuchen, ihr entsprechendes ägyptisches Pendant zu stärken. Was der Westen halt akzeptieren muss, ist eine recht starke islamistische Partei, die ernst zu nehmen ist, deren Rolle aber nicht überinterpretiert und deren Existenz vom Ausland nicht verteufelt werden darf. Ich denke, dann wird Ägypten durchaus seinen eigenen Weg gehen, oftmals auch im Westen anecken, aber keine Bedrohung für irgendjemanden darstellen.




Auf der anderen Seite steht natürlich ein riesen Militärapparat. Mächtig ohne Ende, auch ein großer Wirtschaftsakteur. Dieser Apparat müsste in irgendeiner Weise "entschädigt" werden bzw. seine Pfründe dürften nicht von jetzt auf gleich total abgebaut werden. Auf der anderen Seite weiß das Militär auch, was es verlieren kann, wenn es zu heftig reagiert und dem Demokratisierungsprozess im Wege stehen wird. Dann wird sich die Straße schnell gegen das Militär wenden. Das Militär muss auf Frieden im Land bauen, da seine Wirtschaftsunternehmen sonst auch keine Aufträge bekommen. Zumal das Militär durch Wehrpflicht und seine schiere Größe sehr stark in der Gesellschaft verwurzelt ist.


Das wird auch spannend zu beobachten sein. Die große Frage: Wird die USA auch jetzt noch Milliardenzuschüsse für Militärausgaben leisten? Ich glaube eher nicht. Das Militär ist eine institutionelle Größe und muss nun irgendwie einem Parlament "unterworfen" werden. Zu begrüßen wäre es natürlich, wenn sein Einfluss beschnitten werden könnte und seine Besitztümer in die Hand des Staates übergehen würden. Vielleicht könnte man dafür den "Hohen Militärrat" irgendwie in den Entscheidungsprozess einbinden. Eventuell könnte man Militärvertreter und hohe Geistliche gemeinsam mit Vertretern der Jugend als zahlenmäßig stärkste gesellschaftliche Gruppe gemeinsam in ein Aufsichtsorgan mit einer ähnlichen Rolle wie der Deutsche Bundesrat einbinden, welches das gewählte Parlament überwacht. Aber das ist reine unausgegorene Spekulation






Wie gesagt: Im Land seh ich das Pendel in keine Richtung ausschlagen.


Etwas pessimistischer bin ich da beim Einfluss von Außen. Etwas plump gesagt: Wenn die USA sich die Partei kaufen, die ihre außenpolitischen Interessen am besten umzusetzen verspricht, dann nützt auch jede vernünftige Partei im Land nichts.


Naja, der Deal von Mubarak in den 70ern war ja: Ich reagiere per Notstandsverordnung an der (formal-demokratischen) Verfassung vorbei, halte die gläubigeren Moslems klein, sorge dafür, dass von unserer Seite her die Sicherheit Israels gewahrt bleibt und dafür pfeift ihr auf eure sonst so gern vorgetragenen Lobgesänge auf Demokratie und Freiheit. Die USA haben auch schlaue Berater auf der wissenschaftlichen Ebene, die wissen, dass eine Unterdrückung nur zur Radikalisierung führen kann und dass ein offener Umgang sehr viel besser ist. Die Frage ist nur, wie die US-Politiker dies ihren Bürgern verkaufen. Wenn die Sicherheit Israels gewahrt bleibt, haben die USA keinen objektiven Grund, sich in die inneren Angelegenheiten Ägyptens einzumischen. Allerdings machen die USA eben so etwas auch oft genug ohne objektiven Grund... Also, abwarten und zuschauen.
 
Scheinbar Entspannung im Bahrain, Verschärfung der Situationen in Libyen und im Jemen.





Aufruhr im Nahen Osten

<span>Bahrains Herrscherfamilie zieht Militär ab</span>



Soldaten verlassen die Hauptstadt, der König bietet Gespräche an - entspannt sich die Situation in Bahrain? In den vergangenen Tagen hatte es massive Proteste gegen das Herrscherhaus gegeben, es gab Tote und Verletzte. Zuletzt hatte auch US-Präsident Obama den Monarchen zur Zurückhaltung ermahnt.



Mehr...(spiegel)
 
Scheint so, als wäre Gaddafi in Libyen kurz vorm Ende. Offenbar schließen sich ja mehr und mehr Politiker und Soldaten den Aufständischen an.
 
Dieser Superspacko Gaddafi lässt Düsenjets auf Demonstranten schießen!

Und ist gleichzeitig 3t-größter Öl-Lieferant Deutschlands.



Ich überleg grad schon 5 Minuten, was ich hier noch reinschreiben will. Vielleicht in Zukunft 2mal überlegen, welche Strecken man unbedingt mit Auto fahren soll? Aber das bringt auch nicht wirklich was
default_icon_confused.gif
 
Ich hab Lybien als 5 größten, aber immerhin man meint ja allgemein unser ganzes Öl käme aus dem Arabischen Raum. Aber weit gefehlt Nr. 1 Russland 35% vor Norwegen

20% von des Saudies nur 3,8 %.
 
Habs gerade auf N-TV gesehen, der hat doch völlig den Faden verloren! DAs wird da bedeutend heftiger als in Ägypten!
 
Zurück
Oben