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mal was interessantes zum lesen über Heiko Herrlich habe ich aus DBB zeigt nochmal das er viel durchgemacht hat.
es geht noch weiter Teil 2
http://www.zeit.de/online/2006/31/RUND-http://www.zeit.de/online/2006/31/RUND- ... ich?page=2
"Anleitung zum Glücklichsein", Porträt von 2006
Heiko Herrlich - wie tickt der überhaupt?
Wer saftigen Rasen und eine warme Dusche braucht, ist bei mir fehl am Platz“, sagt er. Dann gibt der A-Jugend-Trainer von Borussia Dortmund seinen Schützlingen schon wieder deutliche Anweisungen. Es ist ein schäbiger, verregneter Abend, aber Herrlich liebt diese Atmosphäre. „Eigentlich müssten noch Glasscherben und Felsbrocken aufs Geläuf, um die Jungs zu fordern. Selbst Andy Möller hat mir mal gesagt, dass er in der Jugend am liebsten auf Asche spielte und dort erst lernte, den Ball anzunehmen“, erzählt Herrlich und erntet von den wenigen Zuschauern Kopfschütteln. Ausgerechnet Möller, dem sie häufig nachsagten, eine Heulsuse gewesen zu sein. Aber sein ehemaliger Mitspieler weiß es besser. Möller sei ein Teamplayer gewesen, „einer mit Siegermentalität“.
Wenn Herrlich über Fußball redet, dann benutzt er diesen Begriff häufig. Manchmal variiert er auch und spricht von der „Steffen-Freund-Mentalität“ als grundlegender Charaktereigenschaft, um im Fußball Erfolg zu haben. „Einmal mehr aufstehen als hinfallen“, meint der 34-Jährige, aus dessen Mund sich derlei Aussagen nicht wie platte Sprüche anhören. Herrlich lebt Leidenschaft vor. Einer wie sein früherer Kollege Steffen Freund sei auf dem Platz für andere gestorben. Viel zu viele Fußballer habe er in seiner Karriere erlebt, die gescheitert sind. „Die hatten alle mehr Talent als ich, aber nicht genug hiervon“, erzählt der Coach und klopft auf seine Brust. Dahin, wo sein Herz schlägt.
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In den Wochen vor der Erkrankung befand er sich auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn und auf dem Weg in die Nationalmannschaft: „Ich schoss sieben Tore in zehn Bundesligaspielen. Es lief blendend.“ Der Erfolgswille habe ihn aber so verbissen gemacht, dass er dem Fußball alles noch viel mehr unterordnete als zuvor. Bekannte, die mal kurz mit ihm reden wollten, blockte er ab, weil dies die Konzentration aufs nächste Spiel störte. Herrlich bezeichnet sich rückblickend als oberflächlich.
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In einer Zeit, in der die meisten Trainer von Taktik reden, setzt er andere Prioritäten. „Das ist kein Widerspruch. Systematik, Koordination und andere Dinge gehören auch zu meinen Schwerpunkten. Die beste Taktik funktioniert aber nur, wenn die Spieler eine große Siegermentalität haben. Die Reihenfolge im Training zu vermitteln ist entscheidend“, glaubt Herrlich. Ausgiebig redet er mit seinen Spielern darüber, Besprechungen unmittelbar nach den Partien dauern mindestens eine Viertelstunde. Der Coach, der versucht, nicht wie ein Hampelmann an der Linie zu fuchteln – „Ich habe ja früher auch viel Mist gespielt“ –, aber selten ruhig sitzen kann, versucht den richtigen Tonfall zu finden. Ein über weite Strecken überlegen geführtes Spiel zu verlieren, sei „wie der Discobesuch, bei dem du stundenlang Augenkontakt mit einem echt scharfen Schuss hast, die Frau aber doch von einem anderen abgeschleppt wird“. Seine Schützlinge verstehen diese lockere Sprache und versuchen, die Vorgaben ihres Trainers umzusetzen.
es geht noch weiter Teil 2
"Unbeschadet Himmel und Hölle überstanden", Porträt aus dem Jahr 2007
http://www.welt.de/sport/article943744/http://www.welt.de/sport/article943744/ ... anden.html
Heiko Herrlich - wie tickt der überhaupt, Teil 2:
Die Jungs hören zu, denn dieser Trainer erzählt keinen Schwank aus dem Leben, sondern das pure Leben. Er kennt nicht nur oben und unten, nicht nur Höhen und Tiefen, er war schon darüber hinaus.
