Ok, es ist eigentlich überflüssig hier einen TV-Tip für 20:15 abzugeben, der nichts mit einem gewissen Fußballspiel zu tun hat
, aber vielleicht möchten ja einige Leute ebenfalls ihren Festplattenrekorder programmieren...
"Wer vom Kino nur erwartet, was er immer vom Kino erwartet, wird in diesem Film nicht glücklich werden. Allen anderen jedoch steht die Erfahrung bevor, was Kino auch sein kann, wenn man es nur lässt. Am Ende fühlt man sich jedenfalls so, als sei man in einen Traum versunken gewesen, aus dem man nur langsam wieder auftaucht." (Michael Althen in seiner FAZ-Kritik zu "Uncle Boonmee", 2010)
Arte sendet heute zwei "Geisterfilme" von hoher Qualität, die aber eben beide wenig mit dem zu tun haben, was man als Mainstream-Kinogänger heutzutage so erwartet. Den zweiten Film kenne ich persönlich nicht, bin aber schon gespannt, was ich da so zu sehen bekomme.
The Haunting (GB, 1963); arte, 20:15 - 22:00 und wh am 19.04.
Zu Deutsch "Bis das Blut gefriert" (leider). Ja, der Streifen hat schon Staub drauf, aber trotzdem ist das auch in den modernen Zeiten der Spezialeffekte immer noch ein Meilenstein. Und zwar eben gerade weil
keine Effekte Verwendung fanden, sondern konsequent auf stimmungsvolle Umsetzung der Geschichte geachtet wurde. Es gibt ein Remake von 1999, was nicht außergewöhnlich schlecht ist, aber doch gegen diesen 60er-Klassiker abstinkt. Wenn man seine auf Hochglanz-Hollywood gepolten Sehgewohnheiten für zwei Stunden abschaltet und dem Film sein Alter von einem halben Jahrhundert zugesteht, dann bekommt man einen sw-Film mit hervorragender Atmosphäre und Gänsehautpotential zu sehen.
Uncle Boonmee (THAI/D/F/GB, 2010); arte, 22:00 - 23:50 und wh am 29.04.
"Wer einen phantastischen Film drehen möchte, hat zwei Möglichkeiten: Entweder er packt so viel Unwirkliches in die Bilder, dass er die Realität gründlich daraus vertreibt. So arbeiten meist die Fantasy-Schmieden von Hollywood. Nur, dass man die Alltäglichkeit kaum wieder loswird, weil meist schon die Hauptfiguren alte Bekannte sind. Oder man geht den umgekehrten Weg: Man nimmt einfach alles Überflüssige aus den Bildern heraus, bis sich die Geister nicht mehr im Schrank verstecken können. Und sich die Sicht auf die Welt wieder ins Kindliche zurückverwandelt. Als man die nächtlichen Schatten noch zu fürchten wusste und die Morgensonne bestaunte, weil sie die Staubkörner tanzen ließ. So macht es der Thailänder Apichatpong Weerasethakul, der mit seinem Film „Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben“ die Goldene Palme von Cannes gewonnen hat." (Daniel Kothenschulte, FR, 2010)
So, und weil das für manchen womöglich zuviel des Arthouse-Cinemas war, gibt's noch das totale Gegenteil im Nachtprogramm. Obwohl - das ist soweit auf der anderen Seite des Spektrums, daß es beinahe schon wieder am gleichen Ende herauskommt...
Die Bettwurst (D, 1970); zdf, 01:30 - 02:50
Das ZDF hievt den doch tatsächlich von der Sparte noch in den Hauptsender. Kaum zu glauben.
Ach Du Sch.....! Viele Filme hätten es heute eher verdient als Tip genannt zu werden. Viele? Nein, ALLE hätten es eher verdient! Ich gebe hier also einen Anti-Tip allererster Kajüte ab. Vor vielen Jahren, als der gute Lenfer noch jung und knackisch war, da war dieser Film im damaligen sozialen Umfeld berühmt-berüchtigt und wurde immer mal wieder zur allgemeinen Belustigung (meist mit gleichzeitiger Zufuhr weicher Drogen) vorgeführt. Zugegeben - es gab Menschen, die saßen absolut verständnislos daneben, während wir uns halbtot gelacht haben. Ein gewisser Draht zu Trashfilmen müßte schon vorhanden sein, sonst sollte man diesem Machwerk wirklich fernbleiben. Leute, die bspw Helge Schneider etwas abgewinnen können, dürften hier sicher auf ihre Kosten kommen. - Also, was haben wir hier? Das Spielfilmdebut von Rosa von Praunheim, das ohne Drehbuch, ohne Schauspieler (die diesen Namen verdienen würden), mit äußerst beschränktem Budget, äußerst beschränkter Handlung, äußerst beschränkten Dialogen/Onelinern ("I'll kill you! You Schwein!", lol) und gräßlicher Technik (Kamera, Schnitt, Licht,....) in nur zehn Tagen in Kiel in Szene gesetzt wurde. Die beiden Hauptdarsteller: vPraunheims Tante Luzi Kryn (im Film "Luzi", meh!) und der ehemaliger Stricher(!) Dietmar Kracht ("Dietmar", mit angeschwultem Mannheimer Dialekt!). - Ihr seid gewarnt!
"Lutzziii, isch liebe Diiiisch!"