Schiri Kinhöfer: Wir haben einen Fehler gemacht
In den Katakomben der Ostkurve des Weser-Stadion pustete Kaiserslauterns Team-Manager Olaf Marschall kräftig durch. "Das Glück musst du erstmal haben, dass die Bremer zu Hause kein Tor machen", freute sich der Ex-Nationalspieler. Neben Fortuna stand den Lauterern auch das Schiedsrichter-Gespann unfreiwillig zur Seite, denn der Unparteiische Thorsten Kinhöfer traf in Kooperation mit Linienrichter Christian Fischer eine schwere Fehlentscheidung.
Das Duo übersah ein klares Tor der Bremer. Patrick Owomoyela hatte nach einer Ecke von Christian Schulz den Ball klar hinter die Linie gedrückt. Doch alle Proteste und Hinweise der Werderaner halfen nichts. Der Ausgleichstreffer zum 1:1 wurde nicht anerkannt. "Wir haben ein klares Tor erzielt, aber es wurde nicht gegeben. Das war eigentlich nicht zu übersehen, der Ball war drin. Doch auf Nachfrage beim Linienrichter sagte der, er habe es nicht sehen können, weil zu viele Spieler im Blickfeld standen", erklärte Mannschaftskapitän Frank Baumann. Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer bestätigte diese Version: "Ich habe zu meinem Assistenten geschaut, er hat mir kein klares Zeichen gegeben. Ihm war die Sicht versperrt, da viele Spieler auf der Torlinie standen. Mir war auch die Sicht versperrt."
Geschäftsführer Klaus Allofs kritisierte trotzdem: "Das war wirklich peinlich für den Linienrichter, der Ball war einen halben Meter hinter der Linie, der hat schon fast das Netz berührt. Wenn der Linienrichter das nicht erkennt, dann kann er sich gleich die Augen zuhalten, dann brauchen wir da draußen auch keinen Assistenten mehr."
Nach Ansicht der Fernsehbilder musste der Unparteiische den großen Irrtum nach dem Schlusspfiff zugeben. "Ja, der Ball hat eindeutig die Torlinie überschritten. Das haben die TV-Bilder gezeigt. Wir haben einen Fehler gemacht. Es tut uns leid", so Kinhöfer, der sich über diese Fehlentscheidung ärgerte: "Fehler machen weder Spieler noch Schiedsrichter gerne. Das Spiel lief bis dahin ganz gut für uns, aber wenn man jetzt weiß, dass so ein Spiel durch so eine Entscheidung beeinflusst wurde, dann kann man sich vorstellen, dass wir nicht freudestrahlend in der Kabine sitzen."
von Michael Rudolph und Juliane Schramm
Spielbericht: Erste Heimniederlage beim 0:2 gegen K'lautern
Das bisherige Tabellen-Schlusslicht 1. FC Kaiserslautern hat Werder Bremen am 21. Spieltag die erste Heimniederlage beigebracht. Die Grün-Weißen verloren trotz einer über weite Strecken drückenden Überlegenheit mit 0:2 (0:0) und fallen damit in der Tabelle hinter dem Hamburger SV (1:0 gegen Mainz 05) auf Platz drei zurück.
Kapitän Frank Baumann und Tim Borowski kehrten vor 36.218 Zuschauern im Weser-Stadion nach ihren Gelb-Sperren in die Startelf zurück, dafür mussten Jurica Vranjes und Daniel Jensen zunächst auf der Bank Platz nehmen. Durch die Verletzung von Andreas Reinke kam Tim Wiese zu seinem Debüt in der Bremer Anfangsformation. Ausgerechnet seine ehemaligen Kollegen aus Kaiserslautern hätten dem 24-Jährigen dann beinahe früh einen „eingeschenkt“. FCK-Kapitän Marco Engelhardt tauchte nach drei Minuten völlig frei im Werder-Strafraum auf, doch Wiese verließ sein Tor zur rechten Zeit und klärte mit dem Fuß.
Naldos Latten-Knaller eröffnet Werders Powerplay
Danach waren die Hausherren wach und übernahmen das Kommando. Der Brasilianer Naldo schoss einen Freistoß aus 30 Metern an die Latte (13.), es folgten Möglichkeiten für Fahrenhorst (15.) und Klasnic (17.). Werder zog jetzt phasenweise ein Powerplay auf, kam aber gegen die tief stehenden Pfälzer selten in gute Schussposition oder blieb im Abschluss zu unpräzise. Letzteres galt beispielsweise für Frank Fahrenhorst, dessen Kopfball nach Frings-Ecke ebenso eine leichte Beute für FCK-Torwart Jürgen Macho wurde wie ein Frings-Kopfball nach Flanke von Borowski (39., 42.). Kurz vor dem Halbzeitpfiff setzte sich der agile Frings nach einem langen Pass von Borowski auf der rechten Seite gegen Engelhardt durch und flankte auf Klasnic, aber auch der Kroate verfehlte sein Ziel – auch wenn sein Kopfball nur um Zentimeter am Lauterer Tor vorbeizischte (45.).