Herrlich, auch wenn es abgeschmackt klingt, hat den Himmel erlebt und die Hölle. Aus beiden ist er einigermaßen unbeschadet herausgekommen. Es ist ein weites Feld zwischen dem Gewinn der Champions League und dem Sieg über den Krebs. Dort ist seine Stärke gewachsen, sein Wissen, seine Nachdenklichkeit. Jetzt will er weitergeben, vermitteln und erziehen.
Natürlich steckt Matthias Sammer dahinter. Mit dem hat er gespielt, bei dem hat er trainiert, die gemeinsamen Jahre in Dortmund verbinden, der DFB-Sportdirektor hat schon voriges Jahr bei Herrlich angeklopft. Seit 2005 hat der frühere Stürmer (258 Bundesligaspiele, 75 Tore) die A-Jugend von Borussia Dortmund trainiert, und es war Gutes zu hören über seinen Umgang mit jungen Menschen. Die Prüfung zum Fußballlehrer ist mit der Note 1,9 notiert. Doch viel mehr noch hat ihn die andere Prüfung des Lebens geprägt.
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„Die Krankheit begleitet mich jeden Tag“, das sagt Herrlich heute, wo alles vorbei ist, bis auf die jährliche Nachuntersuchung, der nächste Termin ist im Dezember. „Tumor im Mittelhirn, bösartig, inoperabel“, das war im November 2000 die Diagnose. Er war 28, seine Frau war schwanger, er wollte doch noch Weltmeister werden. Sein Leben stand Kopf, dass es bald vorbei sein sollte, damit wollte er sich nicht abfinden. Das Ergebnis der sechswöchigen Strahlentherapie war wie ein Wunder: geheilt.
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Den Tumorbonus wollte er nicht haben, kein Mitleid, keine Geschenke. Wollte an den üblichen Kriterien gemessen werden: an Toren, Punkten, sprich: an Leistung. Er spielte wieder, aber die Karriere war bald zu Ende, als ihm der Ellenbogen von Sunday Oliseh Joch- und Nasenbein zertrümmerte. Noch heute trägt er zwei Platten unterm Orbitalbogen im Gesicht. Er wurde Trainer.
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Heiko Herrlich ist ein kluger Kopf. Er könnte leicht etwas anderes machen als Fußball. Aber er will nur Fußball. Vater Lehrer, Mutter Lehrerin, Ehefrau Lehrerin, Sonderpädagogen alle drei, es lag also ziemlich nahe, dass er Fußballlehrer werden würde. Und auch seine Schüler sind nicht ganz einfach. Nicht mehr Kinder, noch nicht Erwachsene, verwöhnte Talente, er sagt: "Am Übergang zum lebendigen Statussymbol.“ Natürlich bringt er ihnen bei, wie sich im Spiel geschickt der Ball mitnehmen lässt. Wichtiger ist aber die Lektion: das Leben nehmen. Und das ist kein Spiel. "Das Leben ist hart und es besteht aus Arbeit. Nicht aus Gucci und Prada.“
Der Weg ist oft qualvoll, aber nicht mit einem Porsche zu bewältigen. Die Verführer umzingeln die Talente schon in der Pubertät: Mädchen und Manager, Macher und Moneten, da heißt es aufpassen. „Vielen wird mit 15 eine große Zukunft vorausgesagt, aber nur wenige kommen oben an.“ Statt beim FC Bayern landen sie in Paderborn, was ja nichts Schlimmes ist. Aber auch auf diese Möglichkeit sollten sie vorbereitet sein. Er nennt das Frustrationstoleranz. Herrlich erzählt ihnen also weniger über Spann und Spiel als über die Achterbahn des Lebens. Er ist sie lange genug gefahren. „Ich habe das doch alles durchgemacht: Hoch gelobt, dann doch nicht gut genug, nach Hause geschickt, gedemütigt, dann von Berti Vogts wieder zurückgeholt, der erste Vertrag mit 18, Hoffnung, Chancen, Angst. Daraus bestand mein Leben.“
Herrlichs Lebensschule hat ungewöhnliche Fächer, nicht bloß Sport. Motto: Der Einzelne ist nichts, das Ganze alles. Bei Herrlich heißt das: „Der Fußball ist groß, aber im Vergleich zum Leben ist er so was von klein.“