Doppelt schade, dass du die Gelegenheit nicht nutzt, meine "einfache" Argumentation durch eine differenziertere zu ersetzen.
Dass die Wiedervereinigung nicht aus Steuermitteln, sondern vorwiegend aus den Sozialkassen bezahlt wurde, ist Tatsache. Damals gab es noch eine prall gefüllte westdeutsche Rentenkasse....
Und wer hat darin einbezahlt? Nicht die Besserverdiener, nicht die Selbständigen und Freiberuflichen, nicht die höheren Beamten - das waren die Arbeiter und Angestellten, die, weil sie mit ihrem Verdienst unter einer Mindestgrenze liegen, dort rentenpflichtversichert sind. Gerecht wäre es gewesen, die Wiedervereinigung ausschließlich aus Steuermitteln zu finanzieren, damit alle Teile der Bevölkerung damit belastet werden.
das ist ein ganz entscheidender punkt für unsere maroden sozialversicherunsgsysteme.
von dem solidarsystem haben auf einmal menschen profitiert, welche niemals einbezahlt haben. das diese kollabieren wurde dadurch beschleunigt.
allerdings kommt halt noch dazu, dass die aufwendungen für gesundheit weiter angestiegen sind sowie die renten von immer weniger menschen getragen werden.
meiner meinung nach sollten, die sozialsysteme unabhängig von steuergeldern finanziert werden. da dies derzeit nicht möglich ist, liegt v.a. an dem punkt, den du oben anführst, nach der wiedervereinigung hätte aus der staatskasse erstmal ein riesen betrag in die sozialversicherungen geschoben werden müssen.
dass jetzt familien mit kindern entlastet werden durch höhere freibeträge und höheres kindergeld ist längst überfällig!
auch den ansatz von steuersenkungen, zunächst natürlich auf pump, ist m.m.n. der richtige weg. kleinere und mittlere einkommen müssen entlastet werden, denn das sind diejenigen, welche den binnenkonsum ankurbeln können. der konsumquote aufs einkommen betrachtet ist höher als bei einem topverdiener. deren steuerhöhe würde ich nicht erhöhen, um gegenzufinanzieren, da sonst die abwanderungsgefahr stärker wird durch den internationalen steuerwettbewerb.
zusätzlicher konsum bringt wachstum, wodurch wieder teile der schulden zurückgeführt werden können, wenn diese rückflüsse in ein paar jahren da sind.
dazu finden sich unnötige kostspielige subventionen sowie einsparmöglichkeiten am aufgedunsenen verwaltungsapparat. damit lässt sich für den staat auch mal an seinen ausgaben was drücken, so wie ein privater haushalt auch vorgehen würde!
jetzt steuern zu erhöhen, wäre m.m.n. der völlig falsche weg. klar ist schulden zu machen nicht das optimum, allerdings entziehen wir uns durch höhere steuern und belastungen selbst die möglichkeit, die schulden zurückzuführen. nur ein laden, der läuft, kann auch verbindlichkeiten zurückführen. also muss man ihn erstmal wieder zum laufen bringen.
steuersenkungen können dazuführen, dass insgesamt die steuereinnahmen in den folgejahren langsam steigen. ähnliche massnahmen in der steuerpolitik in den 80er jahren in usa und england, haben jahre später, in den 90er jahren, dort dazu geführt, dass die steuereinnahmen wieder angestiegen sind.
das problem dabei ist halt, dass der staat soviel selbstdisziplin haben muss, diese mehreinnahmen zu nehmen, um die schulden wieder zurückzuführen. und das wurde dort genau nicht gemacht!