Diese Diskussion war in allen Einzelheiten -inklusive beteiligter Personen- vorhersehbar. Sie ist auch ein Beleg dafür, was dem Forum in den letzten zwei Jahren Stück für Stück verloren gegangen ist: Zwischentöne - individuelle Denkweisen...
Meinung A meets Meinung B - Dialektik, die auf halbem Wege stecken bleibt, weil die Synthese fehlt; in gewisser Weise ist das ermüdend, ja quälend.
Ich kann dem Jubelpersertum ebensowenig abgewinnen, wie der Erwartungshaltung, die in Hass umschlägt, sobald es nicht wunschgemäß läuft. Persönliche Beleidigungen oder gar rassistische Schmähungen sind indiskutabel, darüber sollte eigentlich Einigkeit bestehen. Spieler sind Menschen, haben Gefühle und verdienen es, mit Respekt behandelt zu werden. Es gibt eine Grenze, die nicht überschritten werden darf.
Aaaaber: Liebe und Leidenschaft sind eben keine sterilen Gefühle, die völlig unabhängig vom Kontext abgerufen werden können. Gerade in einer guten Beziehung sagt man sich auch mal ungeschminkt und drastisch die Meinung - umso herrlicher ist dann der Versöhnungs-Sex. Das ist allemal schöner und gesünder, als mit eingefrorenem Dauerlächeln im Gesicht alles unter den Teppich zu kehren.
Gerade beim FCK war das über Jahrzehnte genau die Mischung, die die Gegner das Fürchten lehrte, aber auch dem eigen Team gelegentlich Beine machte. Die Fans hatten ein sehr gutes Gespür, wann die Mannschaft Aufmunterung und Streicheleinheiten brauchte und wann einen Tritt in den Hintern.
Diese archaisch-organische Fankultur ist leider Stück für Stück verlorengegangen und einige scheinen diese durch eine SED-Parteitagsstimmung ersetzen zu wollen: Applaus, egal warum, egal wofür - bedingungsloser Support heißt das jetzt. Was dabei aber übersehen wird, ist, dass es keine natürliche Entsprechung für diese Verhaltensweise gibt - ALLES bedingt sich gegenseitig, baut aufeinander auf, grenzt sich ab, synchronisiert und ergänzt sich, ensteht durch Widerspruch und Auflösung desselben. Mechanische Akklamation, artifizielle Freude, ereignisunabhängige Begeisterung sind blutleere und letztlich wertlose Äußerungen an der Grenze zur Selbstverleugnung und zur Heuchelei.
Gerade weil ich den FCK liebe, leide ich mit, gerate in Entzückung, gerate in Zorn, spüre Trauer, Erleichterung, Rührung... - eben die ganze Bandbreite des Gefühlslebens. Das wird mir auch niemand nehmen.
hugh
Was mich noch interessieren würde: Kennt jemand einen sachlich-kritischen Schlachtruf oder -gesang?