Globalisierungskritiker auf ein "gegen die moderne Welt sein" zu reduzieren, spricht schlicht für Ignoranz. Hier weisen viele Menschen darauf hin, dass der Reichtum unserer "westlichen Welt" auf der Ausbeutung anderer Länder beruht. Sei es durch amerikanische Kriegsführung zur Sicherung von Rohstoffen, oder durch europäische Landwirtschaftspolitik die künstlich Autarkie herstellt und so afrikanische Länder vom Markt fern hält. Der Traum von einer Welt, in der Kinder in jedem Land genug zu essen bekommen, mag für Onkel Helmut Utopie sein, doch hat man vor nicht allzu langer Zeit auch ein friedliches Europa für Utopie gehalten.
Bin ja kein Fan von "Wir sind Helden" oder "Juli", aber was Onkel Helmut diesen Bands da vor wirft ist rational nur schwer nachvollziehbar. Als Musiker ist es selbstverständlich, dass sie ihre Musik über Fernsehen einem breiten Publikum vorstellen, schließlich leben diese Menschen von dieser Musik. Diese Musiker dürfen ihre politische Gesinnung dieses Wochenende genauso beweisen, wie du es tust.
Schön, dass ich so eine sachliche (mein ich ernst) Diskussion losgetreten habe.
Ich versuche mal, gut zu antworten:
Ich generalisiere da sicher nicht alles. Was ich mit meinem Post aber ausdrücken wollte, ist, dass ich mich gegen Leute wende, die in ihrer Einstellung nicht konsequent sind. In meinen Augen muss man seine Einstellung konsequent vertreten und durchziehen, wenn man ernstgenommen werden will.
Satanischefärse zB hat gesagt, dass er es nicht gut findet, im Winter Erdbeeren zu essen, sondern dass Marmelade ausreicht. So eine Konsequenz in seiner Einstellung nötigt mir zB mehr Respekt ab, als irgendwo zu demonstrieren. Da sieht man, er hat sich Gedanken gemacht, wie er als Einzelner in seinem Umfeld was tun kann. Und davor habe ich Achtung und Respekt, wenn ich auch andererseits weder Pazifist bin, noch seine Einstellung teile, finde ich, dass man das achten und respektieren muss.
Im Gegensatz zu ihm finde ich, dass sich viele Leute heutzutage selbst lächerlich machen. Ich spekuliere einfach mal, dass bei diesen Veranstaltungen für einige Teilnehmer heutzutage bald mehr bder Eventcharakter und das "gegen irgendwas sein" im Vordergrund steht, als die Tatsache, sich über was ernsthaft Gedanken zu machen. Von den Krawallmachern ganz zu schweigen.
Wenn man sich die vielen verschiedenen Gruppen - vom bürgerlichen Spektrum über Friedensbewegung, Grüne bis hin zu Kommunisten, Autonomen, Antifa und schwarzem Block ist alles vertreten, mal ansieht, wird klar, dass die ganze Angelegenheit sehr heterogen ist und ein Wirrwarr darstellt. Sie sind sich alle einig, dass sie dagegen sind - jedoch werden, wie bei solchen Bündnissen immer - wenig konstruktive Gegenvorschläge gebracht.
Einige Dinge, die wirklich einfach wären wie der Schuldenerlass für manche Länder usw., wären tatsächlich sinnvoll und auch umsetzbar. Andere Dinge wieder, die von einzelnen vorgebracht werden, sind einfach bloß Blödsinn.
