09.06.2010
Schweinegrippe-Pandemie
Wie die WHO das Vertrauen der Verbraucher verseucht
Von Cinthia Briseño
dpa
WHO-Chefin Chan (mitte): "Nicht von kommerziellen Interessen beeinflusst worden"
Hat die Pharmaindustrie die Schweinegrippepanik mit Zahlungen an Wissenschaftler geschürt? Drei Seuchenexperten der Weltgesundheitsorganisation haben Geld von Konzernen erhalten. Jetzt verteidigt sich die WHO in einem offenen Brief - für Transparenz sorgt sie damit aber nicht.
Diese Reaktion war zu erwarten. Gerichtet war sie an die Redakteure der Fachzeitschrift "British Medical Journal" ("BMJ"). Ein offener Brief, unterzeichnet von Margaret Chan, der Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ein Brief, der alle Vorwürfe zerstreuen soll. Vorwürfe, die vor wenigen Tagen publik wurden und erneut den Umgang der WHO mit der Schweinegrippe kritisieren. Chan aber kontert: "Zu keiner Zeit, nicht für eine Sekunde, sind meine Entscheidungen von kommerziellen Interessen beeinflusst worden."
Am Freitag hatte das britische Medizinmagazin zusammen mit der englischen Journalisteninitiative Bureau of Investigative Journalism (BIJ) einen Bericht mit brisantem Inhalt veröffentlicht. Das Papier dreht sich im Wesentlichen um eine Entscheidung, die am 11. Juni 2009 fiel und die weltweit weitreichende Folgen mit sich brachte. Es geht um den Tag, an dem die WHO die Schweinegrippe zur Pandemie, einer Seuche der WHO-Stufe 6, erklärte.
In dem Bericht heißt es, einige der Autoren, die an den Richtlinien der WHO zum Umgang mit Grippepandemien mitgewirkt haben, hätten zur gleichen Zeit Geld von den Pharmafirmen GlaxoSmithKline (GSK) und Roche erhalten. GSK ist Hersteller des Impfstoffs Pandemrix, der gegen die Schweinegrippe zum Einsatz kam. 2007 hatte sich Deutschland dem britischen Konzern gegenüber vertraglich verpflichtet, den GSK-Pandemie-Impfstoff zu kaufen, sobald Phase 6 ausgerufen wird. Roche vertreibt das Grippemedikament Tamiflu (Wirkstoff Oseltamivir).
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