Gegen Westerwelle (und nicht erst, seit er mitregieren darf) ist Lafontaine in puncto Populismus und Opportunismus ein Waisenknabe. Oskar hat mit Sicherheit noch nicht halb so viel Schaden angerichtet wie unser derzeitiger Außenminister, von dem man gerne mal wüsste, ob er auch mal an einem Fettnäpfchen vorbeitritt statt immer nur hinein.
95 % unserer Politiker sind lupenreine Populisten, die groß darin sind, Probleme, die längst bekannt sind, immer wieder nur zu benennen, statt Lösungen zu finden, und die sich vor unbequemen Wahrheiten drücken.
Auch der Dicke aus Oggersheim, der sich gern als Wiedervereinigungskanzler feiern lässt, ist da keine Ausnahme. Während der nämlich noch großspurig und in Stammtischmanier verkündete, die Wiedervereinigung würde aus der Portokasse bezahlt, hat Lafontaine schon damals Fakten und Zahlen auf den Tisch gelegt und eine andere Vorgehensweise vorgeschlagen. Wie man heute weiß, wäre man damals besser Lafontaine gefolgt statt Kohl.
Jahrelang hat man Lafontaine dafür gescholten, dass er damals nicht in die allgemeine nationale Besoffenheit eingestimmt und statt dessen vernünftige Alternativvorschläge gemacht hat. Aus dieser Zeit rührt der "schlechte" Ruf Lafontaines, auf den sich allen voran die Springerpresse eingeschossen und keine Gelegenheit ausgelassen hat, ihn zu verunglimpfen. Das setzt sich bis heute fort.
Statt anzuerkennen, dass Lafontaine seinen Ministerjob aufgegeben hat, weil er die arbeitnehmerfeindliche Politik Schröders nicht mittragen wollte, macht man ihm sein konsequentes Handeln zum Vorwurf. Wieviele Politiker würden denn so ehrenhaft handeln? Einen einflussreichen, machtbesetzten Ministerposten einfach aufgeben, weil sie die Regierungspolitik nicht mit ihren Grundsätzen vereinbaren können? Einem zugegeben unbequemen Lafontaine legt man sein Handeln als Populismus aus, einen Kohl, der aus persönlicher Eitelkeit die Wiedervereinigung nur auf Kosten der Arbeitnehmer durchgeboxt hat, feiert man...