Im Sonderteil der FAZ zum G8-Gipfel standen zB Interviews mit Demo-Teilnehmern, stellvertretend für die vielen Gruppierungen, die mitmachen und da fragt man sich bei manchen wirklich, in welcher Welt sie leben. Einer, ein Theologe und Kirchenmann meinte, er hat als Fernziel, dass der Kapitalismus an sich abgeschafft wird. Eine andere, Friedensaktivistin, erzählte, ihre Mutter hätte sie in den 80ern auf die Anti-Nato-demos mitgenommen, und das war so toll, seitdem darf sie nirgends fehlen (so wie wir zum Betze gehen). Ein Dritter meinte wörtlich. "Die G8 regieren die Welt und zielen auf eine Weltordnung, aufgebaut auf Krieg und Gewalt. Wir wollen den Gipfel stören und dagegen ankämpfen".
Sicher, das sind Einzelne Leute, aber sie stehen doch für gewisse Weltanschauungen, und da fragt man sich echt, wo leben die Leute bzw. wie kommen die auf so einen Bullshit. Man muss doch merken, dass das, was man da von sich gibt, völlig unrealistisch oder aber auch schlicht falsch ist.
Die G8 sind keine "Weltregierung" sondern schlicht und einfach ein Treffen der 8 reichsten Nationen, nicht mehr und nicht weniger. Zu den Blockzeiten haben diese Konferenzen uns den Frieden gesichert. Bei den ganzen Meinungsverschiedenheiten, die unter denen Herrschen (Raketenschild, Klimawandel etc.) kann man doch nicht im Ernst auf die Idee kommen, die als Weltregierung zu bezeichnen, geschweige denn ihnen eine auf Krieg gerichtete Weltordnung zu unterstellen. Sowas ist doch einfach gequirlter Käse.
Und solche Leute regen mich einfach auf, weil sie nicht zur Kenntnis nehmen WOLLEN, dass sie Teil einer Welt sind, die eben nach bestimmten Mechanismen funktioniert, und zwar nicht, weil es Regierungschefs so wollen, sondern weil es die Natur des Menschen so bestimmt. Wie ich das meine?
--> Nehmen wir Afrika. Ein Kontinent, der lange kolonisiert war, der ausgebeutet wird wegen Rohstoffen, dauernd irgendwo Bürgerkrieg, die Menschen hungern usw. Böse Sache, ohne Frage! Wer soll nun an allem Schuld sein? Der Westen. Fällt mir schwer, das zu glauben.
Begründung:
Die letzten Staaten wurden Anfang der 60er Jahre, also vor 40 Jahren in die Unabhängigkeit entlassen. Die Folgen der Kolonialzeit wogen schwer, das war alles erstmal ein ziemliches Durcheinander. Jedoch nach 40 Jahren für das andauernde Chaos dem Westen die Schuld in die Schuhe zu schieben, da macht man es sich schlicht zu einfach. Der Grundsatz, dass jeder sich selbst der Nächste ist, Schwächere ausgebeutet werden etc, wenn die Lage nicht stabil ist usw., den haben nämlich die Einheimischen da unten, sprich Die Clanchefs, selbsternannte Präsidenten irgendwelcher Armeen in Bürgerkriegen usw. selbst auch erkannt. Nach dem Ende des kalten Kriegs spätestens, waren nämlich auch in Afrika die Stellvertreterkriege zu ende - das ist mittlerweile auch 15, 20 Jahre her. Es sitzen da unten größtenteils keine Satellitenregierungen von Westens oder Ostens Gnaden mehr am Hebel, sondern oft irgendwelche Warlords, die aus Bürgerkriegen etc. hervorgegangen sind und nun ihre eigene Bevölkerung ausbeuten. Beispiele gibt es genug: Somalia, Zimbabwe, DR Kongo, Sudan und wie sie alle heißen.
Das sind oft ethnische, Stammes- oder Religiöse Konflikte, die da unten ausgefochten werden, oft auch um Bodenschätze, um sich persönlich zu bereichern. Darunter leiden die Einheimischen, und sie sterben zu Hunderttausenden. Aber dafür kann der "Westen" ursächlich rein gar nichts. Die Entwicklungshilfe versagt, weil sich solche Leute wie die eben genannten persönlich bereichern wollen oder gewisse innenpolitischen, lokalen Ziele verfolgen, und nicht, weil der "Westen" ein Interesse dran hat, dass es diesen Ländern scheiße geht.
