Mich würde vor allem folgendes mal interessieren:
1. Wieviel Prozent der deutschen Bevölkerung spielt (oder hat gespielt) Killerspiele und hat jemanden ermordet?
2. Wieviel Prozent der deutschen Bevölkerung besitzt Waffen, oder kommt im eigenen Haushalt an diese heran und hat jemanden ermordet?
Was nützt eine Diskussion zum Thema PC-Spiele den vergangen und zukünftigen Opfern und Tätern von Amok-Läufen?
Wenn man schon nicht über Ursachen nachdenken möchte, so sollte man sich vielleicht mit anderen Randerscheinungen beschäftigen, die wesentlicher sind - bspw. Waffengesetze.
Es läuft niemand Amok, weil er eine Waffe besitzt.
Es läuft niemand Amok, weil er ein Spiel spielt.
Es läuft niemand Amok, weil er ein Lied gehört oder einen Film gesehen hat.
Man sollte es zwar grundsätzlich nicht machen, aber ich versuche mich dennoch an einer Kategorisierung krimineller Jugendlicher, zu denen ich Amokläuder zähle.
Typ 1 ist einfach verkorkst. Man spricht hier von Soziopathen, oder anders kranken Menschen, die einfach nur eine Gefahr für sich selber und andere darstellen. Einflussfaktoren sind vor allem Prädisposition und Sozialisation.
Typ 2 hat ein (nicht unserer Gesellschaft angepasstes) Moralverständnis, eine niedrige Hemmschwelle zur Gewalt und wenig Respekt vor anderen Menschen. Hier ist bei der Sozialisation einiges falsch gelaufen.
Typ 3 stammt aus einem (mehr oder minder) stabilen Elternhaus, ist (vor allem in der Pubertät) überdurchschnittlich schüchtern und nimmt sich vieles zu sehr zu herzen. Er wird überdies in der Schule im positiven eher gemieden und ist im negativen Zielscheibe für Spott und Mobbing durch Mitschüler und Lehrer. Wenn er in der vorhandenen Welt schon nicht klarkommt, zieht er sich halt zurück und kreiert eine Welt, in der er der Big Boss ist.
Auf viele kriminelle Jugendliche passt Stereotype Nr. 3. Nr. 2 ist seltener aber nicht außergewöhnlich selten. Typ 1 ist zum Glück sehr selten, aber umso gefährlicher.
Aus dem verfügbaren Informationsmaterial würde ich Eric Harris als Typ 1 bezeichnen und Dyllan Klebold als Typ 2.
Die deutschen Amokläufer aus Erfurt und Winnenden hingegen scheinen eher dem dritten Typus zu entsprechen - in der Retrospektive sprechen Mitschüler häufig von ihnen als "klassische Loser".
Ich möchte behaupten, dass keine dieser 3 Tragödien ohne PC-Spiele nicht stattgefunden hätte. Für Columbine könnte man vielleicht sogar etwas positives herleiten - vielleicht sind die Jungs durch die Einfachheit der Spiele überheblich geworden und haben daher bei der Konstruktion der Zünder an den großen Bomben in der Cafeteria versagt, die bei der geplanten Detonation vielen Menschen zum Verhängnis geworden wären (diese Spekulation unterscheidet sich in nichts der Spekulation, ob sie ihre Tat wegen PC-Spielen begangen hätten).
Die deutschen Amokläufer haben zunächst das gemacht, was Millionen Teenager in Deutschland (inklusive mir) ebenfalls in Vergleichssituation getan haben. Wenn sie gefrustet waren, haben sie laute und aggressive Musik gehört, sich mit Ballerspielen erst abreagiert und anschließend dabei gesammelt und konzentriert (diese Spiele erfordern ein hohes Maß an Konzentration, um einen Spielerfolg zu generieren und damit verbunden Glückshormone freizusetzen). Was die beiden Jungs von den Millionen von anderen Jungs (und Mädels) unterscheidet, scheint folgendes zu sein: Sie hatten niemanden, mit dem sie reden konnten. Im Elternhaus wurden Probleme nicht offen besprochen, oder heruntergespielt und kleingeredet, und außerhalb hatten sie niemanden, dem sie vertrauen konnten. Ich denke, wir wissen alle, wie gut es tut, sich Probleme von der Seele zu reden und anschließend Verständnis, Mitleid und/oder aufmunternde Worte zu ernten, die man ernst nehmen kann.
Ich sehe die Schuld aber auch nicht bei den Waffen, die waren halt da und haben den Schaden maximiert, aber es wäre auch ohne Waffen schlimmes passiert. Die Jungs wollten einmal ihr Umfeld beherrschen, einmal ein falsches Machtgefühl haben (hier sind die Psychologen gefragt, warum viele Menschen mit Minderwertigkeitsgefühl ein übersteigertes Machtverlangen haben) und sich anschließend sowohl der Strafe und Verantwortung entziehen, als auch ihren Eltern (die ihnen in ihrer Not nie beistanden) die Höchststrafe zuteil werden lassen, indem sie sich umbrachten.
Ohne Schusswaffen hätten sie vielleicht ein einzelnes Mädel aus ihrer Klasse herausgepickt, vergewaltigt und sich anschließend von einer Brücke gestürzt.
Weder Spiele, noch Musik, noch Waffen machen Menschen zu Killern. Es ist entweder ein wesentlicher Teil ihrer selbst (Typ A), eine latente Gefahr, die durch äußere Umstände verstärkt wird (Typ
, oder aber ein Fall, in dem einfach alles schief gegangen ist, was schief gehen kann (Typ C).
Die Tatsache, dass sich die verantwortliche Generation (der Eltern, Lehrer und Politiker) lieber mit Nebensächlichkeiten abgibt, anstatt sich schmerzhaften Wahrheiten zu stellen, sagt mir, dass es in Deutschland noch einige sehr schlimme und sehr blutige Ereignisse dieser Kategorie geben wird und ich kann nur mit einer gewissen Bitternis sagen: Selbst schuld!