Mit zunehmender Spieldauer verdienten sich die Gäste jedoch das bis dahin schmeichelhafte Unentschieden. Die Schaaf-Elf blieb zwar auch nach der Pause tonangebend, Lautern aber wurde mutiger und war öfter in der Offensive zu finden. Für Werder entwickelte sich ein Geduldsspiel, der Führungstreffer wollte einfach nicht fallen. Thomas Schaaf reagierte nach einer guten Stunde und brachte nach und nach mit Daniel Jensen für Tim Borowski, Patrick Owomoyela für Petri Pasanen und Jerome Polenz für Ivan Klasnic frische Kräfte – ohne zählbaren Erfolg. Die einzige Großchance ergab sich nach einer Ecke von Torsten Frings, dem stärksten Werderaner: Erst blieb ein Schuss von Naldo in der Abwehr der „Roten Teufel“ hängen, dann knallte der glücklose Valdez den Ball knapp rechts vorbei (66.).
Reguläres Owomoyela-Tor nicht gegeben
62% Ballbesitz, 15:1 Ecken, 29:3 Flanken, aber bei 27 Torschüssen kein einziges Tor: Diese fahrlässig schwache Ausbeute rächte sich für Werder in der 71. Minute. Der eingewechselte Sören Halfar konnte auf der linken Seite unbedrängt von Owomoyela in Ruhe flanken, Boubacar Sanogo erwies sich in der Mitte trotz Bewachung von Schulz und Naldo als dankbarer Abnehmer und ließ Tim Wiese mit seinem Kopfball keine Chance – das 0:1. Werder reagierte mit wütenden Gegenangriffen, rannte sich aber immer wieder in der vielbeinigen FCK-Abwehr fest. Bis zur 78. Minute: Patrick Owomoyela köpfte einen Eckball von Christian Schulz auf das Tor, Skela konnte erst hinter der Linie klären, doch weder Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) noch sein Assistent hatten es gesehen und gaben den Treffer zum Entsetzen aller Werderaner nicht.
Damit war der Gipfel der Bremer Gegenwehr überschritten, danach lief trotz aller Bemühungen nicht mehr viel zusammen. Bei einem weiteren Konter hatten die Lauterer nun leichtes Spiel: Halfar bediente Sanogo, der nur den Pfosten des bereits leeren Tores traf. Der Abpraller landete bei Skela, der Owomoyela aussteigen ließ und zum 0:2 einschob. Es war die Entscheidung in einem Spiel, das alle Werder-Fans am liebsten wohl ganz schnell vergessen würden.
von Kevin Kohues
Werder Bremen – 1. FC Kaiserslautern 0:2 (0:0)
Werder Bremen: Wiese - Pasanen (64. Owomoyela), Fahrenhorst, Naldo, Schulz - Baumann - Frings, Borowski (61. D. Jensen) - Micoud - Valdez, Klasnic (71. Polenz); auf der Bank: Vander, van Damme, Andreasen, Vranjes
1. FC Kaiserslautern: Macho - Hertzsch, Béda, Schönheim - Borbély (63. Reinert), Lembi, Engelhardt - Skela, Zandi (67. Halfar) - Halil Altintop (55. Mikic), Sanogo
Tore: 0:1 Sanogo (71.), 0:2 Skela (88.)
Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)
Weser-Stadion: 36.218 Zuschauer
Gelbe Karten: Borbély, Mikic
Torschüsse: 27 : 12
Ecken: 15 : 1
Flanken: 29 : 3
Ballkontakte: 62% : 38%
Gewonnene Zweikämpfe: 55% : 45%
Fouls: 16 : 21
Abseits: 4 : 10
Die meisten Torschüsse: Fahrenhorst, Frings, Klasnic (4) – Sanogo (5)
Die meisten Torschussvorlagen: Frings (12) – Skela, Engelhardt, Halfar (2)
Die meisten Ballkontakte: Frings (101) – Engelhardt (65)
Die Zweikampfstärksten: Baumann (74%) – Schönheim (65%)
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