Viel mehr ist der Ausbeutungsgrundsatz und das "homo homini lupus"-Verhalten in Afrika intern ebenso stark ausgeprägt, wie anderswo, weil dort eben auch Menschen leben. Und Menschen verhalten sich so, wenn sie ohne stabile Strukturen leben und ohne Gesetze. Und es ist nicht Aufgabe des Westens, ihnen diese Strukturen zu geben, denn das würde heißen sie ihnen von außen aufzubürden, und dann wäre man wieder beim Szenario Irak.
Klar - man kann mir jetzt entgegenschleudern, dass internationale Konzerne die Rohstoffe da unten ausbeuten, Häfen als Müllhalde benutzen usw. Das ist auch sicher richtig. Aber das sind Konzerne, und keine Regierungen.
Was die Politik dagegen tun kann, und auch tut, ist zB dafür zu sorgen, dass zB keine Blutdiamanten aus Angola mehr in Antwerpen verkauft werden, dass Shell Strafzölle bekommt, wenn sie Angolanisches Erdöl importieren. Ansonsten ist die Politik da ziemlich machtlos, denn der Raum, in denen sich die Konzerne da unten bewegen, ist dortiger Rechtsraum bzw wie oben gezeigt rechtsfreier Raum. Sowas ist moralisch das letzte und man muss versuchen, mit rechtlichen Maßnahmen dagegen vorzugehen, aber solange dort keine stabilen Strukturen herrschen, wird sich daran nichts ändern. Da kann man noch so viel demonstrieren oder im Dritte-Welt-Laden einkaufen.
Was man als Maßnahmen braucht, um wirklich was zu bewegen ist, anstatt für Millionen Brot dorthin zu schicken, die dortigen Zustände auszunutzen und die dortigen Systeme mit ihren eigenen Mitteln auszuhebeln, damit es den Leuten bald besser geht.
Man kann nicht einfach Lebensmittel und Ärzte dahin schicken, sondern man muss genug Schmiergelder an den dortigen Beamtenapparat bezahlen, damit die Hilfe auch ankommt. Den meisten geht es verständlicherweise um materielle Besserstellung, ums rauskommen aus dem Elend. Wenn man da genug Geld auch in dieser Hinsicht investiert, hat man sicher bessere Chancen, da was zu bewegen.
Denn es geht in erster Linie mal nicht darum, dort unten gleich moralisch einwandfreie Zustände zu schaffen, sondern schlicht darum, zu verhindern, das Zehntausende Menschen zB verhungern oder umgebracht werden. Des weiteren geht es darum, bessere Infrastrukturen zu schaffen, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, damit das ganze sich irgendwann selbst trägt.
Moralisch-ethischen Idealismus kann man in Afrika vergessen, wenn man was erreichen will, das ist ein Luxus, den wir uns aufgrund unseres auch ethisch hohen Lebensstandards leisten können. In Eritrea, wo die Äthiopische Luftwaffe ein Dorf mal wieder in die Steinzeit zurückgebombt hat, interessiert die Leute erstmal nur, wo sie was zu essen herkriegen und nicht, ob in Norddeutschland grade jemand für sie demonstriert. Denn das bewirkt rein gar nichts.
Fazit des ganzen Spieles: Wir sind hier bei "so isses" und nicht bei "wünsch dir was". Und das begreifen sehr viele, die da demonstrieren, in meinen Augen leider nicht. Ganz abgesehen von dem geringen Teil, der diese Veranstaltung als Bühne für Gewalt, Selbstdarstellung oder auch als Teil der Popkultur begreift.
Man muss zB bezogen auf Afrika einfach sehen, was man unter gegebenen Umständen mit welchen Maßnahmen erreichen kann. Pragmatismus heißt die Devise und nicht Sozialromantik.