Tour de Voigt- 6. Etappe von www. sport1.de
"Brems du, oder wir stürzen beide"
Ich bin heute am Anfang ein paar Mal mitgesprungen, leider ohne Erfolg. Aber mich hätte Discovery Channel eh nicht weggelassen. Die sagen sich ja auch: "Oh, Voigt ist Dritter. Das wäre ja ein Geschenk für ihn." Wir hätten ja auch nicht anders reagiert. Wenn ein Hincapie anstalten gemacht hätte, auszureißen, dann wären wir da auch hinterhergegangen.
Es hat mich aber schon gewundert, dass sich gleich fünf Fahrer vom Feld absetzen konnten. Die Teams der beiden Top-Sprinter Tom Boonen und Robbie McEwen haben aber auch eigentlich nichts dagegen, denen kommt es sogar ganz gelegen wenn ein Gruppe die Zwischensprints abräumt. Denn sonst müssen sie schon vor dem Zielsprint mehrmals richtig Gas geben. Und das zieht die Energie aus den Beinen.
Das Wetter hat uns heute dafür übel zugesetzt. Der heftige Seitenwind und der Regen machten das Rennen sehr unkomfortabel. So gab es nicht einen Moment, in dem man sich mal locker mit seinem Nebenmann unterhalten konnte. Alle Fahrer haben da eine Menge Körner gelassen.
Ganz schlimm wurde es aber, als es unser Kapitän Ivan Basso einen Defekt hatte und Bjarne Riis sich ein wenig verschätzte. Denn eigentlich sollten zwei Leute reichen, um unseren Kapitän wieder ans Feld heran zu fahren. Kurt Asle-Arvesen und ich hätten Ivan dann übernommen und ihn nach vorne gebracht. Aber vorne war das Tempo einfach zu hoch. Deshalb mussten wir beide uns auch noch fallen lassen. Zu viert haben wir es dann geschafft.
Ich muss Quick Step und Davitamon aber auch mal ein großes Lob aussprechen. Die haben absolutes Vertrauen in ihre beiden Top-Sprinter und arbeiten 100 Prozent für Boonen und McEwen.
Am Ende verhinderte ein absolut vorhersehbarer Sturz einen Massensprint. Dabei kann eigentlich gar nichts passieren, wenn jeder rechtzeitig bremst. Aber hier ist die Tour de France. Gnade oder einfach mal locker drüber wegschauen gibt es nicht. Es gilt das Motto: Entweder bremst du, oder wir stürzen beide. Keiner bremst hier als Erster.
Deshalb waren wir auch heilfroh, dass wir heute sturzfrei aus der Etappe herausgekommen sind. Es war ja wieder einmal ein reiner Transporttag für uns. Das klingt immer öde und langweilig. Aber so ist das nun einmal, wenn man einen Klassement-Fahrer in den eigenen Reihen hat. Diese Jungs attackieren nicht bei Kilometer 50, sondern entscheiden den Gesamtsieg in den Bergen.
So bleibt mir dann immer nur, in der Nähe von Ivan zu fahren und ihn so gut wie möglich zu beschützen. Auf der morgigen Etappe wird das wohl nicht anders sein. Meine Zeit ist noch nicht gekommen, auch wenn die Tour in Deutschland natürlich auch für mich etwas ganz Besonderes ist. Meine Eltern sind jetzt schon da und in Karlsruhe warten dann viele Freunde auf mich.
Bis dann,
Euer Jens Voigt!
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Sympathischer Kerl. Man wird ihn aber aufgrund seiner momentan guten Gesamtklassementplatzierung wohl erst nach den Bergen in einer Ausreißergruppe sehen, wenn er einen größeren Rückstand hat, und den Favoriten nicht mehr gefährlich werden kann.