Schallende Ohrfeige für Overath
fussball: Vorstand des 1. FC Köln nicht entlastet - 24 Millionen Euro Schulden - ,,Ihr macht den FC kaputt"
Von Daniel Theweleit
Köln. Der mit über 24 Millionen Euro verschuldete Fußball-Bundesligist 1. FC Köln steht nach einer teils chaotischen Mitgliederversammlung mit einem nicht entlasteten Vorstand da. Einfach übel!
Wolfgang Overath ist Weltmeister, eine Kölner Ikone, ein erfolgreicher Geschäftsmann, doch ein feines Gespür für den Geist der Zeit scheint ihm zu fehlen. Jedenfalls hat der Präsident des 1. FC Köln nicht mitbekommen, dass die Leute sich nicht mehr mit schwachen Argumenten und Phrasen von einer besseren Zukunft abspeisen lassen. Oder er hat sich maßlos überschätzt. Jedenfalls erlaubte sich der Präsident des Tabellenletzten einen desaströsen Auftritt. 1317 der aufgebrachten Mitglieder verweigerten ihm am Ende die Entlastung. Bei 520 Ja-Stimmen.
Doch das Verhalten der Mitglieder war nur konsequent nach sechseinhalbjähriger Amtszeit Overaths, in der sich trotz immenser Investitionen nur wenig Nachhaltiges entwickelt hat. Fundierte Kritik und Aufforderungen, doch bitte ein Konzept zu präsentieren, beantwortete der Präsident mit einem schrägen Lachen, oder - in seinen besseren Momenten - mit wortreichen Rechtfertigungen. Er übte aber auch Selbstkritik.
Wichtiger war Overath jedoch zu betonen, dass er nichts zu tun hat mit den Transfers. Overath wollte die Verantwortung für die teure, aber schwach besetzte Mannschaft anderen zuschieben. Das kam nicht gut an. Die mehrfach vorgetragene Bitte, eigene Fehler zu konkretisieren, ignorierte er beharrlich. Das schürte den Zorn der Mitglieder. Zunächst brüllte nur eine kleine Gruppe „Meier raus!" und „Vorstand raus!", am Ende stimmte rund ein Drittel des Saales, in das wütende „Ihr macht den FC kaputt" ein.
Den Höhepunkt der Peinlichkeiten bildete dabei aber die Abstimmung. Zunächst hielt eine große Zahl von Mitgliedern die Nein-Kärtchen in die Höhe, ähnlich viele votierten für die Entlastung des Vorstandes um Overath. Mit der Selbstherrlichkeit der Macht erklärte Verwaltungsratschef Rolf Martin Schmitz: „Das ist die Mehrheit" - eine unglaubliche Arroganz. Nach zornigen Protesten wurde erneut abgestimmt, diesmal mit klarem Votum.
Wahrscheinlich hätte Overath den Abend retten können, wenn er Manager Michael Meier geopfert hätte, doch diese Stillosigkeit verkniff er sich. Dass Meier sehr bald entmachtet wird, wurde klar, als Schmitz, der Vorsitzende des mächtigen Verwaltungsrates, ans Rednerpult trat. „Sehr kritisch" betrachte das Gremium die Entwicklungen, sagte der Vorstandschef eines Energieversorgers. Die von Meier zusammengestellte Mannschaft hält er für untauglich. „Wenn ich mit solchen Mitarbeitern ein Unternehmen leiten müsste, dann hätte ich ein ernstes Problem."
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße
Ausgabe: Nr.269
Datum: Freitag, den 19. November 2010